Foto

WIE JEDER WEISS, IST DAS HIER DAS NIRGENDWO

Maik Brüggemeyer

Maik Brüggemeyer schreibt unter anderem für den Rolling Stone über Musik, Literatur und Popkultur und hat bisher zwei Romane und mehrere Sachbücher veröffentlicht. Er ist im Tecklenburger Land aufgewachsen, was näher an Osnabrück als an Münster ist. Und in der Gegend spielt auch der Roman. Der Held Peter Justen schrieb bis vor kurzem in Berlin für das Musikmagazin Pure Pop, das jedoch eingestellt wurde. Eines Abends erhält er vom Chefredakteur einer Lokalzeitung eine E-Mail, der ihn schließlich anwirbt. Justen zieht zurück in seine alte Heimat und tritt die Stelle des „Redakteurs für besondere Aufgaben“ an. Sich des Unterschieds zwischen Pure Pop und der Flöthenbecker Volkszeitung nicht bewusst, verreißt er in einem Bericht den Auftritt einer Lokalband, das hat Folgen, die sich durch den ganzen Roman ziehen sollen. Nach dem Eklat wird er abkommandiert, um über Geburtstagsjubiläen und Nachrufe zu schreiben, für die er unendlich viel Zeit hat. Zwischendrin philosophiert er über Bücher und Songs und bemerkt zunehmend, wie fremd ihm die Umgebung eigentlich ist, die einmal seine Heimat war, aber andererseits auch, wie sehr er sich emotional vom Großstadtleben entfernt hat. Dass Brüggemeyer selbst im Musikjournalismus tätig ist, merkt man an vielen Stellen. Er stellt dessen Welt äußerst glaubwürdig dar und schafft es zugleich, nicht in Fachsimpelei abzudriften. An zwei Stellen greift er als Autor selbst massiv in die Story ein und schafft interessante Cliffhanger, die zum sofortigen Weiterlesen animieren. Brüggemeyer ist ein kurzweiliger Roman gelungen, der mir bestätigt hat, dass ich in der Großstadt absolut richtig bin. Die Hölle ist da draußen.

Anzeige