Interviews & Artikel : NOMEANSNO :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

NOMEANSNO

"I saw NO MEANS NO, but I didn´t pay..." - Was für Lee Hollis gilt, gilt auch für mich: Ende September spielten die kanadischen Gebrüder Wright und ihr Gitarrenscherge Tom im Effenar zu Eindhoven, was selbstverständlich einen guten Grund darstellte, mal wieder in Holland vorbeizugucken. Nach einer nervenaufreibenden Hinfahrt, in deren Verlauf ich wiedereinmal als das einzig wirklich coole Wesen auf Erden den Überblick behielt (Casi so ca. 100 mal zum Thema "Suchen des Veranstaltungsortes": "Boah ey, ich hab´ gleich keinen Bock mehr!"), hat sich die harte Rock´n´Roll-Fraktion des Ox in persona von TK und MS via Gästeliste ins Konzert gezeckt. Die Wartezeit bis zum Auftritt von NO MEANS NO wurde zu einem Interview mit jener Band genutzt, in dessen Verlauf sich TK angesichts meines Fachwissens erfurchtsvoll zurückhielt. Leider war Bassist und Sänger Rob gerade im Tourbus mit einem Nickerchen beschäftigt, weshalb mir "nur" der schon erwähnte Tom und Schlagzeuger John Rede und Antwort standen. Letzterer war bei unserem Betreten des Backstageraumes gerade mit dem Zählen eines dicken Bündel Geldes beschäftigt, weshalb sich die erste Frage von selbst ergab.

Wie ist eure Tour bisher gelaufen?

John: Ganz gut. Wir sind am 25. August angekommen und haben ein paar Tage später mit den Auftritten angefangen, erst die Festivals: Lowlands, Pukkelpop und so eine Veranstaltung in Wiesbaden. Danach ging´s auf die britischen Inseln und nach Skandinavien, wo wir uns eine ganze Weile rumgetrieben haben.

Hattet ihr da irgendwelche aufregenden Begleitbands?

John: Nein, meistens nicht. In Kopenhagen haben wir mit einer dänischen Gruppe zusammengespielt, die wirklich gut waren, blöderweise habe ich den Namen vergessen. Doch in Norwegen hatten wir wohl mal eine Begleitband, nämlich DRUNK aus Oslo, und die waren wirklich spitze.

Aha, was für Musik haben die denn gespielt? Etwa diesen Hauruck-Hardrock´n´Roll, wie er in Skandinavien derzeit mächtig boomt (Jaja, ich weiß, wiedermal nix mitgekriegt...)?

Tom: Nein, nein, da verbergen sich nicht etwa die HELLACOPTERS hinter, sondern Ex-Members von LIFE... BUT HOW TO LIVE IT.

John: Und noch welche von dieser anderen berühmten Osloer Blitz-Band, wie hießen die noch gleich...

SO MUCH HATE...

John: ...SO MUCH HATE, ja genau. Womit wir natürlich eine mächtig feine Kombination bei DRUNK hätten.

Ich frage deshalb nach, weil ich wissen möchte, ob heutzutage, wo Bands wie TURBONEGRO oder GLUECIFER mächtig abräumen, überhaupt noch jemand zu Konzerten von NO MEANS NO geht.

John: Ach, wir haben noch unsere alten Fans, in Oslo kamen so um die 600 Leute, um uns zu sehen. Auch der Rest der Tour in Skandinavien war meist ausverkauft, was in kleineren Städtchen natürlich nicht mit Unmengen Zuschauern gleichzusetzen ist. Und das Konzert in Lübeck war eines der besten bisher, die Leute da waren wirklich vollkommen enthusiastisch, ganz wie in alten Tagen. Zweieinhalb Stunden haben wir da gespielt, weil das Publikum uns angetrieben hat. In die "Alternative" passen zwar nicht viele Menschen rein, aber die kleinen Konzertläden sind bekanntermaßen die besten.

Also habt ihr nicht den Eindruck, die Leute könnten meinen, euer Sound wäre etwas unmodern?

