
„Das Problem ist, dass Menschen von schwachem Geiste sich oft nicht vorstellen können, dass es auch Leute gibt, die einen ganz anderen Lebensentwurf haben als sie selber“, konstatiert der Autor treffend. Das gilt sicher auch für deftige Schreibstile und wie diese dann bei den Leser:innen aufscheinen. Hier schreibt einer wenig gegliedert und ungefiltert über sein Musikerleben in der DDR und auch über jenes nach der „Wende“. Das tut er bisweilen wie ein „John Niven aus Erfurt“ und der Ekelfaktor schlägt oft zu. Doch das ist keine Ostalgie, eher schon der Hinweis: Junge Leute, hört mal her, wie das bei uns mal war! Da kommt der „Wilde Osten“ durch und Vomit lässt so manche Spitze los, etwa gegen DIE TOTEN HOSEN, die für ihn nicht Punks, sondern egomane Bürgersöhnchen waren. Sei’s drum. Das Positive überwiegt in diesem Werk, das ich über Tage nie lange aus der Hand legt. Dass die PUHDYS den Punk in Deutschland lostraten, das dachte ich auch selbst einmal, als ich „Do you want to dance“ auf deren 1976er LP „Rock’n’Roll Music“ hörte. Das Buch wimmelt vor Auftrittspannen, Gags, Anekdoten und Hintergründen, gerade aus dem Musikbiz. Etwa wie die jungen Amateurmusiker einen süffisanten Song über das Jugendradio DT64 ausgerechnet vor deren Moderator:innen aufführen sollen, oder wie sie als Metalband mit Vertrag im Westen bei Steamhammer verabschiedet werden. Vormit nennt alles beim Namen und ist in der Lage auch tiefer schürfend zu schreiben. Da erlebt er nach etlichen Tiefschlägen den „Verlust der Seele im Nichtschwimmerbecken des Schicksals“. Und die Spannung bleibt auch stets erhalten: Kann er sich doch noch vor der NVA retten? Wie wird er die neue Freiheit in der BRD erleben? Lesenswert!
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Markus Franz