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Interviews & Artikel

MASSENDEFEKT

Bloß kein Deutschrock!

Die Punkrock-Szene in Düsseldorf erlebt derzeit eine kleine Blüte: DIE TOTEN HOSEN sind die größte Band des Landes. Die BROILERS schicken sich an, deren Nachfolger zu werden. Die Jungs von ROGERS spielen vor immer größerem Publikum. 4 PROMILLE veröffentlichen ihr Reunion-Album. Der CASHBAR CLUB hat seine Debütplatte am Start. Und dann sind da ja auch noch MASSENDEFEKT. Von allen genannten Bands sind sie vielleicht diejenige, die sich am ehesten nach dem Motto „Wir machen es still und heimlich“ ins Rampenlicht gespielt haben. Es gibt sie schon seit knapp 14 Jahren, sie spielten regelmäßig bei größeren Festivals, und dennoch nahmen Menschen außerhalb Düsseldorfs sie eigentlich erst mit „Tangodiesel“ von 2012 so richtig wahr. Jetzt gibt es mit „Zwischen gleich und anders“ die neue, fünfte Platte. Und plötzlich rumort es: Die MASSENDEFEKT-Slots bei Festivals rücken immer weiter in Richtung Primetime, und für den Jahresabschluss ist das Düsseldorfer Stahlwerk gebucht. Da passen ein paar tausend Leute rein. Der MASSENDEFEKT tut seine Wirkung. Erstmals auch im Ox. Ein Gespräch mit Frontmann Sebi.

Sebi, euer neues Album heißt „Zwischen gleich und anders“. Ein interessanter Titel. Nehmen wir ihn doch einmal wörtlich: Was war bei den Aufnahmen dieses Mal anders als bei den Alben davor – und eben nicht gleich?


Wir haben das Studio gewechselt und sind zu unserem Live-Mischer Tim Schulte gegangen, der auch für WÖLLI UND DIE BAND DES JAHRES tätig ist. Die ganze Aufnahme sollte dadurch in der Familie bleiben. Ansonsten hat sich nichts geändert. Im Gegenteil, die Songs haben wir auf den letzten Drücker fertig gehabt und abgeliefert. Wie immer, haha.

Ist das einer schlechten Planung oder Faulheit geschuldet?

Irgendwie beidem, haha. Wir nehmen uns immer vor, das ganze Jahr über an neuen Songs zu schreiben, um am Ende gut dazustehen. Aber dann wird da nichts draus. Der Abgabetermin rückt immer näher. Und irgendwann werden wir panisch und sagen uns: Okay, lasst uns langsam mal anfangen zu schreiben! Anscheinend können wir nur unter Zeitdruck arbeiten. Diesmal hatten wir einen Monat Studiozeit für alles – und mussten wirklich reinklotzen.

Da ihr bislang noch nie Thema im Ox gewesen seid, erklär doch bitte einmal allen Unwissenden, wie so ein MASSENDEFEKT-Weg bis hin zum fertigen Song aussieht.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands – so denke ich es jedenfalls – treffen wir uns eigentlich immer erst dann im Proberaum, wenn wir Musik und Texte bereits so gut wie fertig haben. Separat voneinander wohlgemerkt. Denn erst im Proberaum überlegen wir uns, was wie worauf am besten passen könnte. Wir diskutieren, probieren aus, motzen an der Musik und den Texten herum. Und wenn wir uns geeinigt haben, nehmen wir Demos auf und gehen mit denen ins Studio.

Im Info zum Album steht, es sei euch gelungen, das MASSENDEFEKT-Live-Feeling einzufangen. Ganz ehrlich, lässt sich so etwas planen?

Nein! Wir haben uns ganz einfach vorgenommen, zurück zum Anfang zu gehen. Wir wollten etwas Einfaches, Simples haben. Ein Punkrock-Album. Vier, fünf Akkorde. Den Kram runterrotzen, ohne dass es zu perfekt klingt. Denn live sind ja auch immer ein paar Schnitzer drin.

