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Interviews & Artikel

SNIFFING GLUE

Zornig und jung

Würden sie wirklich Klebstoff schnüffeln, sie hätten kaum über zehn Jahre durchgehalten: SNIFFING GLUE waren mal die Nachwuchs-Hardcore-Hoffnung des Niederrheins, doch dann zogen die meisten aus der Band weg aus Wegberg und nach Jahren jung sind sie heute auch nicht mehr. Aber die Band gibt es noch, und gerade ist das neue Album „Feral Thoughts“ raus.

Dumme Frage zuerst: Wieso gibt es euch eigentlich noch? Ich frage deshalb, weil es oft gerade mit Bands, die man mag, schon wieder vorbei ist, kaum hat man sie schätzen gelernt. Ihr seid immerhin schon seit 2006 am Start.

Andi:
Eigentlich schon seit 2005. Zumindest was Proben angeht. Aber 2006 war dann die erste Show. Uns gibt es noch, weil eine Welt ohne SNIFFING GLUE irgendwie traurig wäre.

Fanta: Besonders für uns.

Andi: Nee, im Ernst, das macht einfach noch genauso viel Bock, Songs zu schreiben und auszurasten wie vor zehn Jahren. Wir sehen keinen Grund, uns aufzulösen. Das funktioniert für uns, und ich finde, dass es früher wie heute eine Bereicherung für mein Leben ist, in dieser Band zu spielen und Mucke zu machen.

Fanta: Gibt ja keinen Anlass sich aufzulösen, wenn man mit netten Leuten zusammen die Mucke macht, die man selber gut findet ...

Marcel: Für mich ist das alles auch immer noch eine Flucht aus der „Normalität“ und die brauche ich auch!

Andi: Lennart, der Sänger von PRESS GANG und NOEM, bezeichnete uns mal als dienstälteste Eighties-Hardcore-Punkband in der Republik, zusammen mit DEAN DIRG, die ja leider noch seltener auftreten als wir. Das fand ich irgendwie süß. Ich würde tatsächlich gerne mal wieder eine Show zusammen mit diesen ganzen Bands, die unterwegs waren, als wir angefangen haben, spielen, also LIGHTS OUT, PRESS GANG, CITIZENS PATROL, DEPRESSIVE STATE, etc. Das war immer ein geiler Abriss!

Damals schien noch was zu gehen am Niederrhein, in Wegberg. Und heute, Ende Gelände in Sachen Punkrock?

Andi:
Weg... was? Ach, das mit den Treckern. Da wohnen eigentlich nur noch ABFUKK. Bands wie AYS haben glücklicherweise den Absprung geschafft.

Fanta: In Wegberg wohnt mein Frisör.

Marcel: Die älteren Bands sind ja schon alle weg oder gibt es nicht mehr. Wir sagen zwar immer, mit den ganzen Bands von früher müssten wir mal wieder ein Konzert hier machen. Aber irgendwie wird nichts draus. Es gibt hier allerdings eine alteingesessene Kneipe, die mittlerweile auch einen Konzertraum angebaut hat. Da könnte was gehen. Es gibt hier auch eine neue Konzertgruppe von jungen Menschen, die angefangen haben, Shows zu veranstalten. Das ist auf jeden Fall wichtig als Alternative zu dem ganzen belanglosen Elektro- und Discomüll, den die meisten Kids hier hören.

Im Ox-Interview von 2009 beschrieben wir euch als „zornige junge Männer, Julian/Gitarre, Andi am Bass sowie Ex-KRAUTBOMBER-Drummer Fanta und Marcel, ex-ITALIAN STALLION (jetzt: ABFUKK), als Sänger“. Immer noch jung, zornig und in dieser Besetzung?

Andi:
Zornig und jung, das kann man so stehen lassen. Betonung auf jung. Und auf zornig. Wird ja nicht besser hier. Und ja, Besetzungswechsel gab es nie! Was vielleicht auch was Besonderes ist. Wenn man schon so lange unterwegs ist, passiert es ja bei vielen Bands, dass irgendjemand auf der Strecke bleibt, oder seine Lebensumstände oder Interessen sich ändern, oder man zerschießt sich eben. Das ist bei uns glücklicherweise nicht der Fall. Auch wenn wir nicht mehr jedes Wochenende spielen und ständig touren, ist uns diese Band wichtig und wir finden immer Wege, dass in unsere Leben zu integrieren.

Fanta: Ich finde das ehrlich gesagt doof, wenn die Besetzung in Bands ständig wechselt.

Marcel: Zornig auf jeden Fall und ich werde immer jünger geschätzt. Bevor nicht irgendjemand stirbt, verlässt keiner die Band. Das ist vertraglich so geregelt.

Bands entwickeln sich ja gerne mal weiter – aus Punk wird Post-Punk, aus Hardcore Post-Hardcore oder, schlimmer, lahmer Indierock. Wohin habt ihr euch – nicht – entwickelt?

Andi:
Wir leben in der Fantasie, dass der Eighties-Hardcore/Punk-Hype nie zu Ende war. Ich finde, innerhalb dieser Klammer entwickeln wir uns aber natürlich trotzdem weiter und unsere Platten sind immer recht abwechslungsreich. Die neue Platte, „Feral Thoughts“ vielleicht sogar noch mehr als die vorherigen. Gute und weniger gute Post-Punk- und Post-Hardcore-Bands gibt es sowieso sauviele, warum also nicht weiter die Eighties-Hardcore/Punk-Nische ausfüllen? Haha.

