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Interviews & Artikel

TURBONEGRO

Deathpunk, Version 2.2

„Party Animals“ ist raus, seit Anfang Mai. TURBONEGRO in Neuauflage, die zweite. Und wie man so hörte im Vorfeld, ist es das Post-Reunion-Album, mit dem die Band so richtig zufrieden ist, nachdem unter der Hand mittlerweile eingestanden wurde, dass man mit dem von Fans wie Kritikern eher mit einem „Na ja ...“ bedachten „Scandinavian Leather“ wohl auch selbst nicht so zufrieden ist. Anfang April gab es die erste Chance, einen Teil der neuen Songs, die mich nur Stunden zuvor erreicht hatten, beim Kölner „Rockpalast“-Auftritt auch in echt zu hören, und ich muss sagen, auf CD wie Bühne gefiel mir das Gehörte ganz ausgezeichnet. Vor dem Auftritt saßen wir Chris und Happy Tom im Foyer des Hotels gegenüber und ließen uns diktieren, was die selbsterklärt großartigste Band der Welt so zu sagen hat ...

Uschi, meine Liebste, hatte keine Lust zum Konzert mitzukommen, nachdem sie die Platte gehört hatte. Sie meinte, mit diesem Seventies-Rock habe sie schon vor 20 Jahren abgeschlossen ...

Tom:
„Ach echt? Hm, also wir finden, die neue Platte klingt wieder mehr nach Punkrock. Ich meine, hör dir ‚All my friends are dead‘ an.“

Richtig, der MISFITS-Song.

Tom:
„Nein, ein Turbo-Song. Und wir haben ‚Wasted again‘, eine Mischung aus ‚Jealous again‘ und ‚Wasted‘, der klingt nach Los Angeles 1981. Und Keith Morris ist da Gastsänger. Bei zwei Songs, ‚City of Satan‘ und ‚Final warning‘, haben wir das fünfzigköpfige norwegische Rundfunkorchester als Begleitung. Wobei letzterer klingt wie eine GBH-Nummer, und dazu dieses Orchester, das ist schon was anderes, als wenn KISS oder METALLICA das machen.“

Mir gefällt „City of Satan“ sehr gut, das hat was von einem James Bond-Titelsong.

Tom:
„Das gefällt mir: Pierce Brosnan als 007 in ‚City of Satan ... Fuck the world‘. Damit würden wir in die Fußstapfen von A-HA treten.“

Wie man so hört, seid ihr mit „Scandinavian Leather“ rückblickend nicht mehr ganz so zufrieden.

Tom:
„Doch, es war das richtige Album zur richtigen Zeit. Aber als wir es schrieben und aufnahmen, standen wir schon unter Druck, weil wir natürlich allen etwas beweisen mussten. ‚Scandinavian Leather‘ ist der Sound einer Band, die alles gibt, während ‚Party Animals‘ der Sound einer Band ist, die einen Scheiß darauf gibt, was andere denken. Aber mit chirurgischer Präzision ausgeführt.“

Was war diesmal anders, außer dass nicht die gesamte Musikwelt auf euer Comeback lauerte?

Tom:
„Bei der letzten Platte mussten wir gegen uns selbst antreten, und ich denke, wir haben bewiesen, dass wir noch weitere großartige Platten machen können. Außerdem haben wir diesmal erstmals mit einem Produzenten gearbeitet, Steve McDonald von RED KROSS. Wir nahmen bis auf wenige Ausnahmen, Guestvocals und so, in Oslo auf und mixten die Platte in Los Angeles, Chris, Euroboy und ich. Wir hatten auch darüber nachgedacht, in L.A. aufzunehmen, aber wir sind nunmal der ‚Sound of Oslo‘, auch wenn man in unserer Musik auch den ‚Sound of L.A.‘ finden kann. Die frühen Punkbands von dort, VAN HALEN, BEACH BOYS ...“

Ich habe bei euch ja immer das Gefühl, dass ihr andere zitiert.

Tom:
„Echt? Hm, wenn du das so siehst, denke ich, dass wir jetzt den Punkt erreicht haben, wo wir uns selbst zitieren können. Aber zugegeben, wir stehlen hier und da auch mal. Und, müssen wir jetzt ins Gefängnis?“

Zugegeben, im Rock’n’Roll ist so ziemlich alles schon gemacht worden, was möglich war ...

