
Melodischer Hardcore oder auch Melodycore, Skatepunk, Westküste. Spätestens seit Anfang/Mitte der 1990er evozieren diese Wörter für viele einen negativen Beigeschmack. Egal, wie clever und bestechend die Melodien sind, egal, wie evident und fundiert die Einflüsse aus einer anscheinend (oder wohl eher scheinbar) unverdächtigeren Vergangenheit im Hardcore. Nun, was will man machen. Das 1995 erschienene Debüt von GOOD RIDDANCE straft alle diejenigen Lügen, für die Fat Wreck Chords als ein Aushängeschild des seichten und spaßorientierten Punkrock gilt. Neben „How To Clean Everything“ (1993) von PROPAGANDHI ist es eine frühe Veröffentlichung des Labels, die sich überwiegend mit politischen und sozialen beziehungsweise sozialkritischen Themen auseinandersetzt. Abgesehen davon waren/sind NO USE FOR A NAME und LAGWAGON die beiden Bands, die wie keine anderen als Synonym für die Anfänge von Fat Wreck stehen: nie seicht, sondern inhaltlich im Vergleich einfach nur mehr an persönlichen Themen interessiert.
Diese gibt es bei GOOD RIDDANCE auch, allerdings in einem Kontext, der Welt, Gesellschaft und Szene im Blick behält. „For God And Country“ legte den Grundstein für eine Karriere, die, abgesehen von der Auflösung zwischen 2007 und 2012, bis heute andauert. Karriere ist natürlich ein ekelhaftes Wort im Zusammenhang mit einer Herzensangelegenheit. Und die ist es. Beindruckend, mit welcher Beständigkeit und Konsequenz die Band an ihrer Ausrichtung festhält. Spätestens seit Ende der 1990er ein selbstgeschaffenes Gütesiegel. Wahrscheinlich ist es nicht von Vorteil, zu einer Zeit am melodischen Hardcore festzuhalten, als dieser Stil längst als Schimpfwort gilt und irgendwann für die meisten gar nicht mehr existent ist. Siehe Herzensangelegenheit. Wenn man dann auch noch durchgehend Qualität abliefert, wird ein Schuh beziehungsweise eine Karriere draus.
Entschuldigt die Floskeln, als Fan bin ich voreingenommen, ich habe GOOD RIDDANCE 1996 auf dem „Survival Of The Fattest“-Sampler mit „Mother superior“ (eben von dem Album, um das es hier geht) kennengelernt und wurde bis heute nicht enttäuscht. Insgesamt hat die Band aus Santa Cruz neun Studioalben veröffentlicht. Hinzu kommen neben einem Live- und einem Coveralbum, eine Raritätensammlung, einige Split-Singles (unter anderem mit ILL REPUTE und KILL YOUR IDOLS) sowie EPs. Erwähnenswert ist die „Gidget“-7“, weil hier schon zwei Jahre vor dem Debüt klar zu erkennen war, wohin die Reise geht – das enthaltene „Last believer“ wurde für Album Nummer zwei, „A Comprehensive Guide To Moderne Rebellion“, neu aufgenommen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Lars Koch