30 Jahre später: EARTH CRISIS

Foto

Destroy The Machines (CD/LP/MC, Victory, 1995)

Im Mai 1995 wurde mit „Destroy The Machines“ das Debütalbum von EARTH CRISIS veröffentlicht. Sowohl musikalisch als auch inhaltlich trat das Quintett aus Syracuse im Bundesstaat New York äußerst aggressiv auf. Vor allem beim zweiten Punkt eilte der Band ein zweifelhafter Ruf voraus. „Straight-Edge-Polizisten“ oder „Ökofaschisten“ waren damals häufig verwendete Schlagworte. Auch gab es immer wieder Gerüchte über Aktionen gegenüber Anderseingestellten. So sollen rauchende oder Alkohol trinkende Konzertbesucher angegangen, aus den Clubs geworfen und sogar wüst zusammengeschlagen worden sein. Richtig nachprüfen lassen sich diese Vorwürfe heute kaum mehr, allerdings gibt das Interview in Ox #97 einiges her. Frontmann Karl Büchner geht auf die Haltung der Band damals sowie zum Zeitpunkt des Interviews ein und rückt so manches ins richtige Licht.
Die schlechte Presse damals half aber. EARTH CRISIS waren in aller Munde und das Album sowie die Tour dazu liefen hervorragend. Zusammen mit SNAPCASE und den jungen REFUSED sah ich sie damals im AJZ in Bielefeld und es hat mich komplett umgehauen. Obwohl ich eigentlich nur wegen erstgenannter Band da war, fand ich EARTH CRISIS an diesem Abend überragend. Auf der Setlist fanden sich damals nur Kracher, denn neben etlichen Songs von „Destroy The Machines“ servierte man auch alle Hits der beiden EPs „All Out War“ sowie „Firestorm“. Diese Trilogie katapultierte EARTH CRISIS zusammen mit INTEGRITY an die Spitze der metallischen Hardcore-Bands. Herausragend auch die Leistung des Frontmanns, der hier richtig aggressiv singt und eine angepisste Stimmung erzeugt. Seine Mitstreiter führen dazu ein brachiales Midtempo-Geballer auf, was zusammen ein Höllengebräu ergibt.
Diese Gangart wurde Grundlage für etliche Bands aus der ganzen Welt. So auch für die H8000-Szene, die sich Ende der 1990er Jahre in Belgien bildete und namhafte Bands wie CONGRESS, LIAR oder auch REGRESSION hervorbrachte. „Destroy The Machines“ ist ein Highlight in der Diskografie der 1989 gegründeten Band. Auch Jahre später zog das Album noch andere Bands in seinen Bann. So geht der Name der niederländischen Combo BORN FROM PAIN auf dieses Album zurück. Sänger Rob Franssen erklärt: „Wir haben natürlich Mitte der 1990er viel EARTH CRISIS gehört, aber auch MERAUDER, HATEBREED oder STIGMATA. Die metallische Ausrichtung war damals etwas ganz Neues. So was wollten wir auch machen und brauchten einen geilen Bandnamen. Und ihn fanden wir auf dieser Platte beim Song ‚Born from pain‘.“ Auch der Name der argentinischen Band NUEVA ETICA geht auf „Destroy The Machines“ zurück, und zwar auf das Stück „New ethic“.

Anzeige