
Beim schluderigen Nebenbeihören sind ELLENDE einer dieser Bands, von denen man einen Song und damit alle kennt. Aber der Teufel steckt wie so oft im Detail, denn der Grazer Fünfer ist zwar in dieser recht eintönigen Post-Black-Metal-Schublade abgelegt, aber beim genaueren Hinhören doch verdammt vielschichtig. Der Kern der weiterhin von Mastermind L.G. im Alleingang ausgetüftelten langen Songs ist immer wieder hochmelodiöser fließender Black Metal, der von seiner säuregetränkten Stimme eine gehörige Portion Bösartigkeit abbekommt. Der Weg zu dieser zentralen Black-Metal-Song-Einheit ist aber sehr unterschiedlich und verspielt. Sei es das Schifferklavier (!), das zu Beginn des Albums im Hintergrund auftaucht, oder der beinahe jazzrockige Beginn von „Zerfall“, Abwechslung wird groß geschrieben und sorgt dafür, dass ELLENDE dem Einerlei entfliehen können. Dazu kommt noch der beißende und verzweifelte Gesang in österreichischer Mundart, der „Zerfall“ im wahrsten Sinne des Wortes zu einer fassbaren und verzweifelt unausweichlichen Angelegenheit macht. Auf „Zerfall“ muss man sich einlassen, dann wirkt das sechste Album von ELLENDE aber lange nach. Wieder mit beeindruckendem selbstgemalten Covermotiv übrigens.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #165 Dezember 2022 /Januar 2023 2022 und Ollie Fröhlich
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