
Über zwei Jahrzehnte nach dem Debüt geht das FRANK POPP ENSEMBLE mit „Waves“ neue Wege, ohne seine Wurzeln im Sixties-beeinflussten Soul, Beat und Pop zu kappen. Stattdessen weitet sich der Horizont: Psychedelia, Jazz, orchestraler Pop und cineastische Soundscapes verschmelzen zu einem vielschichtigen, eleganten Retro-Futurismus. Mit dabei: eine neu formierte Band rund um Popps Studio-Universum, darunter als Vokalisten die charismatische Londoner Soul-Sängerin Emma Noble, John Mahon (seine leicht androgyne Stimme setzt auch auf der ausgekoppelten Single „Going going gone“ Akzente), TEENAGE FANCLUB-Basser Gerry Love und last but not least Nicke Andersson von den wiedervereinten HELLACOPTERS in dem flotten Northern-Soul-Stomper „Caught in a web“. Popps Kompositionen und Arrangements funktionieren auf die ganze Albumdistanz hin bestens, schön anzuhören, wie geschickt hier zwischen Easy Listening, Psych-Soul und Soundtrack-Ästhetik balanciert wird. Rückgriffe auf 1990s-Britpop sowie üppig arrangierten Großstadt-Pop im Sinne der späten STYLE COUNCIL ergänzen das Spektrum. „Waves“ ist keine Party-Scheibe, enthält auch keinen wirklich zwingenden Hit, stattdessen ist es eher ein atmosphärisch dichtes, durchdachtes Album mit Pop-Appeal und Tiefgang. Oder einfach: ein stilvoll fortgesetztes Comeback mit Haltung, Tiefe und klaren Konturen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Gereon Helmer