John: Nein, den Eindruck hatte ich wirklich nicht.

Irgendwie hakt auch ein Vergleich von NO MEANS NO mit einer anderen Band oder Stilrichtung. Dafür ist euer Sound viel zu einzigartig.

John: Wir haben uns noch nie in irgendeiner speziellen Kategorie selbst eingemauert. Wir stehen irgendwie über den Dingen. Deshalb können über die Jahre Stile kommen und gehen, das betrifft uns nicht. Was uns wohl betrifft ist die Tatsache, daß das Interesse an Livemusik generell immer geringer wird. Die Leute, und ich spreche jetzt vom Mainstreampublikum, wollen lieber in die Disco gehen und dort ihren Dancefloorsound hören. Ein ähnliches Verhalten spielt sich auch in der Undergroundszene ab, wobei ich sagen muß, daß es meiner Meinung nach keinen Underground mehr gibt. Zumindest nicht wie vor zehn Jahren, als wir zum ersten Mal nach Europa kamen. Damals haben wir unsere eigene Fangemeinde aufgebaut, von der wir heute noch zehren, auch wenn der Rest kränkelt.

Wie sieht denn die Situation in Kanada und in den Staaten für euch aus? Habt ihr dort eine ähnlich treue Fangemeinde?

John: Ich denke doch mal!

Tom: Ja, vielleicht aber doch mehr in den Staaten, insbesondere die Westküste, Kalifornien, ist so gut, wie sie immer war, sogar eine Menge wirklich junger Leute kamen da auf der letzten Tour zu unseren Konzerten.

John: Wir haben da die meisten Fans, wo auch die Machtzentrale von Alternative Tentacles ist, San Francisco, unsere Platten sind an der ganzen Küste zu kaufen. Auch für uns ist das sehr praktisch, wir brauchen "nur" nach Süden zu fahren und schon sind wir da, haha. Auch wenn die Westküste immer schon unser bestes Revier war, so gibt es ein paar weitere Flecken in den Staaten, wo wir gern gesehen werden. Die Ostküste gehört aber nicht dazu. Der Osten ist eine komplett andere Welt, da existiert eine andere Szene, eine gänzlich verschiedene Nachfrage, was die Musik angeht. Dafür haben wir uns aber in Kanada auch sehr gut gehalten die ganzen Jahre, auch hier gilt: An Nachwuchs mangelt es nicht. Es wird zwar stetig härter, aber solange wir immer raus gehen und unser bestes geben, wird das mit unseren Konzerten klappen, obwohl wir kaum Promotion aufwenden und im Grunde nur wenig Geld dahintersteckt.

Das spricht alles für die Qualität eurer Musik.

John: Ja, ich denke sogar, daß wir nur deshalb so gut sind, weil wir alle unsere Freiheiten besitzen. Wenn du mit deiner Band einen Majorvertrag hast, wirst du nur an deinen Verkaufszahlen gemessen, was entsprechende Auswirkungen auf deinen Sound hat. Uns kratzt das alles nicht, denn selbst wenn wir einen dicken Plattendeal haben wollten, kriegen würden wir den sowieso nicht: Die Musik von NO MEANS NO läßt sich einfach nicht vermarkten. Folglich können wir machen was wir wollen, obwohl... Ein paar Songs von der neuen Platte müssen wir schon spielen heute abend, aber diese Stücke sind wie alle anderen nicht für das Publikum, den Markt oder die Plattenfirma geschrieben, sondern geben UNSERE Sicht der Dinge wieder.

Das alles hört sich ja danach an, als ob ihr von NO MEANS NO leben könntet. Wieviele Platten verkauft ihr denn so?

John: Ja, wir können schon von unser Band leben. So über die Jahre verkaufen wir ca. 25.000 Stück pro Album, was ja ganz in Ordnung ist. Bloß jetzt, wo Alternative Tentacles in London zugemacht wurde, ist die Sache in Europa auch nicht einfacher geworden. Weil die A.T.-Platten jetzt direkt aus den Staaten nach Europa exportiert werden müssen, werden unsere Verkaufszahlen sicherlich leiden. Aber wir hoffen, das mit unserer ausgedehnten Tour ausgleichen zu können.

