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Interviews & Artikel

ALKALINE TRIO

Schon die beiden ersten Alben von ALKALINE TRIO aus Chicago waren für mich eine ziemliche Offenbarung, und mit "From Here To Infirmary" hat der Dreier jetzt noch einen draufgelegt: wunderbarer, hochmelodiöser Punkrock, den ich in den heiligen Höhen von HOT WATER MUSIC und LEATHERFACE ansiedle. Waren Vorläufern "Goddamnit" und "Maybe I´ll Catch Fire" noch auf Asian Man Records erschienen, sind ALKALINE TRIO mit dem neuen Werk zu Vagrant gewechselt, und endlich hat es auch mit einem Interview hingehauen...

Es hat sicher ein Jahr gedauert, bis dieses Interview jetzt endlich geklappt hat, und ich bin froh, dass ich dich jetzt erreicht habe.


Mit unserem Wechsel von Asian Man zu Vagrant ist natürlich viel durcheinandergeraten. Asian Man ist ein cooles Label, aber die sind nur zu zweit und da fällt es ihnen manchmal schwer auf jede eMail zu antworten. Vagrant ist größer, die haben genug Leute, um sich um alles zu kümmern, was natürlich auch für uns angenehm ist.

Waren die besseren Möglichkeiten auch der Grund, von Asian Man zu Vagrant zu wechseln?


Ja. Wir hatten wie so viele Bands das Problem, dass unsere Platten manchmal schwer zu bekommen waren, und wir wollen eben so viele Leute wie möglich erreichen, wofür Vagrant einfach die besseren Möglichkeiten hat. Trotzdem lieben wir Asian Man und Mike, wobei es ja auch Mike selbst war, der meinte, wir sollten uns doch besser ein größeres Label suchen, denn es werde ihm einfach zu viel, das alles zu tun, was wir von ihm erwarten, etwa in Sachen Vertrieb und Promotion. Die bisherigen Platten bleiben auch bei Asian Man, und wenn wir jetzt größer werden sollten, hilft das ihm über den Verkauf der alten Platten auch.

Eure neue Platte ist musikalisch im Vergleich zu den Vorgängern auf jeden Fall eine Steigerung, wobei sie aber meines Empfindens nach etwas weniger hart und irgendwie zugänglicher ausgefallen ist. Was meinst du dazu?

Ich empfinde das als Kompliment. Wir haben einen neuen Schlagzeuger, und er hat sicher einen positiven Einfluss ausgeübt. Wir sind tighter geworden, die Songs kommen mehr auf den Punkt. Ich mag die alten Platten natürlich, aber aus heutiger Sicht hätte ich da vieles anders gemacht. Ich mag die neue Platte einfach mehr als die alten, aber ich kann nicht genau sagen, woran das liegt.

Wer ist der neue Drummer? Und überhaupt ist mir aufgefallen, dass du der einzig Verbliebene aus der Originalbesetzung bist, sprich: ist ALKALINE TRIO "deine" Band?

Ach, das ist einfach so passiert. Es ist "unsere" Band, jeder hat die gleichen Rechte, jeder hängt sich genauso rein und wir sind sehr demokratisch.

Wer schreibt die Songs, wer die Texte?

Die Songs schreiben Dan, der Bassist, und ich. Wir singen auch beide, und jeder schreibt seine Texte und seine Musik selbst. Wenn wir zur Probe kommen haben wir einen Song eigentlich immer schon fast fertig.

In eurem Namen steckt "Trio". Ist das ein bewusstes Statement?

Eigentlich nicht, aber ich sage einfach mal, dass solange es ALKALINE TRIO gibt, werden wir auch ein Trio bleiben. Wir haben so angefangen, es funktioniert gut und macht vieles einfacher. Ich habe vorher in Bands mit vier oder fünf Leuten gespielt und es war manchmal schon sehr anstrengend, gerade was die zwischenmenschlichen Beziehungen anbelangt. Weniger ist mehr ist auch da meine Devise. Ausserdem muss man das auch ganz praktisch sehen: wir hatten vor, so schnell wie möglich unsere normalen Jobs aufzugeben, und da hilft es natürlich, wenn man das Geld nur durch drei teilen muss. Das heisst, es war einfacher für uns auf Tour zu gehen und arm zu sein.

Apropos Geld: wie gut haben sich denn die Platten auf Asian Man verkauft, und was erwartet ihr von der neuen Scheibe?

Die beiden ersten Alben haben sich jeweils 25. - 30.000 mal verkauft, und die laufen immer noch sehr gut. Wir sind echt zufrieden. Was die neue Platte anbelangt, so haben sowohl wir wie auch das Label das Ziel, 100.000 zu verkaufen.