Tom:
„Außer diese Platte, hehe. Wir sind alle Rock’n’Roll-Fans, wir kennen seine Geschichte, und das scheint natürlich allenthalben durch. Wenn andere den Eindruck erwecken wollen, sie seien so innovativ und hätten was ganz Neues, Eigenes gemacht, dann beweist das letztlich nur, dass sie nicht wirklich viel andere Musik gehört haben in ihrem Leben. Die schreiben dann einen neuen Song und glauben, sie hätten die Idee dazu im Traum gehabt – und dabei haben sie ihn nur irgendwo anders gehört. Deshalb schreiben wir ja auch keine Songs, sondern Träume ...“
Chris: „Wer als Musiker zehn Bands kennt, von denen er glaubt, die kennt sonst keiner, der kopiert ungeniert und gibt sich dann als kreativ aus.“
Tom: „Das Erfolgsgeheimnis von TURBONEGRO ist also, dass wir einfach ein paar Bands mehr kennen als andere.“

Gary Moore wird gerade von einem Typen aus der Nähe von Bonn verklagt, der behauptet, der habe „Still got the blues“ von ihm geklaut, als Moore in den Siebzigern mal eine Weile in einer WG in Bonn gelebt hat und womöglich die Band des Klägers in einem Club sah ...

Tom:
„Wir werden garantiert nie verklagt.“

Warum?

Tom:
„Weil Leute, die so was versuchen, einfach verschwinden ...“

Apropos verschwinden: Auf der „The ResErection“-DVD findet sich eine Dokumentation des norwegischen Fernsehens über eure Reunion, bzw. die Zeit davor, als sich Hank zu seinen Großeltern in den letzten Winkel Norwegens zurückgezogen hatte. Diese Doku macht einen sehr ehrlichen Eindruck, und danach bleibt vom Mysterium TURBONEGRO eigentlich nichts mehr übrig. Sowieso seid ihr über die Jahre immer „sterblicher“ geworden. Anfangs wusste ja keiner, was von euch zu halten ist, mit diesem Homo-Image, und über die Jahre bis heute blieb von diesem Mythos immer weniger, wurdet ihr immer realer.

Chris:
„Na ja, wir mussten das so machen, denn in Norwegen kaufen die Leute nur Platten von netten Jungs, und so mussten wir für diese Doku diesen Eindruck erwecken.“
Tom: „Außerdem wollten wir endlich den einheimischen Punkrock- und Oi!-Markt knacken, und dafür muss man sich ganz ‚down to earth‘ geben. Also lautete der Plan, ‚offen und ehrlich‘ zu sein, hehehehehe. Aber es kann ja auch sein, dass wir die einzig verbliebene echte Band sind, in einem Musikbusiness, von dem mittlerweile jeder Fan glaubt, dass alles konzipiert und arrangiert ist. Mit TURBONEGRO haben wir eben schon immer das Falsche zum genau richtigen Zeitpunkt gemacht und sind damit gut durchgekommen. Andere Bands versuchen immer alles richtig zu machen und haben nichts erreicht. Wir wurden seinerzeit zur Reunion auch gefragt, ob wir den Mythos denn noch weiter spinnen würden, aber wir sagten: Fuck it, jetzt gibt es ‚TURBONEGRO unmasked‘. Wir hatten da schon eine lange Bandgeschichte hinter uns, hatten unser Lehrgeld gezahlt. Es ist ja nicht alles nur Image und Hype.“

Ihr seid alle extreme Musikfans, seit Ewigkeiten dabei, kennt alle Rock’n’Roll-Klischees und -Legenden, habt durch den Punk-Background auch die nötige kritische Distanz dazu. Und doch haben euch die Mechanismen des Business mit dem Höhenflug, der Quasi-Auflösung und der Reunion sowie dem Comeback voll erwischt.

