Interviews & Artikel : JOEY CAPE :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

JOEY CAPE

Wie ein Hai

Dieser Typ ist ein Phänomen: Nicht nur prägt Joey Cape seit Jahren mit seiner unkaputtbaren Band LAGWAGON den Punk, er gibt auch noch den Produzenten für andere Künstler und zieht konsequent sein eigenes Ding durch. „Let Me Know When You Give Up“ ist das vierte Album, das er solo veröffentlicht. Der Grund für diese Rastlosigkeit ist simpel: Die Abneigung gegenüber Langeweile. Zumindest sagt Joey Cape das im Gespräch zur neuen Platte.

Joey, wie geht es dir?


Wunderbar. Ich komme gerade von der Arbeit.

Ich denke, die Arbeit ist getan. Dein Album ist fertig. Was gibt es da noch zu tun?

Haha, mein Album ist fertig. Aber ich produziere gerade Platten für ein paar andere, noch unbekannte Künstler, die extrem gut sind.

Produzent, Solomusiker, LAGWAGON, andere Bands – dein Terminkalender muss platzen. Du brauchst eigentlich einen Tag, der 48 Stunden lang ist, oder? Wann entspannst du dich?

Weißt du, meine Theorie ist: Man braucht zwei Tage, um nach der Arbeit zumindest ein bisschen zu entspannen. Dann weitere zwei Tage, um loszulassen. Vier Tage, um dann alles zu verarbeiten, was man geleistet hat. Und noch mal zwei Tage, in denen man endgültig alles hinter sich lässt. Erst dann ist man wirklich runter. Bewusst tiefenentspannt. Aber ganz ehrlich: Das schaffe ich nicht. Ich muss arbeiten. Ich bin da wie ein Hai. Der muss ja auch immer weiterschwimmen, sonst sinkt er und stirbt, haha. Hätte ich die Arbeit nicht, dann würde es langweilig. Und Langeweile ertrage ich absolut nicht.

Dein neues Album heißt „Let Me Know When You Give Up“. In welchem Moment dachtest du zuletzt: „Jetzt gebe ich auf“?

Das kann ich gar nicht sagen. Aber der Titel ist auch eher allgemein gehalten. Es geht um keinen bestimmten Zeitpunkt. Aber derzeit geschieht um uns herum so viel Hässliches und die Leute haben darüber völlig vergessen, Freude zu haben. Nett zueinander zu sein. Das Leben zu genießen. Es ist wichtig, sich da wieder ein wenig zu ordnen. Und davon handelt das Album. Nicht falsch verstehen, es ist wichtig, sich über politische, gesellschaftliche und soziale Dinge zu unterhalten. Nicht wegzurennen, sondern sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Es ist nur so, dass viel zu viele Debatten ins Nichts führen. Gerade in den sozialen Netzwerken. Das müssen wir ändern. Viele Menschen sind süchtig danach, sich dort auszukotzen. Aber das bringt nichts. Man sollte es drangeben.

Raus aus den sozialen Netzwerken also?

Ja. Sie kontrollieren uns zu sehr. Dort werden zu viele Unwahrheiten verbreitet, die von den Menschen geglaubt werden. Es gehen dort widerliche Dinge vor sich. Ich selber bin mittlerweile auch gar nicht mehr aktiv. Nur wenn es darum geht, die Leute über Projekte oder Konzerte zu informieren.

Und welche Apps hat Joey Cape auf seinem Smartphone?

Haha, ich habe ein paar Apps, die sich um wissenschaftliches und innovatives technologisches Zeug drehen. Ein paar Film- und Serien-Apps. Etwas mit Musik. Nichts Außergewöhnliches. Aber ich bin nicht abhängig davon. Es gibt viele Situationen, in denen ich das Ding weglege. Und viele Orte, an denen ich es abschalte. In Andalusien zum Beispiel.

Interessant. Auf deiner neuen Platte widmest du Andalusien sogar ein Lied.

So ist es. Ich liebe Andalusien. Es ist manchmal vielleicht ein bisschen zu warm dort. Aber das wäre definitiv ein Ort für mich, wenn ich mich irgendwann einmal endgültig zur Ruhe setzen würde. Aber es ist auch so, dass ich gelernt habe, mich gedanklich dorthin zu begebenen. Oder an jeden anderen schönen Ort. Das ist möglich. Wenn es zu hektisch wird, dann kann ich mich in meinen Gedanken dorthin begeben. Ich bin gerade wieder so ein bisschen in Spanien, wenn ich hier sitze, haha.

Du kannst einfach so aus dem Leben und dem Trubel um dich herum ausbrechen. Eine schöne Vorstellung.

Ja. Das ist nicht verkehrt. Das braucht jeder Mensch. Eine Pause vom Alltag. Überhaupt ist es so, dass ich gar nicht so wenige Songs geschrieben habe, die einem bestimmten Ort gewidmet sind. Und ich muss noch nicht einmal dort gewesen sein. Ich hatte zum Beispiel schon über Montreal gesungen, ohne es bis dahin zu kennen. Ich stellte es mir seinerzeit einfach vor.

Wie ist das, wenn du Songs schreibst: Setzt du dich hin und sagst: Heute ist etwas für LAGWAGON dran. Oder für mein Soloding. Oder ergibt sich so etwas spontan?

