30 Jahre später: LAUGHING HYENAS

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Hard Times (CD, Touch and Go, 1995)

Jedesmal, wenn ich John Brannon in den letzten Jahren mit seiner reaktivierten Detroit-Hardcore-Legende NEGATIVE APPROACH auf einer Bühne stehen sah (gefühlt sind die ständig in Europa unterwegs), muss ich an LAUGHING HYENAS denken und nehme mir ein ums andere Mal vor, ihn auf seine zwischenzeitliche Bluespunk-Band anzusprechen. Brannon, der Mann, der auf der Bühne so grimmig schauen kann wie sonst niemand, gründete NEGATIVE APPROACH 1981, und 1984 war es nach einer 7“ und einem Album auf dem legendären Chicagoer Touch and Go-Label auch schon wieder vorbei. Zusammen mit seiner Freundin Larissa Stolarchuk (Ex-Sängerin von L-SEVEN, später nannte sie sich Larissa Strickland) an der Gitarre und deren Bruder Kevin am Bass sowie Mike Danner an den Drums gründete er LAUGHING HYENAS.
Die Legende besagt, ein Konzert von THE BIRTHDAY PARTY in Detroit 1983 sei ein entscheidender Auslöser gewesen. Und man kann das glauben, denn das erst 1989 erschienene Debüt „You Can’ Pray A Lie“ (Touch and Go), das zweite Album „Life Of Crime“ (1990, Touch and Go) und der dritte und letzte Longplayer „Hard Times“ (1995, Touch and Go) bedeuten für den Hardcore-Background von John und Larissa eine massive stilistische Metamorphose: die Wut, die Verzweiflung und die Aggression von Hardcore wurden in einem neuen Gewand mit Elementen aus Blues und Noiserock umgesetzt, Johns düsteres Heulen, das Mahlen und Wühlen ihrer Musik, die in die Magengrube gehende Rhythmik, das war – siehe Nick Cave – die Musikwerdung intensiver Gefühle, Punk in anderer Verpackung. Wer heute NEGATIVE APPROACH live sieht, Johns Mimik beobachtet, und LAUGHING HYENAS im inneren Ohr hat, der erkennt das wieder.
Aufgenommen hat die frühen Hyenas der noch unbekannte Butch Vig, angeblich ein Grund für NIRVANA, ihn später als Produzent zu wählen. Dank Vertrieb via EFA waren LAUGHING HYENAS mit ihren Platten immer in Deutschland präsent, waren früh mit ihren Buddies KILLDOZER hier auf Tour. Das Touren und Bandleben zu jener Zeit muss intensiv gewesen sein, um es euphemistisch auszudrücken, es gab personelle Wechsel, der zweite Drummer Jim Kimball ging 1991, für ihn kam Todd Swalla (ex-NECROS), als Nebenprojekt aus Kevin Monroe/Strickland, Kimball und Long entstanden MULE, Kimball spielte mit THE JESUS LIZARD und FOETUS, etc. 1995 kam mit „Hard Times“ das dritte und letzte Album von LAUGHING HYENAS, alles andere als ein mühsames Spätwerk, und im gleichen Jahr noch erfolgte die Auflösung. Brannon machte mit EASY ACTION weiter, 2006 kam die NEGATIVE APPROACH-Reunion, und nur wenig später 2006 starb Larissa Strickland mit nur 46 Jahren. Eine Reunion? Ohne sie wohl undenkbar. Alle drei Alben wurden 2018 von Third Man Records neu aufgelegt.

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