Tom:
„Tja ... Und doch gab es Leute, die so weit gingen, uns zu unterstellen, wir hätten das mit Hanks Zusammenbruch und der Auflösung geplant, speziell Leute aus anderen skandinavischen Bands, die uns den Erfolg neideten, die in Interviews sagten, sie wüssten nicht, weshalb wir uns überhaupt aufgelöst hätten – Leute, die wussten, dass Hank 1998 viermal beinahe an einer Überdosis draufgegangen wäre. Doch, da war viel Neid im Spiel, von Bands, die sich seit Jahren abmühen, ohne groß Erfolg zu haben, und dann kommen wir und haben mit dem Comeback diesen Erfolg. Bands erzählen eben gerne, wie cool es doch ist, underground zu sein. Ja, ist es, aber wir sind jetzt eben die größte Underground-Band der Welt, und nein, das hat nichts mit einer Verschwörung zu tun. Dazu fällt mir übrigens eine schöne Geschichte ein: Ein Freund von mir saß mal im Flugzeug neben einem Typen, der bei der Weltbank arbeitet. Der war schon recht besoffen, mein Freund unterhielt sich mit ihm, und irgendwie kamen sie auf die ganze Thematik der Verschwörungstheorien, die ja oft auch die Weltbank betreffen. Der Weltbank-Typ hörte sich das alles interessiert an und fragte meinen Freund dann nur, ob er mal was ganz Erschreckendes hören wolle. Er wollte, und der Typ flüsterte: ‚Es gibt keine Verschwörung ...‘.“

Hahaha, nach dem Motto: Nein, das ist nicht die Matrix, das ist die Realität.

Tom:
„Eben, und so gibt es eben auch bei uns keinen Geheimplan, wir sind einfach eine großartige Live-Band, wir schreiben großartige Songs und machen großartige Platten. Das bleibt von uns übrig, wenn man den ganzen Mythos beiseite nimmt. Rock’n’Roll kann auch ganz alleine für sich genommen schon magisch sein. Außerdem sind wir wohl die einzige Band in der Welt, die richtig blöde, falsche Gerüchte über sich selbst in die Welt gesetzt hat. Zum Beispiel vor Jahren, dass wir eine Split-Single mit LIMP BIZKIT machen würden. Verblüffend, wie viele Leute das geglaubt haben, dabei wäre das doch so, als schieße man sich selbst mit einer Pistole die Eier weg. Das Gerücht zog eine ganze Weile lang seine Kreise und ich wurde immer wieder darauf angesprochen, hahaha. Als Gegenpol setzten wir dann das Gerücht in die Welt, wir würden zusammen mit unseren Großmüttern in einer Höhle leben und Menschenfleisch essen ...“

Ihr hattet euch ein Jahr Auszeit genommen für die neue Platte.

Tom:
„Ja, und letztlich brauchten wir auch ein halbes Jahr, um sie einzuspielen. Damit halten wir wohl den ‚world record‘ in Sachen Produktion einer Punkplatte, oder? Das macht die Sache wohl zu einem ‚world record‘, oder?“

Uh ... Okay, also im Deutschen nennen wir so was einen Kalauer, wobei es mir jetzt doch schwer fällt, auf Englisch zu erklären, was das ist. Ein Kalauer ist jedenfalls so was wie ein echt lahmer Witz, der weh tut.

Tom:
„Du meinst, so was wie unsere Band? Hahahaha.“

Denkt ihr, ihr würdet es auch schaffen, in drei Tagen eine knappe, knackige Punkplatte einzuspielen?

Tom:
„Nö. Für die Nächste werden wir auch ein Jahr brauchen. Ganz einfach, weil wir es uns leisten können.“
Chris: „Und damit es gut klingt.“
Tom: „Wir wollten bei dieser Platte alles Unnötige weglassen, alles tote Fleisch wegschneiden. Auch wenn wir an der Platte länger gearbeitet haben als an allen anderen zuvor, so ist sie minimalistischer und primitiver als die bisherigen und entspricht damit vielleicht nicht den Erwartungen jener, die dachten, wir würden in Sachen Grandesse noch einen draufsetzen. Stattdessen haben wir so viel Zeit gebraucht, um sie so simpel wie möglich zu machen.“

Ich finde ja, die Platte ist poppiger als alle bisherigen, und ich fand da auf Anhieb drei, vier Songs, die sofort hängen geblieben sind. Natürlich ist die Platte auch ganz, ganz düster, hehehe, aber sie hat auch eine gewisse Leichtigkeit.