Inwiefern habt ihr auf „Zwischen hier und anders“ eurer mittlerweile doch gehörig gewachsenen Popularität Rechnung getragen?

Ich denke, es wird mehr gesungen als früher. „Tangodiesel“ zuvor war ja quasi unser „Findungsalbum“. Unser alter Sänger hatte uns verlassen, ich übernahm seinen Part – und musste plötzlich Gesang und Gitarre miteinander vereinbaren und in der Mitte der Bühne stehen. Das war völlig neu für mich. Und ich habe da zuerst gesanglich nur stur meinen alten Stiefel runtergespielt. Genau das wollte ich jetzt ändern. Ich wollte mich weiterentwickeln. Diesen Anspruch habe ich. Diesen Anspruch haben wir. Es sollte anders klingen. Sauberer – auch wenn ich immer noch Grölparts in den Songs habe.

Man könnte den Titel „Zwischen gleich und anders“ auch als Statement deuten – als Statement einer Untergrund- und Szeneband, die plötzlich überregional bekannt ist, sich ihren Subkulturstatus aber trotz des Erfolgs erhalten möchte.

Gar nicht. Der Titel sagt einfach aus: Hier hat sich etwas getan – etwa eben im Gesang. Aber es ist immer noch ein MASSENDEFEKT-Album. Dass sich mit der Zeit so einiges ändert, ist ja klar. Man kann ja nicht jahrelang nur für einen Kasten Bier überall spielen. Wenn die Nachfrage da ist, dann muss da mehr kommen. Dann nehmen wir eben auch etwas mehr Geld für T-Shirts – schließlich müssen wir Tourneen bezahlen, Produktionskosten decken und so weiter. Es wird alles geschäftlicher. Aber solange die Musik und der Spaß daran im Vordergrund stehen, ist alles in Ordnung.

Lebt ihr mittlerweile von der Band?

Nein. Wir haben alle unsere normalen Jobs und nehmen Urlaub, wenn es auf Tour geht. Und geprobt wird immer nach Feierband. Das ist mitunter nervig und anstrengend. Aber von nix kommt ja auch bekanntlich nix.

Lass uns trotzdem mal ein bisschen in die Zukunft schauen und rumspinnen: Ihr spielt am 23. Dezember 2014 euer bislang größtes Konzert im Düsseldorfer Stahlwerk. Da passen schon ein paar tausend Leute rein. Da haben auch die BROILERS 2008 ihre Erfolgsstory mit einem ausverkauften Gig begründet. Und die füllen bald zweimal den ISS-Dome ...

Das ist schon eine Nummer mit dem Stahlwerk. Klar. Wir setzen uns immer kleine Ziele und steigern das nach und nach. Wir waren mal im AK47 in Düsseldorf. Weihnachten vor zwei Jahren haben wir dann das Zakk ausverkauft, das war mit tausend Leuten übervoll – und wir hätten noch ein paar hundert Tickets mehr verkaufen können. Und jetzt kommt eben das Stahlwerk. Da kann man zum Glück die Halle mit Vorhängen oder mit der verschiebbaren Bühne verkleinern, wenn es nicht so gut läuft mit dem Vorverkauf, haha. Natürlich schauen wir uns auch den Werdegang einer Band wie BROILERS an und freuen uns, dass sie so erfolgreich sind. Aber was das für uns bedeutet? Mal sehen ...

Nach eigener Aussage verwehrt ihr euch zwei Sachen ganz entschieden. Die erste Sache sind seichte und zu gefühlsduselige Texte ...

Richtig. Ich mag es einfach nicht, wenn Texte zu viel Pathos haben. Dass es nicht soweit kommt, darauf lege ich – darauf legt die Band! – schon großen Wert.

Musst du dich manchmal selber an die Kandare nehmen, wenn du daheim sitzt und an Songs schreibst?