Habt ich denn irgendwas mitbekommen von dem Zoff in London?

John: Nein, nichts richtiges..., also die Gründe, tja, eine richtige Ahnung haben wir auch nicht, denn wir haben in diesem Prozeß keine tragende Rolle gespielt... Es ist letztlich eine bittere Ehescheidung... und wir sind die armen unschuldigen Kinder, die leiden müssen. (Theatralisch:) DIE KINDER SIND IMMER DIE VERLIERER! (Gelächter allenthalben)

Noch mal zurück zur Westküste der Staaten: Ihr sagt, dort sind eure meisten Fans, was angesichts der Tatsache, daß dort auch das MRR ansässig ist, doch etwas verwunderlich ist. Soweit ich weiß, hattet ihr ja doch etwas Ärger...

John: Also das war wirklich nicht unsere Schuld. Der ganze Streit dort war natürlich mehr eine Sache zwischen Jello Biafra und Tim Yohannan, der inzwischen ja verstorben ist. Tim war leider etwa zu konservativ...

Tom: ... er war mehr ein Autokrat, wenn es um die Definition von "guter" und "schlechter" Musik ging...

John: Er war nicht gerade anderen Meinungen gegenüber aufgeschlossen, was natürlich o.k. ist, schließlich konnte er in seinem Heft schreiben, was er wollte, und so konnte er natürlich sagen, daß Jello Biafra kein Punkrock ist, daß A.T. kein Punkrock ist, was uns natürlich miteinschloß.

Wir haben hier in Deutschland eine ähnliches Entwicklung. Auch hier sind gewisse Leute schnell bei der Hand mit ihren Urteilen, wenn um die Frage geht, ist etwas "Punkrock" oder nicht. Aber wen interessiert diese Scheiße überhaupt...

John: Da hast du recht, diese "Diskussionen" sind nicht einmal ihre verschwendete Zeit wert.

Darüber hinaus gibt es in Deutschland auch noch eine echte Stufe zwischen den Generationen. Bei uns im Büro arbeiten zwei junge Kerle, die zwar schon in Ordnung sind - obwohl sie fast nur Fat Wreck-Bands hören - von NO MEANS NO haben die aber noch nie gehört.

John: Die sollten mal zu unserer Show kommen, da würden sie ganz schnell bekehrt... aber wie ich schon gesagt habe, ist das zumindest bei uns zuhause kein Problem. Zumindest nicht vor drei Jahren, bei unser letzten großen Kanadatour. Weist du, wichtig ist, daß du die jungen Leute erreichst, denn ansonsten sind deine Tage irgendwann gezählt.

Dann laßt uns doch mal ein paar Meilensteine der NO MEANS NO-Geschichte aufzählen, damit der Nachwuchs aufgeklärt wird. Seit wann bist du denn in der Band, Tom?

Tom: Seit ungefähr vier Jahren.

John: Irgendwie die Finger in der Band hat er aber schon seit bald zehn Jahren. Wir kommen alle aus Vancouver in Victoria, da ist die "Szene", oder wie auch immer du das nennen willst, halt nicht so groß: Jeder kennt jeden, jeder spielt in mehreren Bands. Unser ursprünglicher Gitarrist, Andy Kerr, hat NO MEANS NO 1991 verlassen...

Tom: Also, ich muß mich jetzt mal wichtig machen und sagen, daß Andy nicht der Original-Gitarrist war, denn auf der allerersten NO MEANS NO-Single hat Ray Carder mitgemacht.

John (überrascht): Ahhhh, jetzt wo du das sagst... Ja, das war tatsächlich 1980, also dem Jahr, als wir uns der Welt stellten. Wir sind definitiv ein Produkt der Spätsiebziger-Punkrockszene von Vancouver und New York, jedoch man muß schon gestehen, daß wir zwar von dort kommen, sonst aber nicht mehr viel davon besitzen, was man mit dieser Szene verbinden könnte. Wobei ich auch gar nicht weiß, womit man uns in Verbindung setzen könnte.