Tom:
„Das ist vielleicht der Einfluss von Los Angeles, und deshalb wollten wir ja auch mit Steve arbeiten. Wir wurden schon immer von Bubblegum-Pop beeinflusst, und Steve ist so ziemlich der einzige in der Welt, der wie wir sowohl diesen Bubblegum- wie auch Punkrock-Ansatz hat. Er machte aus unseren Songs Diamanten, indem er sie polierte.“

Eine der schlauesten Ideen, die ihr je hattet, war die Gründung eures Fanclubs „Turbojugend“. Das Merchandise verkauft sich wie blöd, überall laufen junge Menschen in „Turbojugend“-Jeansjacken rum, und die jährlichen Treffen in Hamburg sind ausverkauft.

Tom:
„Als wir die ‚Turbojugend‘ 1994 als Scherz gründeten, gab es keine Fanclubs in unserer Szene, keine Gitarrenhelden, keinen Rock’n’Roll-Messias. Wir fanden es einfach spannend, den Fanclub als Konzept wiederzubeleben, und irgendwann war das dann plötzlich kein Scherz mehr, sondern entwickelte seine eigene Dynamik. Das Besondere am ‚Turbojugend‘-Fanclub ist, dass da das dümmste und das smarteste Kid in der Klasse Mitglied sein können, die anderen kapieren eh nicht, worum es geht, und ihnen ist es auch egal. Und genauso ist es auch mit dem titelgebenden ‚Party Animal‘: Das Wochenende ist der große Gleichmacher, da besaufen sich alle, und der Klassendepp sagt plötzlich was extrem Schlaues, während das Genie sich total zum Affen macht. Beide sind plötzlich auf einem Level. Und so sind auch unsere Fans. Und auch wir in der Band, alle sechs, haben Züge von beiden Extremen.“

Setzt sich dieses „Party Animal“-Konzept denn über den Titel hinaus fort?

Tom:
„Also zunächst mal ist es der letzte Teil der Apocalypse-Trilogie. Zuerst kam ‚Apocalypse Dudes‘, da ging es um Sex und Pizza, dann ‚Scandinavian Leather‘ mit den Themen ‚Natur‘ und ‚Survival‘, und jetzt eben ‚Party Animals‘, und hier geht es um Krieg, denn der ist gewissermaßen das ultimative, endlose Wochenende, und das gilt auch für den Tod. Es gibt also einen düsteren Unterton.“

Ich glaube, das solltest du jetzt erklären ...

Tom:
„Hast du mal diesen Film über Robert McNamara gesehen, ‚The Fog Of War‘? Er war von 1961 bis 1968 US-Verteidigungsminister und der Architekt des Vietnamkrieges und wurde später zum Pazifisten. Von ihm stammt der Satz, dass Menschen, die einen Krieg nur aus der Entfernung verfolgen, diesen für eine rationale Angelegenheit halten, ja für etwas Wissenschaftliches. Dies stimme nicht, Krieg sei absolutes Chaos, aber das bekomme man nur mit, wenn man sich mittendrin befinde, und dann sehe man auch, wie völlig außer Kontrolle die Situation sei. Das fand ich sehr interessant, denn es widerspricht dem, wie uns Kriege heute präsentiert werden, wo Politiker von der chirurgischen Präzision eines Angriffs sprechen und so weiter. Krieg wird da mit einer medizinischen Metapher beschrieben. Ich habe diesen Chaosgedanken weitergesponnen und sage, Krieg ist so was wie eine große, extrem evil Party. Also ungefähr so, wie wenn wir auf Tour sind ... Ein interessantes Konzept, genau wie das, dass es keine Verschwörung gibt. Oder wie wir als junge Punks früher dachten, irgendwo da oben gebe es Erwachsene, die alles unter Kontrolle haben, und gegen die müssten wir rebellieren. Tja, Pech, den Puppenspieler, der die Fäden in der Hand hält, den gibt es nicht. Um von da noch mal auf unsere Platte zurückzukommen: Das Konzept ist ‚War/Party‘, und die Tour wird unter dem Motto ‚The Fall Of The Roman Empire‘ stehen.“

Ist das auch irgendwie ein politisches Statement?