Ja, schon, das merke ich. Ich schreibe ja nur, wenn ich mies oder zumindest melancholisch drauf bin. Sonst kommt nur Mist raus, haha. Und wenn ich dann schreibe und versuche, meine Gefühle ehrlich zu vermitteln, erwische ich mich häufig dabei, dass ich abdrifte in eine Richtung, in die ich eigentlich gar nicht will. Das klingt dann nach Schlager oder irgendwie so eingedeutschrockt. Da motzen auch die anderen schon mal und korrigieren mich. Es gibt hierzulande eben nur wenige Bands, die das gut machen und entsprechend rüberbringen können. Da ist viel stumpfes Rumdichten dabei – gerade eben in dieser so genannten Deutschrockszene ...

Womit wir bei der zweiten Sache wären, mit der ihr nichts zu tun haben wollt.

So ist es.

Aber genau in diese Deutschrockszene wird man doch vor allem von außen gedrückt – ob man will oder nicht. Um bei euren Düsseldorfer Kollegen zu bleiben, plötzlich gelten sogar die BROILERS in den sozialen Netzwerken als total deutschrockig. Als Künstler hat man darauf offenbar gar keinen Einfluss.

Das stimmt schon. Das ist ein leidiges Thema. Da kommt viel von außen. Mitunter auch durch Konzertbesucher. Ich sehe ja auch bei unseren Gigs Menschen in FREI.WILD- oder BÖHSE ONKELZ-Shirts rumrennen – neben Typen im WIZO-Shirt wohlgemerkt. Und dagegen sprechen wir uns aus! Deshalb haben wir uns schon vor geraumer Zeit entschieden, Festivals, bei denen Bands dieser Grauzonen- und Deutschrockszene spielen, eben nicht mehr zu buchen. Ich kann keinem Menschen vorschreiben, welche Musik er zu hören hat, aber wir wollen damit nichts zu tun haben! Und das ist die Art, wie wir Einfluss nehmen können.

Ihr seid bereits mit einer Menge bekannter Bands unterwegs gewesen und habt „Rockstar“-Luft geschnuppert, die du auf „Zwischen hier und anders“ auch ironisch besingst. Welche angenehmen und unangenehmen Begegnungen gab es für euch im Zirkus der Großen?

Total unangenehm waren die beiden Typen von HAUDEGEN. Diese dicken Kerle, die einen auf Onkelz in ruhig machen. Die haben wir mal bei einer Tattoo-Convention backstage getroffen – und ich habe noch nie etwas derart Arrogantes und Unhöfliches erlebt. Das war ein echter Schock! Aber kommen wir zu den positiven Künstlern: Einen tollen Kontakt haben wir zu den DONOTS. Das sind so nette Jungs! Total auf dem Teppich geblieben. Und als wir 2004 beim Open Flair waren, haben wir kurz vor TURBONEGRO gespielt. Die hatten ihre Umkleide gleich neben uns. Seinerzeit war dieser Turbojugend-Hype gerade auf dem Höhepunkt. Da ist unser alter Sänger noch in deren Kabine gegangen und hat Hank, dem Sänger, eine Platte von uns in die Hand gedrückt. Wir haben uns fast ein bisschen geschämt ...

Warum das?

Wegen unseres bescheuerten Namens ...

Ihr mögt euren Bandnamen nicht?

Mittlerweile schon. Ich habe mich daran gewöhnt, haha. Aber ich fand ihn früher nie so geil. Ich meine, wir haben vor über 14 Jahren auf irgendeiner abgefuckten Couch gesessen und einen Namen für die Band gesucht. Irgendwann kam aus einer Ecke „Massendefekt“. Alle haben begeistert „Yeah!“ gerufen. Und das war’s. Aber wenn man dann mal genauer darüber nachdenkt ... Als MASSENDEFEKT bist du ja ungehört gleich in dieser Deutschpunk-Ecke drin. Dabei waren wir immer schon am US-Punk orientiert. BAD RELIGION, PENNYWISE, NOFX, das sind unsere Bezugspunkte. Dazu kommen Einflüsse aus Metal und Hardrock – Musik, die wir privat auch noch hören. Deshalb nennen wir unsere Musik ja auch Punk’n’Roll. Bloß nicht in eine Schublade rein, haha!

Frank Weiffen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #113 (April/Mai 2014)

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