Das klingt ambitioniert, doch welche Motivation steckt bei dir, bei euch dahinter?

Vor allem der Wille, von der Band leben zu können. Ich hatte von Anfang das Ziel, meine ganze Anstrengung auf die Band zu verwenden, und da wollte ich möglichst schnell den Punkt erreichen, wo die Band auch mein einziger "Job" ist, damit ich mich auch wirklich darauf konzentrieren kann. Für mich war das ein Traum, und an dessen Erfüllung habe ich gearbeitet. Ich verdiene damit zwar nicht viel Geld, aber habe genug Zeit auf Tour zu gehen, habe viele nette Leute kennengelernt und das ist eigentlich alles, was ich brauche im Leben. Es ging und geht für uns nicht in erster Linie darum, wieviele Platten wir verkaufen, sondern wieviel wir auf Tour sind und dass damit zuhause die Miete bezahlt ist. Ganz ehrlich, als wir noch "normale" Jobs hatten, haben wir mehr verdient, aber es hat überhaupt keinen Spaß gemacht. Mehr Spaß, weniger Geld - ich finde, das ist ein guter Deal. Alles, was jetzt noch kommt, macht eine gute Sache nur noch besser. Man muss sich einfach immer wieder ein Ziel setzen, und wenn man das erreicht hat, setzt man sich ein neues Ziel. Das ist ein gutes Gefühl, wobei man natürlich darauf achten muss, dass die Ziele erreichbar bleiben und man jede Minute daran Spaß hat.

Wenn ich Leute von euren Platten zu überzeugen versuche, greife ich zum Vergleich mit HOT WATER MUSIC und LEATHERFACE.

Ey, das ist cool! Das ist sogar sehr schmeichelhaft, denn ich liebe beide Bands. Ich habe sogar das HOT WATER MUSIC-Logo tätowiert. Die Jungs sind sehr gute Freunde von uns, wir waren schon öfter zusammen auf Tour, und LEATHERFACE habe ich letztes Jahr auf ihrer Tour mit HOT WATER MUSIC gesehen, zum ersten Mal überhaupt, und mir kamen echt die Tränen vor Rührung. Die waren mit die beste Band, die ich je gesehen habe. Dein Vergleich ist also ein großes Kompliment. Wir werden aber auch gerne mit JAWBREAKER und GREEN DAY verglichen, und ich mag die zwar auch beide, aber LEATHERFACE und HOT WATER MUSIC sind schon noch ein anderes Kaliber.

HÜSKER DÜ stecken natürlich auch noch irgendwie drin.

Ja, das habe ich auch schon mal gehört, und klar, ich liebe HÜSKER DÜ.

Welche Bands haben dich, haben euch denn beeinflusst?

Auf jeden Fall HÜSKER DÜ. Mein erstes Punkkonzert überhaupt war SOCIAL DISTORTION, und da wusste ich, dass ich mal nichts anderes machen will als in einer Band zu spielen. Zu meiner Highschool-Zeit war ich ein großer GREEN DAY-Fan, habe sie oft in kleinen Clubs gesehen. SCREECHING WEASEL mochte ich auch gerne, und SLUDGEWORTH. Es gab damals diese Chicago-East Bay-Connection durch Lookout Records. OPERATION IVY sollte ich natürlich nicht vergessen, und natürlich NAKED RAYGUN.

Die EFFIGIES nicht zu vergessen.

Klar, "Ink" ist ein großartiges Album.

Chicago: würdest du denn sagen, dass eine Stadt eine Band prägt, sie beeinflusst?

Ich denke, dass Chicago schon einen eigenen Sound hat, ein eigenes Feeling. Man kann das schlecht in Worte fassen, aber so, wie New York oder San Francisco ihre musikalischen Eigenheiten haben, hat das auch Chicago. Ich persönlich bin weniger von Bands aus Chicago direkt beeinflusst worden als mehr von der Stadt selbst, das war und ist eine große Inspiration. Ich habe da jahrelang als Fahrradkurier gearbeitet, war die ganze Zeit downtown unterwegs, habe die Stadt beobachtet und war Teil von ihr, und das hat mich schon geprägt.

Was macht eigentlich die "Emo"-Debatte bei euch in den USA?