Dann habt ihr diese Jazz-Einflüsse in eurer Musik schon von Anfang an?

John: Weißt du, das mit dem Jazz ist mehr so von Robbie in die Band getragen worden, denn mein Bruder hat so das ein oder andere von dieser Musik gehört. Allerdings habe ich auch nicht gerade einen reinen Punkrockbackground, denn vor NO MEANS NO habe ich in verschiedenen Swingkapellen gespielt. Zwar nicht gerade erfolgreich, aber immerhin. Wir bedienen uns bei zahlreichen anderen Musikarten, und wir können damit auch umgehen in dem Sinne, daß unsere Musik nicht zu verwurstelt klingt.

Wo wir schon so tief in eurer musikalischen Vergangenheit stecken: Aus welchem Jahr stammt eigentlich dieses Photo auf dem "Live & Cuddly"-Album? (Für alle, die dieses Cover noch nicht zu sehen bekommen haben: Das Photo zeigt einen kleinen Jungen, der gerade offensichtlich ein Schlagzeug geschenkt bekommen hat. Daneben ein größerer Junge und ein Erwachsener.)

John: Also das genaue Jahr weiß ich nicht mehr... wohl aber weiß ich, daß ich der einzige auf dem Photo bin, der etwas mit NO MEANS NO zu tun hat. Der kleine Junge ist ein Cousin von mir, wer der Erwachsene ist, habe ich vergessen, irgendein Typ halt. Das Photo ist auf einer Hochzeit entstanden, als ich ungefähr acht Jahre alt war. Der historische Wert dieser Aufnahme besteht in der Tatsache, daß dies das erste Mal war, daß ich auf einem Schlagzeug rumtrommelte...

Dieses Trio wurde von der "Fachwelt" bisher als Rob, John und Vater Wright interpretiert - was offensichtlich ziemlicher Quatsch ist.

John: Haha, damit fühlen wir uns mal wieder in unserem Tun bestätigt: Was auch immer NO MEANS NO der Öffentlichkeit auf irgendwelchen Tonträgern mitteilen, sei es das Cover oder die meist von Tom verfaßten Linernotes - die Leute sollten das nicht so ernst nehmen. Wir haben Spaß dran, den Rest der Welt zu verarschen. Gerade heute, wo sich die meisten Musiker so unglaublich wichtig nehmen und versuchen, über Videos und ihre Plattencover irgendein Image aufzubauen und nach außen zu tragen, ist es wichtig, ein Gegengewicht darzustellen. Weißt du, wir können sicher keine leere CD-Hülle verkaufen, aber... "first the people are sold, then the lifestyle is sold and at last the music is sold!" Wir nehmen unsere MUSIK ernst, was live wohl besonders gut deutlich wird. Es kommt nicht darauf an, wie du aussiehst, sondern darauf, daß deine Musik gut ist.

Dann ist "Dance Of The Headless Bourgeoisie", der Titel der neuen Platte, wohl auch nicht so sehr ernstzunehmen. Soweit ich das gelesen habe, war das ein Wunsch von Jello?

John: Ja, das war sein Vorschlag.

Tom: Eine Zeitlang wollten wir das Album "Life like" nennen. Bloß war dieser Titel angeblich schon mal von einer anderen Band benutzt worden. Deswegen haben wir uns um einen weniger gewöhnlichen bemüht, was wohl gelungen ist: "Dance of the headless bourgeoisie" hieß vor unserer neuen Platte garantiert keine andere.

John: Was sich natürlich schwer nach Biafra anhört.

Tom: Er hatte noch andere Vorschläge, wie "Reverend beef" oder "Big mouth tells all no matter what you are being used" oder so ähnlich. Er hat gigantische Listen mit Vorschlägen... (Mit großen Gesten und verblüffend perfekter Stimme den großen Meister aus San Francisco imitierend:) ...Let´s seeee, let mee get this out, "bEEEEEF!!!" (Großes Gelächter)

Ist dieses Einmischen nicht etwas frustrierend für euch?

