
„Tragedy“ ist das erste, selbstbetitelte Album der von den Ex-HIS HERO IS GONE-Mitgliedern gegründeten Band aus Portland. Billy Davis, Todd und Paul Burdette gründeten TRAGEDY 1999 und noch vor Jahresende war „sein Held gegangen“ und wurde Teil der Musikgeschichte. HIS HERO IS GONE waren eher von NEUROSIS und AMEBIX beeinflusst, wohingegen die drei Musiker zusammen mit Yannick Lorrain (URANUS, The Great American Steak Religion Records) dem D-Beat zu einem aktuelleren Ausdruck verhalfen. Beginnend mit dem schroff in sich zusammenstürzenden Akustik-Intro rollt eine massive Wand aus D-Beat, in den Keller gestimmten Bassläufen, Reibeisengesang und melancholisch-düsteren Melodien unaufhaltsam auf die Hörer:innen zu. Speziell die tragischen Gitarrenriffs besitzen einen hohen Wiedererkennungswert und bleiben mir für immer im Kopf hängen.
Ein weiteres Trademark sind die Momente, wenn das Plektrum von unten nach oben über die Gitarrensaiten gezogen wird, um damit den Sound aufzubohren, der den nächsten Blastbeat anzukündigen soll. Auch wenn der Sound, den ich damals beim Anhören der „Can We Call This Life?“-7“ vernahm, in dieser Art etwas gänzlich Neues für mich gewesen ist, war diese Form von Punk, von manchen auch gerne Crust genannt, doch sehr einflussreich und sicher nicht wenige Gitarristen haben zuhauf ihre Saiten geschreddert bei dem Versuch, einen annähernd kontrastreichen Klang hinzubekommen. Die Band spielt seit nunmehr 25 Jahren unverändert ist der gleichen Besetzung, ist in andere Bands und Projekte involviert und veröffentlicht, abgesehen von einigen Split-7“s, ihre Musik immer auf dem bandeigenen Tragedy Records. Gesellschaftskritik und Politik haben sie sich groß auf die Banner und Flaggen gesprüht und die einzige Hoffnung, die Tracks wie „The point of no return“, „Products of a cold war“ oder „Not fucking fodder“ verbreiten, wird von den an Schweden-Death-Metal erinnernden Twin-Gitarrenriffs erzeugt.
Mir läuft regelmäßig ein Schauer über den Rücken, wenn TRAGEDY ihre tief schürfenden Intros anstimmen und dem Tageslicht jeglichen positiven Aspekt entziehen. Mit dem zweiten Album „Vengeance“ war der düstere Sound der Portlander gereif, es bot noch mehr Tristesse und intelligentes Songwriting, wobei es mir schwerfällt eines der beiden Alben zu favorisieren. Ihr Crustpunk setzte Maßstäbe und sollte Heerscharen von Bands und Musiker:innen beeinflussen. Auf dem Textblatt von „Vengeance“ findet sich ein Zitat des Folksängers und Aktivisten Utah Phillips: „The earth is not dying, its been killed, and those who are killing it have names and addresses.“ Passender könnte man es nicht ausdrücken, um den Sound der Band in Worte zu fassen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Nico Pfüller