Zum Glück ist das so gut wie vorbei. Eine Weile lang wurden wir damit in Zusammenhang gebracht, aber das hat sich gelegt. "Emo" wurde auch hier sehr schnell zu einem Wort, das man besser nicht verwendet, und wenn das heute jemand verwendet, dann in der Regel ganz bewusst und mit Absicht. Für mich ist das alles irgendwie Punkrock, und ich habe nie verstanden, was eine Band als "emo" qualifiziert. Mittlerweile lässt es mich kalt, wenn mir jemand ins Gesicht sagt, wir seien seine Lieblings-Emoband. Ich antworte dann, wenn das ein Kompliment sein soll, dann danke. Ich selbst benutze das Wort aber nicht mehr, weil es all diese blöden Assoziationen auslöst. Aber mir ist auch klar, dass uns dieses Wörtchen noch eine Weile verfolgen wird, auch wenn wir keine Heulsusen, sondern eine Punkband sind. Deshalb antworte ich auch auf die Frage, was meine Band für Musik macht, mit "Punkrock!".

Ihr habt euer neues Album "From Here To Infirmary" in Minnesota im Pachyderm-Studio aufgenommen. Dort wiederum haben auch schon JAWBREAKER und GREEN DAY aufgenommen, ebenfalls produziert von Jerry Finn. War die Wahl dieses Studios Zufall oder Absicht?

Ich bin schon lange Fan von seiner Arbeit, und er hat vor Jahren mal eine SMOKING POPES-Platte aufgenommen. Mike, der neue Drummer, war bei den SMOKING POPES, ausserdem war Eric, unser Manager, auch der der SMOKING POPES, und so kam diese Verbindung zustande. Wir sind mit dem Ergebnis der Zusammenarbeit echt zufrieden und werden wohl weiterhin was mit ihm machen.

In dem Infoblatt, das eurer neuen Platte beiliegt, steht was von "alcohol-fueled love songs". Was für eine Rolle spielt Alkohol denn bei ALKALINE TRIO?

Wir trinken schon ganz gerne, hehe. Der eine mehr, der andere weniger, mehr will ich dazu nicht sagen. Aber gegen ein Bierchen hier und da haben wir alle nichts einzuwenden, wobei ich schon DER Biertrinker in der Band bin, entgegen aller aktueller Trends in den USA. Hier in Chicago gibt´s ein Bier namens "Old Style", das hat zwar so den Alte Männer-Touch, aber es ist billig und mir schmeckt´s. Ansonsten bin ich nicht wählerisch: wenn´s Bier ist trink ich´s.

Dann solltest du mal nach Europa kommen.


Mann, ich kann´s kaum erwarten. Auf jeden Fall werden wir noch dieses Jahr bei euch auf Tour gehen.

Gibt´s eigentlich einen tieferen Sinn bei eurem Namen?

Nein, haha. "Alkaline", "alkalisch" bezeichnet alle Chemikalien mit einem ph-Wert über sieben - das habe ich im Lexikon nachgelesen. Und da haben wir auch den Namen her. Das mit dem Trio stand fest, nur noch nicht, was davor steht, und so Namen Glen, Rob und ich - das war die ursprüngliche Besetzung - ein Lexikon und kamen bis zu "alkaline". Das ist die ganze Geschichte.

Und wie sieht´s mit euren Texten aus?

Die entstehen auch eher zufällig. Dan und ich haben eine schöne Melodie, feilen daran herum und irgendwie kommen uns ein paar Worte in den Sinn, die dazu passen. Ausserdem habe ich ein Tagebuch, in dem ich Gedanken festhalte, und daraus entstehen dann manchmal auch Texte. Das Schwierigste beim Songwriting sind immer die ersten paar Worte, danach läuft´s von allein.

Das Artwork sieht irgendwie ziemlich...

...metallisch aus?

Ja!

Hehe, das war unsere Absicht. Wir haben bislang bei allen drei Alben versucht, ihnen so einen creepy Halloween-Look zu verpassen, so deathmäßig eben. Das hat was damit zu tun, dass wir mit den MISFITS und SAMHAIN groß geworden sind, und ich bin ein seeeeehr großer SAMHAIN-Fan. Als Kid habe ich ausserdem jede Menge Horrorfilme gesehen, ich bin bis heute von Anton LaVey fasziniert, von Alister Crowley, und das schlägt sich eben im Artwork nieder. Außerdem finde ich es ganz witzig, einerseits als "Emo"-Band eingeordnet zu werden und andererseits mit diesem Horror-Movie/Alice Cooper/SAMHAIN-Look zu spielen. Ein paar Schlaumeier kommen dann natürlich an und sagen, dass würde ja alles keinen Sinn machen, aber warum sollte es? Ausserdem sind die Cover von Heavy Metal-Platten sowieso die besten, wobei natürlich sehr oft die Cover viel besser sind als die Musik. Ich hoffe aber nicht, dass King Diamond das jetzt liest und sauer auf mich ist, denn er ist wirklich cool. Du siehst, bei uns treffen da zwei Gegensätze aufeinander, wobei es mir aber egal ist, was andere Leute davon halten.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #43 (Juni/Juli/August 2001)

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