
Das Offensichtliche vorweg: Anstelle von Sänger Brian Burkheiser übernimmt nun Shouter Eric Vanlerberghe nahezu alle Vocals – und meistert die neue Herausforderung fantastisch, wenngleich der Gesang ein umfangreiches Polishing erfahren hat. Musikalisch wollen I PREVAIL wieder einmal zeigen, wie vielseitig sie sind, von wiegenden Motiven („Pray“) zu chaotischen Riffs („NWO“) und Deathcore-Anleihen („God“) bis hin zu akustischen Klängen („Crimson & clover“). Rap gibt es diesmal nicht, dafür aber einige Synths und immer wieder hymnische Refrains. Sie sind es auch, die diese Platte tragen. „Rain“ steht symbolisch dafür, welch wunderschöne Melodien die Jungs aus Michigan schreiben können, aber auch wie vorhersehbar sie ihr Songwriting oft angehen: typische Struktur mit geläufigem Leadriff, ausladendem Refrain, Breakdown. Das fällt besonders auf, weil drumherum aktuell immer mehr Bands des Genres eine neu gewonnene Kreativität an den Tag legen. Und obwohl sich I PREVAIL alle Mühe geben, „Violent Nature“ in zehn Tracks zu einem kontrastreichen Werk zu machen, so schlittern sie doch so manches Mal an der Grenze zum generischen Metalcore entlang. Zwischendrin platzieren sie einige überzeugende Beweise, dass sie auch erbarmungslos heavy sein können. Einen Zweifel daran hatte sowie niemand, oder? Das Endresultat wirkt so zwar etwas unausgegoren, ist dennoch ein kurzweiliges Erlebnis.
© by Fuze - Ausgabe #85 Dezember/Januar 2020 und Jenny Josefine Schulz
© by Fuze - Ausgabe #96 Oktober/November 2022 und Rodney Fuchs
© by Fuze - Ausgabe #114 Oktober/November 2025 und Jeannine Michèle Kock