25 Jahre später: MOGWAI

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Come On Die Young (CD/2LP, Chemikal Underground, 1999)

Vom ersten Moment an ist deutlich, wie MOGWAI auf ihrem zweiten Longplayer Erwartungen unterlaufen: der Opener „Punk rock“ entspricht nicht dem genannten Genre, sondern klingt eher ruhig und beinhaltet Samples von einer Rede, die Iggy Pop im Jahr 1977 hielt. Das Gesagte belegt dessen sehr eigene Sichtweise auf Punk, Johnny Rotten sei wie Sigmund Freud, sagt er und vergisst nicht, sich selbst als großartig zu bezeichnen.
Anfangs bemängelten manche Fans den Umstand, dass „Come On Die Young“ über weite Strecken deutlich stiller geraten ist als der Vorgänger, vom fast elfminütigen fulminanten Schlusstrack „Christmas Steps“ (eine mittelalterliche Straße in Bristol) abgesehen. Da kommt alles vor, was Leute an MOGWAI schätzen: Leise/laut/leise-Wechsel, eine permanent steigende Spannung zwischen Gitarren, die mit- und gegeneinander spielen, ungefähr ab der Hälfte wird es krachig, inklusive Violine und wild gewordenen Drums: ein tolles Crescendo! So werden MOGWAI später oft arbeiten.
Für Anfang 2025 steht ihr elftes Studioalbum (ihre Filmsoundtracks nicht mitgezählt) an und „Come On Die Young“ gilt heute als ihr zweiter großer Schritt Richtung, äh ... Post-Rock-Thron. Die Mitglieder bezeichnen ihren Sound allerdings nicht so, sondern nennen es eher bescheiden „instrumentale Rockmusik“. In diesem Kontext wird – wohl auch aufgrund der meist textfreien Tracks – bei Konzerten gerne auf eindrucksvolle Visuals im Hintergrund zurückgegriffen. Auch in dieser Hinsicht spielen MOGWAI nicht mehr mit oder in einer eigenen Liga, denn seit Jahren gibt es da bei ihnen nicht mehr. Gute Entscheidung. Denn wenn Post-Rock-Bands bei ihren Gigs Filme zeigen, in denen es häufig um zerklüftete Landschaften und lange Autobahnfahrten in Schwarzweiß geht, wirkt das irgendwann so banal wie Katzenpostkarten mit „Lebensweisheiten“ in goldener Schreibschrift.
Neu in der Band ist ab „Come On Die Young“ Barry Burns, der nicht nur Gitarre und Keyboards spielt, sondern auch Flöte. Dazu singt er, was allerdings selten vorkommt. Zu MOGWAI sei er gekommen, um Spaß zu haben. Offen bleibt die Frage, wie stark er den Sound der Band geprägt hat, schließlich ist er der Einzige mit einem akademischen musikalischen Background. Ein lustiger Typ ist er allemal, das wissen auch die Menschen, die mal in seiner Neuköllner Bar Das Gift waren (seit 2021 leider dicht).
MOGWAI sind weiterhin gut darin, mit neuen Sounds zu experimentieren, Genreklischees zu umschiffen und jedes Album anders klingen und wirken zu lassen als sämtliche Vorgänger. Heute gilt „Come On Die Young“ als ein Klassiker dieser „Kopfhörer“- und tollen Live-Band. Empfehlenswert ist die 2014er-Version mit 17 (!) Bonustracks.

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