John: Nein, es ist eher mehr frustrierend für ihn, weil wir ihn noch nie richtig ernst genommen haben... Nein, versteh mich jetzt nicht falsch, sicher nehmen wir ihn ernst, denn er ist ein intelligenter Mensch und er hat einen guten Musikgeschmack, aber er ist natürlich manchmal etwas arg übereifrig und hat als "Mr. Critical" überall seine Finger drin... (Ebenfalls Biafra imitierend, aber nicht ganz so gut wie Tom:) "Why didn´t you play this song? You gotta play this song, blablabla...".

Tom: Du mußt wissen, er hat sogar Vorschläge zum Songwriting zu "Dance of..." gemacht, und zwar gar nicht mal schlecht.

John: Er sprudelt halt manchmal voller Ideen. In der Tat war es bei dem neuen Album das erste Mal der Fall, daß er einen großen Einfluß auf den Entstehungsprozeß hatte. Aber bei aller Kritik: Sein Drängen und Quengeln mag zwar manchmal nerven, aber letztlich entpuppen sich seine Vorschläge meistens als die bestmöglichen Entscheidungen. Das heißt allerdings nicht, daß ich mir vorstellen könnte, unter ihm zu arbeiten... (Gelächter)

Warum sind auf "Dance of..." nicht mehr ganz so viele Stücke mit einen tighten Punkrockmuster, wie es ja bei "Worldhood..." noch der Fall war?

John: Ach, darüber machen wir uns eigentlich nie einen großen Kopf. Nach der "Why do they call me Mr. Happy", das ja ein Album mit recht langen und düsteren Stücken ist, wollten wir auf der "Worldhood" mal wieder ein paar Stücke einspielen, die unter acht Minuten sind. Nun war es wieder umgekehrt, haha.

Wie läuft denn euer Songwriting-Prozeß? Müssen wir uns das als eine Art Session vorstellen?

John: Den Großteil der Songs schreibt Robbie im voraus. Manchmal gelingt auch mir so ein Kunststück, wie z.B. bei dem "The jungle"-Song, für den ich erst die Musik geschrieben habe und Rob später die Lyrics. Meist müssen wir die Gitarrenparts mit Tom noch ein wenig arrangieren und verändern. Richtig gewachsen sind die Stücke also erst nach ein paar Proben, in denen das ein oder andere verändert wird.

Ihr habt ja auch ein eigenes Label am Start, Wrong Records genannt, das die Welt mit der einen oder anderen obskuren Band versorgt.

John: Ja, genau. Da wird nächste Woche eine Platte von den ROYAL GRAND PRIX,"Pricks" ausgesprochen, rauskommen. Das sind ein paar Freunde von uns aus Vancouver, eine Art All Star-Band, die das mehr so zum Spaß macht. Folglich kann man dann eine Mischung spielen aus... keine Ahnung..., den BUZZCOCKS und ACDC, haha.

Tom, hast du denn auch deine Finger bei Wrong Records drin?

Tom: Nein, nicht richtig. Ich komme manchmal ins Büro, mache mich wichtig und bediene mich schamlos bei all den Sachen, die da so für umsonst rumliegen, haha.

John: Toms andere Band, die SHOW BUSINESS GIANTS, hatte auch eine Veröffentlichung bei Wrong, was weitere neue Platten in Europa auf dem Konkurrel-Label in Holland zur Folge hatte. Diese Scheiben haben wir dann wieder in Kanada re-released. Unser Problem ist natürlich, daß Geld immer etwas knapp ist. Wrong ist eigentlich kein richtiges Label, sondern eher eine Veröffentlichungsmöglichkeit auf einer kooperativen Ebene: Eine Band kommt auf uns zu, idealerweise mit einer schon fertigen CD, deren Produktion wir nicht gezahlt haben, und wenn uns die Musik gefällt, sorgen wir für den Vertrieb in den Staaten und in Europa. So können wir Bands helfen, deren Musik sonst nie irgendwie rauskommen würde. So sind wir also eine Art Sprungbrett, denn vielleicht können sie mit unserer Starthilfe mal ein größeres, richtiges Label finden.

