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Interviews & Artikel

IMPERIAL STATE ELECTRIC

Pop den Krieg erklären

Mit „Pop War“ liefert Nicke Andersson (ex-HELLACOPTERS, ex-ENTOMBED) mit seiner inzwischen festen Band – Dolf de Borst (THE DATSUNS), Tobias Egge (ex-THE OBJECTS) und Thomas Eriksson (Ex-CAPTAIN MURPHY) – den zweiten Longplayer nach dem unbetitelten Debüt aus dem Jahre 2010 ab. Gab es auf den zwischen diesen Alben veröffentlichten Kleinformaten nahezu ausschließlich Fremdkompositionen zu hören, konzentriert sich Nicke hier wieder auf das, was er, wie der Albumtitel schon andeutet, am besten kann, nämlich eingängige Songs zu schreiben.

Nicke, 2010 hieß es, dass IMPERIAL STATE ELECTRIC immer du und wechselnde Musiker sein würden. Jetzt, 2012, sind es immer noch die gleichen Leute. Wie kommt’s?

Das ist eben einfach passiert. Ich mag die Jungs, sie mögen mich, wir wollten weiter zusammenarbeiten und ja, auf dieser Platte sind wir eine Band. Wir haben viele Konzerte gespielt, uns besser kennen gelernt, musikalisch und persönlich, es passt einfach.

Welche Bedeutung hat der Albumtitel „Pop War“?

Wir suchten schon seit Monaten nach einem geeigneten Titel und dann war Dolf in Neuseeland, um mit den DATSUNS auf Tour zu gehen. Mir fiel dann „Pop War“ ein, keine Ahnung warum.

Vielleicht weil du immer noch auf der Suche nach dem perfekten Pop-Song bist?

Ja, so kann man es sehen. Es könnte aber auch bedeuten, dass man Pop den Krieg erklärt, denn moderne Popmusik ist nun mal beschissen.

So wie in „The Ultimate Revenge For Disco“, dem uralten Live-Video mit VENOM, SLAYER und EXODUS?

Ja, genau. Das habe ich noch irgendwo als VHS-Kassette herumliegen, haha. Disco war immer schon scheiße. Als Dolf dann zurückkam, meinte er, dass er auch einen Titel hätte. Er wollte meine Idee hören und meinte dann nur, dass er an den gleichen Titel dachte. Es könnte aber auch eine Variante von Powerpop sein, eine Musikrichtung, die ich manchmal mag, manchmal eben nicht. Powerpop muss poppige Songs haben, die aber eben mit Power, das heißt mit lauten Gitarren, gespielt werden. In diesem Sinne sind wir vielleicht eine Powerpop-Band. Andererseits werden Bands, die ich unterirdisch finde, auch Powerpop zugeordnet. Es ist wie mit dem Begriff Rock’n’Roll. Was einige amerikanische Sender heute unter diesem Begriff spielen, hat nichts mit Rock’n’Roll zu tun, wie ich ihn verstehe. Wenn heute jemand zu mir sagt, dass wir Rockmusik spielen, dann denke ich mir immer: „Nun ja, kommt darauf an, was genau du meinst.“ Wenn du vor 30 Jahren gesagt hast, dass du Rock’n’Roll spielst, dann hast du verdammten Rock’n’Roll gespielt. Egal, ob du Little Richard oder LYNYRD SKYNYRD meintest, es war Rock’n’Roll.

Oder nimm R&B. Ich verstehe darunter Rhythm and Blues, aber heute?!

Genau! Ich sehe keinerlei Verbindung zwischen Otis Redding und Usher, haha. R&B startete in den 1950ern und du findest keine beschissenen Aufnahmen aus dieser Zeit, aber heute?!

Was bedeuten Texte für dich? Ist der Inhalt wichtig oder betrachtest du den Gesang als ein weiteres Instrument?

Eigentlich beides. Die Musik steht immer an erster Stelle, aber ein guter Text kann einen Song erheblich verbessern. Musik zu komponieren fällt mir leicht, aber gute Texte zu schreiben dauert lange. Wenn ich so viele Texte schreiben würde, wie mir Songs einfallen, dann könnte ich vielleicht tausend Songs pro Jahr veröffentlichen, haha. Dolf hat die Texte zu dreien der zehn neuen Songs geschrieben.

