
Knapp zwei nach „Irregularis (The Great Hiatus)“ trudelt nun das 23. Album des dynamischen Altherrentrios aus der Grafschaft Kent ein. Darauf gibt die Combo um den exzentrischen Schnauzbartträger Billy Childish, hier unterstützt von MILKSHAKES-Drummer Bruce Brand und Johnny „Tub“ Johnson am Bass, mit zwölf Songs in einer guten halben Stunde einen weit aufgestellten Überblick über alle Facetten ihres musikalischen Treibens. Die HEADCOATS erspielten sich zu Beginn der 1990er einen Ruf als „Gentlemen of Garage Rock“, waren zwar nie wirklich erfolgreich im Sinne von Charts, Fame etc., blieben aber eine jener Bands, über die die „Großen“ des Alternative Rock, also Typen wie Jack White und Kurt Cobain Loblieder sangen. Aber selbstverständlich folgten die Coats unbeirrbar, ohne jegliche Einflüsse außerhalb ihres kleinen, verwinkelten und auf sich selbst fixierten Kosmos, ihrem kreativ beinahe selbstzerstörerischen Kurs. Schon im Titel des neuen Albums definiert Childish seine HEADCOATS als „Vernacular“, betont mit altertümlicher Wortwahl, dass seine Band „Street“ sei. Eigentlich ein unnützer Hinweis, aber spleenige Selbstironie war immer schon Kennzeichen der Childish-Projekte. Aber insgesamt sich muss man leider feststellen, dass sowohl das letzte Album vor dem Break, „I Am The Object Of Your Desire“ von 2000, als auch das 2023er Album die Essenz der HEADCOATS wesentlich besser auf den Punkt gebracht haben. „Vernacular“ ist eine soundmäßig absolut stimmige Produktion, Billy hat die Aufnahmen (vermutlich im gleichen Abwasch wie die fürs HEADCOATEES-Album) im Ranscombe-Studio von Jim Riley eingespielt, das klingt sofort vertraut, wer Überraschungen und neue Visionen sucht, ist hier fehl am Platz. Problematisch ist hier lediglich das etwas beliebige Material. Es fehlt an Schärfe und der Fokus auf den typischen HEADCOATS-Duktus. Viele der Songs könnten ohne Probleme im Repertoire jeglicher der unzähligen weiteren Childish-Combos vorkommen, das Songspektrum ist noch weiter als üblich, es enthält nun auch Post-Punk- und sogar Acidfolk-Einflüsse. Gleich der Opener macht mit WIRE-artigen Gitarren einen unerwarteten Start, „If people don’t like (It must be good)“ kommt nicht so richtig in die Gänge, und mit dem Titel scheint Billy auch den kompletten Anspruch des etwas inkonsistenten Albums zu beschreiben. Es gibt zwei R&B-Cover (von Bo Diddley und Slim Harpo), kaum modernisierte Remakes alter HEADCOATS-Nummern und als großes Finale, „Modern terms of abuse“, das in deutlich anders arrangierter Fassung auch das neue HEADCOATEES-Album ziert. „Vernacular“ ist unscharf, und es fehlt leider ein roter Faden und so etwas wie eine eigene HEADCOATS-Identität, die die eklektische Songsammlung zusammenbinden kann.
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