
Tilman Tarach hat es sich zur Aufgabe gemacht, den verleugneten „christlichen Wurzeln des modernen Antisemitismus und Antizionismus“ nachzuspüren. Warum diese Wurzeln angeblich verleugnet werden, bleibt indes sein Geheimnis. Selbst im achtbändigen „Handbuch Antisemitismus“ führt Wolfgang Benz das „älteste religiöse, kulturelle, soziale und politische Vorurteil“ stringent auf den bereits im dritten und vierten Jahrhundert sich entfaltenden „Zorn der Christen“ zurück: die im Neuen Testament fixierte Heilsbotschaft, der zufolge Jesus „erlöst“ habe, werde von „den Juden“ strikt abgelehnt; stattdessen hielten diese unvermindert an ihrer Religion fest. „Das hat sie ausgegrenzt seit den ersten Jahren des Christentums“, resümiert Benz. Tarach belegt die „Basis des Irrtums über die Juden“ aber gründlicher, umfassender; und er findet in der „nicht enden wollenden Geschichte des christlichen Judenhasses“ erstaunliche Kontinuitäten auch zu modernen, mit konstruierten „Rasse“-Eigenschaften argumentierenden Formen des antijüdischen Vorbehalts. Dies ist tatsächlich als detaillierter Gegenentwurf zu Vermeidungsstrategien zu sehen, denen zufolge der christliche Judenhass „eine bloße Ausprägung des europäischen Rassismus“ gewesen sein solle, und es wird mit dem Mythos aufgeräumt, es habe einen „vorchristlichen Antisemitismus“ gegeben. „Die erste antijüdische Politik setzte im 4. Jhd. in Rom ein“, so Raul Hilberg. Und so beginnt die Abhandlung mit Ambrosius, einem der vier heiligen Kirchenväter, und endet mit einer prägnanten Entlarvung der „Ideologie des Christentums“. Dazwischen werden alle Aspekte und Wechselwirkungen des christlichen Judenhasses durchleuchtet.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Michael Dandl