Es ergibt sich spontan. Ich setze mich hin und schreibe – und schaue, was dabei herauskommt. Zu wem was besser passt. Klingt der Song kraftvoll? Dann ist es für die Band. Oder eher dezent? Dann passt es zum Solo-Ding. Und ich schreibe immer zuerst die Melodie, dann den Text. Ich muss wissen, wie sich die Melodie anhört und welche Geschichten am besten dazu passen. Welche Zeile, welcher Satz sich am besten dazu fügt. Und die Melodien kommen mir in jeder Situation. Häufig während ich Auto fahre. Aber je älter ich werde, umso wichtiger werden für mich die Texte. Ich merke, wie sehr ich darauf achte, dass sie wirklich ganz genau passen. Ich bin quasi ganz versessen darauf und räume ihnen mehr und mehr Priorität ein. Das war früher nicht so. Ich könnte auch nicht mehr nur Punkrock machen.

Diese Entwicklung im persönlichen Musikerlebnis kenne ich auch. Natürlich ist der Punk immer noch da und extrem wichtig. Das wird auch immer so sein. Aber es gibt eben noch so viele Facetten darüber hinaus, die die Musik ausmachen.

Ich denke, das ist eine völlig normale Entwicklung. Du wächst als Punkrock-Kid auf und entwickelst mehr und mehr einen Sinn für das, was sich hinter den lauten Gitarren verbirgt. Letztlich aber ist es bei mir so: Ich weiß einen guten Song zu schätzen. Egal aus welchem Genre er kommt. Manchmal braucht man die Aggression und die Wut. Manchmal nicht. Ich brauche jedenfalls beides. Denn beides kann sehr viel Energie freisetzen.

Ist das vielleicht auch der Grund, warum gefühlt immer mehr Punksänger Solo-Alben veröffentlichen – du, Fat Mike, Brian Fallon, Dave Hause?

Wenn du Songideen entwickelst, dann hast du ja nicht immer dein ganzes Equipment dabei. Sprich: Du trägst nicht immer deine E-Gitarre und deinen Verstärker mit dir herum, sondern setzt dich mit der akustischen Gitarre hin. Gerade auf Tour, wenn du unterwegs bist, ist das so. Da wechseln die Orte. Und dadurch kommen eben auch Songs zustande, die nicht in den Bandkosmos passen, die besser dezent und spartanisch bleiben.

Was ist der wichtigste Unterschied für dich zwischen einer Solo-Show und einem Konzert mit Band?

Ich erkläre es dir anhand eines Erlebnisses: Meine erste Akustik-Show spielte ich damals in Austin, Texas. Und das war anfangs schrecklich. Da saßen alle diese Leute vor mir und waren still und warteten darauf, dass ich anfing. Ich war so aufgeregt, dass ich zitterte. Kurz darauf aber sagte ein Freund zu mir: „Joey, denk daran: Als Solokünstler hast du die absolute Kontrolle! Du kannst das Tempo wechseln. Die Setlist umkrempeln. Du kannst Pausen machen. Zwischendurch abbrechen. Alles.“ Und das stimmt. Das hält mich über Wasser. Das hat mir die Angst genommen. Das ist der Unterschied zu einer Punkrock-Show mit Band. In einer Band musst du auf alle anderen um dich herum achten – immer wachsam sein.

Zum Schluss würde ich dich gerne noch mit zwei Aussagen aus alten Interviews mit dem Ox konfrontieren. 2001 sagtest du uns, dass du in zehn Jahren definitiv nicht mehr bei LAGWAGON spielen und auch keinen Punk mehr machen würdest, weil das eine Sache für junge Menschen sei.

Wirklich? Haha, dann hatte ich große Hoffnungen. Sehr große und zu große Hoffnungen. Ich wollte vielleicht raus aus diesem Mist. Aber ich kann ihm einfach nicht entkommen. Ich lag falsch, haha.

Und in einem Interview von 2012 sagtest du, dass es dein größter Traum sei, einmal gemeinsam mit deiner Tochter Musik zu machen. Was ist daraus geworden?

Nun, das hat bislang noch nicht so geklappt. Ich hatte ihr mal eine Gitarre geschenkt. Sie probierte das auch. Aber sie verlor das Interesse und wendete sich für einige Zeit dem Klavier zu. Daraus wurde aber auch nichts. Und das ist völlig okay. Mittlerweile steht sie immerhin auf Punkrock – ohne dass ich sie dazu gedrängt hätte. Irgendwann kam sie einfach an und fragte: „Papa, wie findest du WEEZER?“ Und ich war begeistert: Himmel! Meine Tochter fragt mich nach einer Rock’n’Roll-Band! Als Nächstes kommen die RAMONES! Haha. Sie ist 15 und sie wird ihren Weg machen. Anstatt mit ihr in einer Band zu spielen, wäre es mir mittlerweile viel wichtiger, sie einmal auf eine ganze Tour mitzunehmen. Das ist mein neuer Traum! Sie dabeizuhaben. Denn sie ist das Wichtigste für mich und ich genieße es, Zeit mit ihr zu verbringen. Ich hoffe, das klappt irgendwann.

Frank Weiffen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #145 (August/September 2019)

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