Du hast also keine Texte herumliegen, zu denen du dann Songs schreibst?

Nein, es ist genau andersherum, aber manchmal wünschte ich mir, dass es so wäre. Englisch ist nicht meine Muttersprache, was es schon einmal erschwert. Ich möchte gerne simple, aber keine dummen Texte schreiben. Die Menschen sollen etwas hören, das sie mögen. Dabei müssen sie einen Text nicht genauso verstehen, wie ich es vielleicht tue.

Wenn ein Kunstwerk erst erschaffen ist, dann hat niemand mehr eine Deutungshoheit?

Ja, genau. Egal, ob du ein Bild malst, eine Skulptur herstellst oder eben ein Lied schreibst. Jeder Mensch sieht etwas anderes darin und so sollte es auch sein. Es ist nicht so, dass ich nicht über meine Texte sprechen möchte, ich will sie nur nicht ruinieren. Ich schreibe Texte mit einer bestimmten Bedeutung für mich und andere Menschen verstehen sie völlig anders, was ich sehr cool finde.

Du bist ja sehr jung Profimusiker geworden. Hast du auch etwas Richtiges gelernt?

Ich habe vorher schon einige Jobs gemacht. Ich habe bei der Post gearbeitet, mich als Siebdrucker versucht und im Copyshop habe ich auch gejobbt. Eine Ausbildung habe ich allerdings nie gemacht. Nach der 9. Klasse habe ich die Schule verlassen und ging arbeiten, damit ich mir Drums kaufen konnte.

Du hast inzwischen auch begonnen, als Produzent zu arbeiten.

Ja, ich habe eine Band namens ’77 aus Spanien produziert. Sie haben in Stockholm gespielt, ich mochte sie, sie wussten, dass ich mit Dolf de Borst und Fred Estby ein Studio betreibe, und fragten mich einfach. Dann produzieren Fred und ich das kommende BULLET-Album. Ich habe auch begonnen, das Soloalbum von Dregen von den BACKYARD BABIES aufzunehmen.

Weißt du, dass sowohl die aktuelle ISE-Single als auch das Album schon zu horrenden Preisen bei eBay gehandelt werden?

Ja, habe ich gehört, aber ich kann es nicht verstehen.

Die Single habe ich mir auch bestellt und bekam sie fast drei Wochen vor der offiziellen Veröffentlichung.

Dann hast du sie bei Hot Stuff bestellt. Üblicherweise werden Platten erst am Veröffentlichungstag an die Vertriebe gegeben. Dieses Mal waren die Singles viel früher fertig und unser Vertrieb Sound Pollution begannen, sie weiter zu schicken, was ein Fehler war. Das Gleiche ist mit dem Album passiert, das erst in vier Wochen verschickt werden sollte.

Die Version mit dem durchsichtigen Vinyl steht schon für 99 US-Dollar bei eBay.

Ich verstehe es nicht. Ich sage jedem, mit dem ich Platten veröffentliche, dass sie die Auflagen nicht limitieren sollen. Wenn 500 Stück verkauft werden, dann lege noch einmal 500 nach, so dass mehr Leute die Platte bekommen können. Aber ich kann auch die Sammler verstehen, die etwas Besonderes besitzen wollen.

Wie bist du mit den ganzen kleinen Labels in Kontakt gekommen, die Singles von euch veröffentlichten?

Marco von Ghost Highway kenne ich schon aus HELLACOPTERS-Tagen. Irgendwann startete er sein Label und ich sagte sofort zu, als er mich fragte. Ich arbeite gerne mit ihm, denn er ist sehr schnell. Wenn ich ihm Aufnahmen schicke, hat er sie wenig später veröffentlicht, was ich sehr mag. Außerdem steckt er jeden Cent in weitere Veröffentlichungen. Ich schätze seinen Ansatz sehr. Onslaught of Steel haben mir über die Webseite eine E-Mail geschickt und ich habe einfach zugesagt. Sie hatten eine tolle Idee für das Cover.

Und wie kam der Kontakt zu Soulseller Records zustande?

