
Auf der einen Seite das Gefühl der totalen und erfrischend neuen Freiheit, auf der anderen die Befürchtung, etwas falsch zu machen und irgendwie keinen Anschluss zu finden, das kennen vermutlich viele aus der eigenen Jugend. Gab eben noch nicht für jede winzige Nische ein mal eben schnell auf Knopfdruck verfügbares Tutorial? Auch der Typ, der mit 14 der angesagte Coole war, zu dem aufgeschaut wurde, sich danach aber nie weiterentwickelt hat und irgendwann zu einer ziemlich traurigen, total abgestürzten Karikatur seines jugendlichen Ichs mutiert ist, dürfte den meisten schon mal begegnet sein. Genau davon berichtet Tobi Damen, der in seiner neu aufgelegten autobiografischen Coming-of-Age-Erzählung „Fahrradmod“ erst als Mod, dann als Ska-höriger Rudeboy, später als Hard Mod/Skinhead (nein, nicht die Naziversion) und schließlich als Northern-Soul-Hipster mit sündhaft teurem Anzug in diversen britischen Subkulturen wildert. Ein bisschen wehmütig ist das, hier und da auch mahnend, denn die Übergänge ins rechte Lager sind fließend. Was er selbst rückblickend davon hält? „Alles hat seine Zeit. Jetzt will ich nur noch schlafen.“
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #123 Dezember 2015/Januar 2016 und Joachim Hiller
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