
2018 erschien „Vampire gegen Herakles“ in der Mario Bava Collectors Edition von Koch Media (heute Plaion) das erste Mal auf Blu-ray, in aufwändiger Verpackung und mit Bonusmaterial auf einer Extra-DVD. Vorherige Releases waren ebenso wie die alte Kinofassung alle unvollständig. Diese Edition ist inzwischen nur noch zu happigen Sammlerpreisen zu haben, insofern ist es erfreulich, dass es jetzt noch mal eine Neuauflage auf DVD und Blu-ray gibt. Die Bonus-DVD fehlt zwar, aber der Audiokommentar von Video Watchdog-Redakteur Tim Lucas, der 2007 bereits das Buch „Mario Bava: All the Colors of the Dark“ veröffentlicht hatte, ist noch vorhanden, der „Vampire gegen Herakles“ als einen der schönsten Filme des italienischen Regisseurs bezeichnet. Darüber lässt sich sicherlich streiten, denn andere Kritiker sahen in dieser Mischung aus Sandalenfilm und Gothic-Horror einen in knalligen Primärfarben schwelgenden, naiven Pappmaché-Schundfilm mit tumben Muskelmännern. „Vampire gegen Herakles“ („Ercole al centro della terra“, also „Herkules im Zentrum der Erde“) entstand ein Jahr nach Bavas noch in Schwarzweiß gedrehtem Gothic-Horror-Meisterwerk „Die Stunde, wenn Dracula kommt“, bei dem der frühere Kameramann das erste Mal allein Regie führte. Dagegen wirkt sein Sandalen-Horrorfilm sicherlich etwas stillos und albern, in dem griechische Mythologie in Groschenroman-Manier verwurstet wurde, dennoch besitzt der Film gerade in visueller Hinsicht viele Elemente, die das Werk des versierten Kameramanns ausmachten. Denn der Künstlichkeit der Studiokulissen setzte Bava in vielen seiner Filme eine ungewöhnliche psychedelische Farbgebung entgegen. Als Bösewicht ist hier der von seiner Reduzierung auf die Dracula-Rolle genervte Christopher Lee zu sehen, der die Rolle sicher abgelehnt hätte, hätte er geahnt, dass der Film in Deutschland „Vampire gegen Herakles“ hieß.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #72 Juni/Juli 2007 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #141 Dezember/Januar 2018 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Thomas Kerpen