Das musst du die BLOODLIGHTS fragen, mit denen wir uns die Single teilen. Es war als Toursingle gedacht, die aber erst nach der Tour veröffentlicht wurde, haha.

Inwieweit bist du beim „Rock Science“-Brettspiel-Projekt involviert?

Die Macher haben mich angesprochen, weil sie mochten, was wir mit den HELLACOPTERS gemacht haben, vor allem die visuelle Seite. Ich habe das Logo und auch das Spielbrett entworfen.

Das Spiel war also nicht deine Idee?

Nein, ich kam erst später dazu. Ich habe es auch noch nicht selbst gespielt. Es gab diverse Testspiel-Abende, die ich leider alle verpasst habe, aber jeder, der da war, fand es lustig. Ich habe natürlich einige der Fragen gesehen, aber die drehten sich um die Neunziger und um Bands wie die RED HOT CHILI PEPPERS oder AUDIOSLAVE und da muss ich leider passen. Wenn du mich aber etwas über KISS fragen würdest, könnte ich dir vermutlich alles beantworten, haha.

Apropos KISS: Der Song „Rock Science anthem“ klingt wie ein KISS-Song, finde ich.

Vielen Dank. Die Rock Science-Leute haben mich gefragt, ob ich ein Lied für sie schreiben könnte und ich meinte nur, klar, aber dann muss es sich nach den Siebzigern anhören. Tobias, unser anderer Gitarrist, singt den Song und seine Stimme klingt schon etwas nach Paul Stanley.

Siehst du in Zeiten des Internets noch einen Bedarf an gedruckten Musikmagazinen oder Fanzines?

Ich weiß nicht, ob es da einen Bedarf gibt, aber ich persönlich sehe es nicht nostalgisch, doch man braucht auch etwas Pause vom Internet. Alles ist online. Aber es ist eine Generationsfrage. Ich würde auch nie ein Buch im Internet lesen mit dem Laptop auf meinem Schoß. Es ist wie mit Platten. Ich habe einen mp3-Player, den ich im Auto benutze, aber daheim spiele ich Vinyl ab. Es kommt sicher darauf an, womit du aufgewachsen bist, aber ich bemerke auch, dass immer mehr Jugendliche wieder Vinyl entdecken. Neulich hieß es im Radio, dass die Vinylverkäufe in Schweden wieder massiv ansteigen.

In Deutschland ist es es genauso – und die CD-Verkäufe brechen ein.

Ich hätte kein Problem damit, wenn CDs verschwinden würden. Ich mochte sie nie. Viele Labels gehen ja auch dazu über, dem Vinyl einen Download-Code für mp3s beizulegen, was ich fantastisch finde, denn so kann man sich die Songs auch auf dem PC oder mp3-Player anhören. Selbst wenn du keinen Plattenspieler besitzt, so hast du doch ein feines Kunstwerk zu Hause.

Ein großes deutsches Metal Magazin brachte vor einiger Zeit ein Death-Metal-Special, wo es auch eine Liste der 25 wichtigsten Death-Metal-Alben aller Zeiten gab. Kannst du dir vorstellen, welche Band auf Platz zwei war?

Da du mir diese Frage stellst, wird es wohl eine Band sein, in der ich gespielt habe, oder?

Genau, ENTOMBED mit „Left Hand Path“.

Dann lass mich mal raten, welche Band es auf Platz eins geschafft hat: MORBID ANGEL?

Nein, die waren auf Platz drei. „Leprosy“ von DEATH war Spitzenreiter.

Okay, obwohl ich „Scream Bloody Gore“ gewählt hätte. DEATH wurden ziemlich schnell beschissen, weil sie, wie so viele andere Death-Metal-Bands auch, sehr technisch wurden und zeigen wollten, wie gut sie ihre Instrumente beherrschen. Bei ENTOMBED hatten wir einen ganz anderen Ansatz. Dieses Instrumentalgewichse nervt doch nur. Ich hasse Progressive Metal. Das ist Musik von Musikern für Musiker. Ich scheiße auf musikalische Fähigkeiten. Gute Musik sollte ursprünglich sein und dich spürbar ansprechen.

Guntram Pintgen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #101 (April/Mai 2012)

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