
Das deutsch-weißrussische Duo THE VIOLENT YOUTH, in Augsburg ansässig, veröffentlicht seit einem Jahrzehnt Alben und die naheliegenden Vergleichspunkte sind Post-Punk und Synthpop Noir im Gewand epischer Finsternis wie bei MOLCHAT DOMA, MOTORAMA oder NÜRNBERG, ebenfalls aus Belarus. Die dunkle Stimmlage von Multi-Instrumentalist Arthur Tsymbal, die der von Vladislav Parshin von MOTORAMA ähnelt, generiert eine drückende Stimmung, wie in den Katakomben in Paris. „Tsvety“ („Blumen“) ist dunkler als der Vorgänger „Na Igle“, enthält aber auch flächige, 1980er-Jahre-inspirierte Synthies, die nicht so schwermütig dahergekommen und Ohrwurmqualitäten besitzen Songs wie „Sledi“ wecken durch ihre synthetischen Visionen Erinnerungen an LIAISONS DANGEREUSES, MALARIA! und early NDW. Auch die Dark-Wave-Formation THE AGNES CIRCLE aus London kommt einem in den Sinn. Der in Kunstnebel gehüllte Dancefloor nach Mitternacht ist freigegeben, der Kopf ist ausgeschaltet und es wird stoisch gegen die kalte Betonwand im schlecht ausgeleuchteten Kellerclub getanzt: Tanz die Dystopie, aber tanz! „Luna“ ist ein mit Halleffekten gesättigter Song, dessen kryptische Dunkelheit weniger an MOTORAMA als an deren Nebenprojekt UTRO erinnert. Alles bewegt sich in Zeitlupe, ist bloß Schatten und Nebel. „Tsvety“ ist wohl nicht zwingend für die positiven Momente im Leben geschaffen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #186 Juni/Juli 2026 und Markus Kolodziej