Jetzt mal was über euer Privatleben: Bekanntermaßen tragt ihr über die HANSON BROTHERS eine gewisse Eishockeyleidenschaft nach außen. Gilt das für euch alle, oder ist nur Rob der wahre Hockey-Maniac?

John: Sicher sind wir alle Hockeyfans. Das Herz eines jeden anständigen kanadischen Jungens schlägt für Hockey! Obwohl, Tom bevorzugt Baseball.

Tom: Und Fußball!!!

Habt ihr denn einen Tip, mit welcher Mannschaft ich bei NHL 98 - das ist ein geiles Hockeyspiel für den PC - spielen soll? Welche Mannschaft ist cool? Die Vancouver Canucks?

Beide: Oh no!!! They suck!!!

Tom: Die Detroit Red Wings sind die besten.

John: Ja, die sind so gut, daß es schon wieder langweilig ist.

Tom: Bei der letzten Runde waren die so gut und haben ein Spiel nach dem anderen gewonnen, so daß schon in der Mitte der Saison klar war, daß sie den Cup gewinnen. Folglich lagen die Einschaltquoten bei NHL-Spielen auf einem Rekord-Tiefstand.

John: Aber das kein Drama. Die NHL ist eh nur noch ein Schatten ihrer Geschichte. Da gab es schon aufregendere Spielzeiten. Das Problem ist, daß alle Mannschaften in einer großen Liga spielen, egal ob sie gut sind oder schlecht. So ist schon vor den meisten Spielen klar, wer gewinnt. Absteigen kann auch niemand, wie langweilig! Wenn wir Eishockey gucken, gehen wir zu einem Juniorenspiel, denn da geht es noch richtig zur Sache. Die Jungs kämpfen um Profiverträge, was natürlich den Einsatz mitbringt, der für ein gutes Hockeyspiel nötig ist.

Tom: Wir waren sogar mal in einem deutschen Stadion, in Schwenningen. Das war wirklich vollkommen strange, denn nach dem Spiel sind die Schwenninger aufs Eis gekommen und haben "Macarena" getanzt. Und danach auch noch "YMCA".

John: Das macht einen menschlicheren Eindruck als in Kanada. Da würde keiner auf so eine Idee kommen.

(Mittlerweile hat die Vorband aufgehört, weshalb Tom und John das Interview für beendet erklären.)

Zum Abschluß noch irgendwelche letzte Worte an unsere Leser?

John: Wir möchten uns bei all unseren Fans entschuldigen, in deren Gegend wir nicht spielen können.

Tom: Schickt alle liebe Grüße an Dolf und Bettina. Übrigens ist ganz Deutschland zu deren Hochzeit eingeladen, haha.

Na, da wird sich aber jemand freuen.... O.k., danke und alles Gute für NO MEANS NO!

Der anschließende Auftritt der drei alten Herren war dann so ziemlich das beste Livekonzert, das nicht nur ich seit Jahren erlebt habe. Hat irgendwer schon mal Thomas Kerpen in Superlativen schwelgen gehört?!? Casi und Ane waren auch hingerissen ohne Ende! Weit über zwei Stunden haben NO MEANS NO fast nur Hits gespielt, und zwar mit einer Perfektion und einem Einsatz, von dem sich so manche dieser arschlangweiligen "Ich trag´ Sneakers, also bin ich cool"-Looser-Kapellen mal ´ne ganz fette Scheibe abschneiden könnten. Das gilt gerade für Punkrock-Songs wie "Two lips, two lungs & one tongue" und die RAMONES-Cover. NO MEANS NO sind Gott, wer das nicht kapiert hat, wird einst saudumm sterben! Amen.

Marc Schellenberg

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #33 (IV 1998)

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