Interviews & Artikel : DERITA SISTERS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

DERITA SISTERS

It’s a long way back to Germany

Die DERITA SISTERS-LP „The Great Satan“ von 2002 hat mich damals schwer begeistert – arschtretender, simpler, melodischer Punkrock mit Texten, die einen speziellen Humor der Bandmitglieder vermuten lassen. Ab 2005 hörte man gar nichts mehr von der Band aus dem kalifornischen Santa Barbara. Also habe ich letzten Sommer die Mail-Adresse im Internet herausgefischt und tatsächlich: Sänger und Gitarrist Mark antwortete umgehend, freute sich sehr über die Kontaktaufnahme eines alten Fans und schickte mir einen Stapel alter Tonträger über den Teich, die er noch in seinen Restbeständen gefunden hat. Das nenne ich Fanbetreuung und das nenne ich Punkrock! Als er dann noch das Comeback der Band ankündigte, brauchte ich nicht lange grübeln – ein Interview musste her.

Nach 2005 ist es ziemlich ruhig um euch geworden. Wie kam’s, habt ihr euch damals aufgelöst?


Nein, wir haben uns nicht offiziell aufgelöst. Wir haben einfach aufgehört, Shows zu spielen, weil es organisatorisch immer schwieriger für uns wurde. In den USA interessiert sich niemand besonders für uns, so dass wir eigentlich nur in Europa spielen können. Zu dieser Zeit wurde es für uns aber komplizierter, wieder dorthin zu kommen. Wir alle haben Jobs und Familien und dadurch wenig Zeit. Unsere letzte Show haben wir dann 2005 beim Wasted Festival in Morecambe in England gespielt. Das war damals für uns als Band eine tolle Sache, dort zu spielen. Es war ein Traum von uns, auf einem von Darren Russells Punk-Festivals zu spielen. Also habe ich mir gedacht, was kann da noch kommen? Wir haben danach noch eine letzte Aufnahmesession gemacht und uns anderen Bands zugewendet, die DERITA SISTERS erst mal ruhen lassen. Ich hatte für sechs oder sieben Jahre eine andere Band, die hieß SILENT MEOW. Das war etwas härterer Punk mit einer Sängerin. Wir haben vor allem hier in Santa Barbara und Los Angeles gespielt. Das lief ganz gut und wir haben ein Album und zwei Mini-CDs aufgenommen. Wir haben so viel herausgeholt wie möglich in unserer kleinen Stadt. Wir haben als Support gespielt für Bands wie THE DONNAS, TURBO AC’s, THE SPITS, 45 GRAVE, VICE SQUAD und viele andere. Dann wurde ich Vater und habe eine Weile pausiert. Ich habe auch in einer Garage-Punk-Band gespielt, die THE RAVEN V hieß: Musik mit Fuzz-Gitarren und viel Hall. Hier war aber auf Dauer das Problem, dass die anderen drei Bandmitglieder in Kansas City wohnten, 1.200 Meilen weit weg von mir. Es war also schwierig, gemeinsame Termine zu finden.

Nach sieben Jahren Pause habt ihr letzten Sommer zwei Shows in Großbritannien gespielt. Wie war es, nach so langer Zeit wieder in Europa zu sein?

Das hat viel Spaß gemacht! Ursprünglich wollte ich einfach nur aufs Rebellion Festival gehen und vier Tage lang Oldschool-Punkrock hören. Aber mein Freund Brad Frugal von der Band MONKISH fragte mich, ob ich nicht ein kurzes Akustik-Set spielen will. Ich kann aber nicht besonders gut Akustikgitarre spielen, so dass er mich fragte, warum ich nicht mit den DERITA SISTERS komme. Darren Russell, der Organisator des Rebellion Festival, machte uns dann ein Angebot und wir dachten: Warum nicht? Wir haben zweimal geprobt, spielten eine Warm-up-Show im 12 Bar Club in London und es war großartig! Ich finde, das Set, das wir beim Rebellion Festival spielten, war das beste, das wir je gespielt haben. Das Feedback war sehr gut, was mich darin bestärkte, mit der Band wieder richtig loszulegen.

Euer Album „My Bad“ wurde auf Plastic Bomb Records veröffentlicht, „The Great Satan“ wurde in Deutschland aufgenommen und in dem Song „8000 miles“ singt ihr darüber, nach Deutschland zurückzukommen. Ihr habt eine spezielle Beziehung zu den „Krauts“ oder täuscht das?

Ohne Deutschland gäbe es diese Band nicht. Wir haben sehr hart daran gearbeitet, auch in Kalifornien bekannt zu werden, aber niemand mochte unseren Sound oder hat unsere sarkastischen Texte verstanden. Wir haben viele gute Reviews für unsere CDs bekommen, aber es war immer schwierig, an Gigs zu kommen und sich ein Publikum zu erspielen. 1996 haben wir unseren ersten Plattenvertrag von Barny Stult von Incognito Records angeboten bekommen. Das brachte uns nach Deutschland, und aus irgendeinem Grund mochten uns die Deutschen. Ich weiß auch nicht so genau, warum. Dann bekamen wir einen Vertrag über drei Platten von Thorsten Wolff von High Society International Records in Hamburg. Thorsten hat uns einem Booking-Agenten vorgestellt und so tourten wir 1999 zum ersten Mal in Deutschland. Von da an waren wir sechs Jahre lang hintereinander hier auf Tour, haben immer mehr Freunde gefunden und jede Menge Spaß gehabt. Es ist so anders, in Deutschland zu touren. Ihr behandelt alle Bands wie Rockstars, haha! Wir konnten das kaum glauben. Wir haben sogar ein bisschen Geld verdient, haben jedes Mal gutes Essen bekommen und so viel Bier, wie wir trinken konnten, und einen Platz zum Schlafen. So was wirst du in Amerika nicht erleben. Bands bekommen dort kein Geld, Essen oder Getränke oder einen Schlafplatz, es ist echt beschissen dort als Band. Wir waren also ziemlich verwöhnt, wenn wir in Deutschland waren. Wir haben hier so viele Freunde gefunden. Freunde, die wir bis heute haben. Es ist wie unser zweites Zuhause. Amerikaner sind fasziniert von deutscher Kultur, es ist wie kein zweiter Platz in der Welt. Die Punk-Szene ist sehr stark hier. All die Fanzines haben positiv über uns berichtet und es war einfach, hier als Band voranzukommen, zu touren und Platten zu veröffentlichen.

