
Trotz der guten Qualität der Blu-ray-Premiere von Michael Wadleighs „Wolfen“ (im Mediabook mit Blu-ray und DVD) und dem zusätzlichen Bonusmaterial wie einem 45-minütigen Making-of und längerer Dialogszenen von Tom Noonan (der als Zoologe inhaltlich durchaus wichtig für den Film ist) ist es dennoch etwas enttäuschend, dass der Kurzauftritt von Tom Waits als Barpianist aus musikrechtlichen Gründen immer noch fehlt, obwohl er hierzulande in der Kino- und Video-Fassung enthalten war. Aber dieses Problem haben auch alle anderen ausländischen DVD-Veröffentlichungen von „Wolfen“. Wesentlich enttäuschender ist, dass wohl niemand mehr die ursprüngliche viereinhalb Stunden lange Version von „Wolfen“ zu Gesicht bekommen wird, denn die Produzenten brachten den auf Whitley Striebers Debütroman „Wolfsbrut“ basierenden Film ohne Beteiligung des Regisseurs auf eine für sie erträgliche Länge von knapp zwei Stunden. Dennoch floppte der Film in den Kinos, da er damals mit zwei deutlich kommerzielleren Werwolf-Filmen konkurrieren musste, „Das Tier“ und „American Werewolf“. Wobei es diskussionswürdig ist, ob „Wolfen“ überhaupt ein Werwolf-Film ist, denn es gibt nur „normale“ Wölfe und keinerlei Transformationen. Stattdessen geht es um einen mit indianischer Mythologie verknüpften Wolfskult, der mit einigen mysteriösen Todesfällen in Verbindung zu stehen scheint, dessen Ursprünge der von Albert Finney gespielte Ermittler und eine Psychologin in der South Bronx finden. Die sah in den späten 1970ern und frühen 1980ern wie ein Kriegsgebiet nach einem Bombenangriff aus und liefert eine beeindruckend apokalyptische Kulisse für diesen überambitionierten, extrem intelligenten „ökologischen“ Horrorfilm von „Woodstock“-Regisseur Wadleigh mit seinen mitreißenden Steadicam-Kamerafahrten und der innovativen Wärmebildkamera-Optik.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Thomas Kerpen