Chris:
„Klar, damit wollen wir die USA unserer Unterstützung versichern. Die müssen so viel Scheiße einstecken in letzter Zeit, da war es auch mal an der Zeit für einen freundlichen Klaps auf die Schulter.“
Tom: „Keep up the good work, keep liberating!“

Funktioniert TURBONEGRO eigentlich überall auf der Welt oder letztlich nur in Europa in diesem Maße?

Tom:
„Also wir steigern uns noch: Bis jetzt sind wir die größte Underground-Band der Welt, und der nächste Schritt ist, die kleinste Mainstream-Band der Welt zu werden.“
Chris: „Südamerika wäre natürlich schön, wenn wir das knacken könnten, aber das ist nicht einfach und braucht auch Geld. Deshalb haben wir bis jetzt auch nie da gespielt.“

Und Japan?

Tom:
„Also, es gibt da ein paar Turbojugend-Anhänger, doch bislang waren wir noch nie dort. Ich glaube, TURBONEGRO ist für die Japaner das bislang einzige Phänomen westlicher Popkultur, mit dem sie nicht klarkommen. Die kapieren das einfach nicht, es ist irgendwie zu komplex. Die haben es gerne oberflächlich, die stehen auf einfach identifizierbare Genres wie Rockabilly oder so. Und ja, ich bin da stolz drauf: Wir sind zu smart für die Japaner, von ein paar Ausnahmen mal, abgesehen: ein paar Japaner kamen auch schon nach Oslo, um unsere Konzerte zu besuchen.“

Das war dann wohl der Trick der RAMONES: Die waren so auf das Wesentliche reduziert, das funktioniert überall auf der Welt.

Tom:
„Der kleinste gemeinsame Nenner eben. Na ja, und bis auf Japan sind wir das ja auch. Wir haben ganz klassische Riffs, wir spielen klassische Rocksongs, und die funktionieren auch, wenn man nicht weiß, wie wir aussehen, wenn man von dem ganzen Drumherum nichts mitbekommt. Unsere Musik hat was, das jedem gefällt, sie hat was von Bubblegum-Pop. Aber sie ist auch sehr vielschichtig – zu vielschichtig für die Japaner ... Und die sprechen ja alle kein Englisch. Immerhin waren wir auf dem Titel des wichtigen ‚Doll‘-Magazins und wir verkaufen ja auch ein paar Platten, nur eben nicht so viele, wie man erwarten würde.“

Was hat es mit dem Album-Artwork auf sich, diesem schwarzen Helm?

Tom:
„Da steckt auch ein Kopf darunter, und wir nennen diesen Kerl ‚The Messenger‘. Wir erwarten jetzt den Backlash in Sachen TURBONEGRO, dass jetzt jeder auf uns einprügelt, also haben wir den Helm aufgesetzt. Eine andere Deutung wäre, dass es wohl eine sehr wilde Party ist, wenn man einen Helm tragen muss. Und zu der Kriegsthematik passt es auch, es sieht aus wie ein Kampfpilot. Sowieso sehen diese ganzen neuen Motorradhelme wie Pilotenhelme aus. Und wir wollten, dass es wie das ‚Never Say Die‘-Cover von BLACK SABBATH aussieht.“

Wie kommt es bloß, dass ich das Gefühl habe, dass du mir jetzt das hier erzählst und in einem Jahr etwas ganz anderes ...?

Tom:
„Logisch, dann hatten wir ja auch ein Jahr mehr Zeit, uns ein Konzept auszudenken.“
Chris: „Ich schätze, du hast uns erwischt.“
Tom: „Soll ich dir zum Schluss noch kurz erklären, wie das beliebte norwegische Trinkspiel ‚The TURBONEGRO Homo Game‘ geht? Also: zwei Jungs stehen sich gegenüber, lassen die Hose runter, und dann greifen sie sich gegenseitig mit der linken Hand an den Schwanz. Dabei müssen sie sich direkt in die Augen blicken, und wer zuerst grinst, hat verloren und muss trinken.“

Tom, Chris, besten Dank für diesmal.

Tom:
„Moment! Ich hab’ zum Abschied noch einen Witz: Wie nennt man in Deutschland eine lesbische Großmutter? Homa!“

Ha ha ha. Das war ein Kalauer.

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #60 (Juni/Juli 2005)

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