Und jetzt plant ihr zurückzukommen ...

Unsere neue Tour geht am 30. März los, wir gehen zusammen mit ROCKWOHL DEGOWSKI auf Tour, das ist die Band eines guten Freundes, und wenn alles klappt, kommen wir aber schon bald danach wieder.

Was können wir von eurem neuen Album erwarten? Es wird vermutlich auch diesmal kein Prog-Rock-Album werden, oder?

Die neuen Sachen reichen immer noch von poppigen BUZZCOCKS-inspirierten Stücken bis hin zu Hardcore-Songs. Ich habe diesmal beispielsweise auch mit verschiedenen Gitarrensounds experimentiert. Und dass unser alter Gitarrist Frank wieder in der Band ist, ist ein großer Gewinn. Er ist musikalisch ein bisschen moderner als ich und bringt einen etwas frischeren Ansatz mit seinen Leadgitarren-Parts ein.

Die Bandbesetzung hat sich meinem Eindruck nach oft verändert. Wer macht heute mit?

Die DERITA SISTERS waren schon immer mehr ein Projekt – Musiker kamen und gingen. Wir hatten Zeiten mit einem stabilen Line-up, dann ging einer und ein anderer kam und bald schon war fast das komplette Line-up verändert. Ich bin das einzige Gründungsmitglied, das noch mitmacht. Aber egal, wer in der Band ist, die Songs klingen immer gleich. Franky DeRita ist, wie gesagt, wieder dabei. Er hat schon auf „The Great Satan“ Leadgitarre gespielt und auf dem Live-Album „One Two Fuck You“, das wir in Berlin aufgenommen haben. Er ist mit uns dreimal getourt und hat seit über zehn Jahren seine eigene Band, die WEEKLY CAROUSE heißt. Er ist ein lustiger Typ und ich freue mich, wieder mit ihm zu spielen. Und zum ersten Mal haben wir eine englische Rhythmus-Sektion: Rob Chester am Bass, der noch seine eigene Band CHESTER hat, und Anthony „Ant“ Olway am

Was denkst du über Punkrock 2013? Gibt es aktuell ein paar Sachen, die du empfehlen kannst?

Ich mag vieles, auch wenn ich denke, dass der alte Punk-Sound anfängt, ein bisschen zu verschwinden. Ich mag zum Beispiel AC4 gerne, eine tolle schwedische Band, die nach frühem Achtziger Hardcore klingt. Oder THE THERMALS, die das sind, was ich unter einer „modernen“ Punkband verstehen würde. Ich finde auch die neuen Sachen von THE FALL klasse. Mark E. Smith ist meiner Meinung nach der punkigste Musiker aller Zeiten. Es gab in letzter Zeit auch ein paar gute Comebacks von alten Bands wie GANG OF FOUR oder KILLING JOKE, und deren neue Platten sind sehr gut. Ich mag auch Keith Morris’ neue Band OFF!. Es gibt zur Zeit nicht so viel guten reinen Rock’n’Roll. Ehrlich gesagt höre ich am liebsten zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, die einfach nur den rohen Rock’n’Roll spielen. Ich finde, dass heute viele Bands irgendwie unecht wirken. Ich kann damit nichts anfangen, vermutlich bin ich jetzt eben echt alt, haha!

Wie bezahlst du deine Rechnungen? Hast du einen Job neben deinen Punkrock-Aktivitäten?

Ich hatte schon immer verschiedene Jobs, meistens für Videoproduktionen und als Grafikdesigner für die Druckerei meiner Familie. Ich produziere Dokumentarfilme und habe einige wirklich unglamouröse Jobs im Fernsehgeschäft gehabt. Mit Musik habe ich nie Geld verdient, aber ich liebe das Musikmachen und kann damit nicht aufhören, auch wenn ich es schon versucht habe, haha.

Wie fühlst du dich nach so vielen Jahren Punkrock?

Ich bin immer noch im Rennen und kann mit den Kids mitrocken. Ich bin in guter Verfassung. Ich habe mit den DERITA SISTERS mit 33 angefangen und bin 55, wenn im März unsere Tour beginnt. Aber ich kann immer noch 35 Songs am Abend spielen und merke es nicht mal. Ich singe auch mittlerweile besser, finde ich. Ich bin überhaupt kein guter Gitarrist, habe aber immer dafür gesorgt, dass alle anderen in der Band besser als ich sind, so dass ich dadurch selbst auch besser klinge, haha. Punk war für mich inspirierend zu einer Zeit, als Rockmusik wirklich übel war. Und als ich das zum ersten Mal hörte, wusste ich, dass ich Teil davon sein will. Du brauchtest kein Talent, nur ein paar Akkorde und ein paar dumme Texte. Punkrock gab Leuten wie mir die Gelegenheit, Spaß an der Musik zu haben!

Hannes Baral

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #106 (Februar/März 2013)

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