25 Jahre später: LAST OF THE JUANITAS

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Hawaii (CD/LP, Flapping Jet, 2000)

Auch ein Vierteljahrhundert später hat sich nur wenig verändert, seit ich „Hawaii“ wegen des Covers, das sich für mich jeder weiteren musikalischen Zuordnung entzog, im Plattenladen aus der Neuerscheinungskiste zog: Über LAST OF THE JUANITAS gibt es wenig zu erfahren oder zu berichten. Ganz angenehm, dass einmal nicht das übliche Rauschen der Unterhaltungsindustrie über der Musik liegt, sondern diese allein im Mittelpunkt steht. Und LAST OF THE JUANITAS, die im knappen Jahrzehnt ihres Bestehens nur eine Handvoll Alben und EPs auf kleinen Labels veröffentlichten, brillieren mit ihrem Hybrid aus Mathrock, Stoner, Sludge, Noise und Punk. Doch wo sich andere Mathrocker in kontemplativem Genudel ergehen oder Stoner in endlosen Gitarrenströmen versinken, setzt das Trio auf einen konstanten Drive, der mehr auf den ganzen Körper als auf staunende Münder zielt, nicht ohne dabei auch filigran sein zu können.
Ausufernd ist hier nichts, stattdessen dominiert eine punkige Kompaktheit, in der vor allem Schlagzeuger John Schier die Impulse setzt und zusammen mit der Bassistin Lana Rebel diesen treibenden Drive entfacht. Schier, der bei John Zorn in New York Schlagzeug studiert hatte, drischt sich mit einer nur selten zurückgenommenen Härte durch das Album, so dass man den Juanitas nur deshalb nicht das Label Metal anheften will, weil Tim Green ihnen in den Louder Studios seinen typischen Sound verpasst hat. Knarzend, dreckig, lärmend, aber nie matschig oder dumpf, ein Fest des Krachs, zudem die Dynamik der Musik gut abbildend. Dazu vom ersten Ton an mit einer wunderbaren Räumlichkeit versehen, so dass man das Gefühl hat, mittendrin zu sein, wenn die Band loslegt, die auch in ruhigeren Passagen eine drückende Wucht zu erzeugen vermag und all die dissonanten Klänge mit Melodien verwebt. Sie walzen über einen hin, um dann tanzbare Grooves hervorzuzaubern. Ruhigere Passagen unterstreichen nur die sonst dominierende, clever inszenierte Brachialität.
Die meisten Songs bleiben instrumental, und wenn Lana Rebel und Gitarrist Maurice Bryan Giles mal ihre Stimmen einbringen, bleibt es meist bei repetitiven Einzeilern, die sich aber direkt ins Gedächtnis fräsen. Ein übersehenes Meisterwerk? Nein, aber wer sich im Spannungsfeld von DON CABALLERO, MELVINS und DRIVE LIKE JEHU wohl fühlt, könnte ein neues Top-Album entdecken. Giles erfährt mit seiner aktuellen Band RED FANG nun deutlich mehr Aufmerksamkeit. Der Rest des Trios spielte danach noch zusammen in der Country-Band JUANITA FAMILY AND FRIENDS, Schier saß auch bei Rebels Solo-Alben an den Drums sowie bis heute bei weiteren Bands.

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