Fanta: Wir haben uns ja auch mit dem Vorsatz gegründet, Eighties-Hardcore/Punk zu machen. Wieso sollten wir das ändern, wenn wir auch weiterhin das Glück haben, dass alle Bock darauf haben.

Marcel: SNIFFING GLUE sind und bleiben Punk!

Rein statistisch sind 16 Songs in rund dreißig Minuten eine klare Ansage. Was spricht für die Einhaltung der Zwei-Minuten-Grenze?

Fanta:
Ich mache mir keinen Kopf, wie lang ein Lied ist.

Andi: Ich halte nichts von dieser Zwei-Minuten-Grenze. Ein Song sollte so lange sein, wie es ihm steht. Die Länge muss zum Song und seiner Wirkung passen. Künstlich Songs in die Länge ziehen ist allerdings recht doof. Ich denke, wir haben ein ganz gutes Gleichgewicht, was die Dauer der Songs angeht. Von den 16 Songs haben immerhin neun die zwei Minuten geknackt. Einige kratzen sogar schon an der Drei. Oh-oh, was wohl die Szene-Polizei dazu sagt, haha.

Marcel: Das Fundament eines Songs ist die Aggression, wie hoch und schön das Haus darauf gebaut ist, ist mir scheißegal.

„Düsseldorf 2018“ – worum geht es da? Und wie steht es um Punkrock in einer der durchgentrifiziertesten Städte Deutschlands?

Fanta:
In dem Song geht es um die Monotonie in den Innenstädten und das hat mit der Punk-Szene nichts zu tun. Würde ich in Bielefeld wohnen, würde der Song „Bielefeld 2018“ heißen.

Andi: Die Innenstädte sehen in den meisten Großstädten alle gleich aus, genauso wie die Menschen, die sich wie ferngesteuert durch die Einkaufsstraßen schieben. Das ist irgendwie alles bizarr. Es ist ja nichts Neues, dass der Großteil der Menschen nur noch lebt und arbeitet, um sein Geld für nutzlose „hübsche“ Dinge auszugeben, in der Hoffnung, dadurch irgendwie glücklich zu werden. Das bringt der Song ganz gut auf den Punkt. Ich habe hier letztens SCHERBEN im AK47 gesehen. Eine Band, die relativ neu ist und mich richtig geflasht hat. Seit langem mal wieder. Ich würde sagen, hier geht noch was!

Websites sind völlig überbewertet, oder? Auf eurer sind zuletzt 2017 Tourdaten eingetragen worden ...

Andi:
Wir haben eine Website?! Websites sind der letzte Rotz, die muss man ständig pflegen, dafür habe ich keine Zeit. Ich sollte trotzdem mal eine neue machen, wo wahrscheinlich doch keiner draufgucken wird. Internet wird eh nur noch für Social Media und den Shoppingwahn genutzt.

Immerhin interessant dort: vier verschiedene Logos. Und das von der neuen Platte sieht auch schon wieder anders aus.

Andi:
Logos sind das ja nicht unbedingt, eher Schriftzüge. Wenn wir an dem Artwork für unsere Platten sitzen, machen wir meistens eine neue Schrift, die zu dem Artwork und den Inhalten der Platte passt. Die Typografie und das Artwork entwickeln wir immer analog. Wir haben verschiedene Schriftzüge auf der Seite, damit sich die Leute, die die Flyer machen, den runterladen können, der für ihr Artwork am besten passt.

Und was geht mit Search For Fame Records? Eure Platte erscheint ja auf Kidnap.

Fanta:
Search For Fame ruht im Winterschlaf, da fehlt mir die Zeit und Motivation zu. Vielleicht mache ich ja irgendwann noch mal was.

Andi: Alex von Kidnap kam vor ein paar Jahren auf uns zu und wollte eine Platte mit uns machen. Das haben wir dann in der Band besprochen, und da wir zu der Zeit noch nichts Neues hatten, unsere zweite LP, „I’m Not Alright“ – die Erstpressung kam auf Per Koro Records – aber seit Jahren bereits ausverkauft war, haben wir Kidnap angeboten, die Platte nachzupressen. Für uns war das ganz gut, da konnten wir schon mal sehen, wie das Label so arbeitet und ob das funktioniert mit uns. Test bestanden, die machen gute Arbeit und kümmern sich um ihre Bands.

Zum Schluss: Was gibt euch dieses Losfahren für zwei, drei Wochenendshows?

Marcel:
Der Nervenkitzeln, ob wir vielleicht mal wieder einen Reifen auf der Autobahn verlieren und zum dritten Mal von unserem Hinterrad überholt werden.

Andi: Das Drumherum nervt mittlerweile ein bisschen. Wer mag schon lange Autofahrten? Das Spielen und Ausrasten und neue Leute treffen und mit alten Leuten abhängen ist geilstens! Sucht vielleicht, ich weiß zumindest, dass mir was fehlen würde und ich Entzugserscheinungen hätte, wenn wir es nicht mehr machen würden. Ich hätte auch nichts dagegen, mehr Shows spielen.

Fanta: Ab da, wo wir vier zusammen im Schrottbulli sitzen, ist es einfach gut!

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #141 (Dezember/Januar 2018)

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