40 Jahre später: CELTIC FROST

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To Mega Therion (LP, Noise, 1985)

Für ein knappes Jahr gab es in meiner 8.000-Seelen-Heimatstadt in der nordöstlichen Oberpfalz neben drei Elektrogeschäften mit ein paar Kassetten und Schallplatten tatsächlich einen Plattenladen. Neben Punkrock war ich der New Wave of British Heavy Metal verfallen, die aber 1985 ihren Zenit bereits überschritten hatte – ich war auf der Suche nach etwas Neuem, Extremeren. VENOM hatte ich schon immer als rumpeligen Metal-Punk empfunden und von HELLHAMMER hatte ich bis dahin nur gelesen. Mein Taschengeld ging für eine Gazette drauf, die heute nicht mehr der Rede wert ist. So stieß ich auf die Schweizer CELTIC FROST, deren „To Mega Therion“ als das Ultimative in Sachen Extreme Metal angekündigt wurde, und bestellte mir die Scheibe im Plattenladen. Eigentlich lebte das Geschäft eher vom Verkauf von Kaltgetränken und zwei Videospielautomaten, in die die Kinder und Jugendlichen ihr Taschengeld steckten.
Es war ein sonniger Herbsttag, als die Platte endlich da war, und der Himmel verdunkelte sich bereits beim Anblick des HR Giger-Covergemäldes „Satan I“ von 1977. Im Gatefold-Sleeve „Victory III“, ein weiteres Bild des Schweizer Künstlers von 1983. Doch alles verdunkelte sich restlos, als die Nadel meiner Kompaktanlage mit dem Doppel-Kassettendeck das schwarze Vinyl berührte. Das Intro-Instrumental „Innocence and wrath“ ist mit seinen Pauken und Synthesizern der Todesmarsch in die musikalische Finsternis, die dieses Album vermitteln will. Meine Highlights sind die schleppenden Nummern „Dawn of megiddo“ und „Necromantical screams“. Aber auch die deutlich thrashigeren Songs „The usurper“, „Jewel throne“, „Circle of the tyrants“, „(Beyond the) North winds“ oder „Fainted eyes“ sind durch das einzigartige Schlagzeug des Amerikaners Reed St. Mark, die Stimme von Warrior und eben auch durch sein eher limitiertes Gitarrenspiel absolut einzigartig. Da sich Martin Ain wieder einmal mit Tom Gabriel Fischer zerstritten hatte, spielte der Bassist Dominic Steiner die Aufnahmen ein. Sein Einfluss war eher marginal. Sowohl Ain als auch Gabriel Fischer fanden es im Nachhinein sehr unglücklich, dass dieses wichtige Album unter diesen Umständen entstanden ist.
Live verkörperten CELTIC FROST das Extrem des Archaischen und Minimalistischen, was meiner Meinung nach voll und ganz der ursprünglichen Punk-Philosophie entspricht und auch der Grund ist, warum gerade diese Platte in dieser Rubrik im Ox erscheint. Aber dann waren sie auch wieder ganz anders, nämlich bei der bis ins kleinste Detail durchdachten experimentellen Arbeit im Studio. „To Mega Therion“ ist für mich neben dem Comeback-Album „Monotheist“ von 2006 das beste Material, das CELTIC FROST im Laufe ihrer Achterbahn-Karriere veröffentlicht haben.

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