
Der Name S.O.D. setzte sich mehr oder weniger durch – auf der Debüt-LP „Speak English Or Die“ war neben der Abkürzung noch die Langversion STORMTROOPERS OF DEATH angegeben. S.O.D. waren mehr Projekt als Band. Sänger war Billy Milano, der zuvor mit Roger Miret von AGNOSTIC FRONT bei THE PSYCHOS gespielt hatte. Dazu kamen die ANTHRAX-Musiker Scott Ian (gt), Charlie Benante (dr) sowie Danny Lilker, der 1984 bei ANTHRAX vom damaligen Sänger Neil Turbin ohne Wissen der anderen rausgeworfen worden war und später mit der famosen Thrash-Metal-Band NUCLEAR ASSAULT bekannt werden sollte. 21 Songs findet man auf der LP. Neben dem harten Crossover zeigt die Band hier auch ihren Humor. Wie beim dreisekündigen „Anti-procrastination song“ oder „Diamonds and rust (Extented version)“, das zwei Sekunden lang ist. Bei „What’s that noise“ springt man beim ersten Hören von der Couch und rennt zum Plattenspieler – es ist, als würde der Plattenarm quer über die Platte rutschen.
Gerade die ANTHRAX-Mitglieder verkörperten seit jeher eine gewisse Komik, ob es ihre Abkürzungen (N.F.B. für „Dallabnikufesin“ – rückwärts gelesen sozusagen die „Nice fucking ballad“) oder ihre lustigen Videos waren („I’m the man“). Gerade dieser Song zeigte bereits die Offenheit von ANTHRAX – das war der astreine Crossover zwischen Metal und Hip Hop, weit bevor die „Judgement Night“-Bands kamen. Wahrscheinlich wäre es durch die Offenheit von Scott Ian nie zu S.O.D. gekommen – dem großartigen Crossover zwischen Hardcore und Thrash-Metal. Die Band darf jedenfalls nicht auf „ANTHRAX mit Hardcore-Sänger“ reduziert werden. S.O.D.-Produzent Jon Zazula war zwar auch sonst für den tiefen Gitarrensound von ANTHRAX bekannt. S.O.D. verzichteten dagegen beispielsweise auf die sonst typischen Gitarrensoli. Im Innersleeve ist das NYHC-Zeichen über die ganze Seite gedruckt.
Von den Lyrics her wird es teilweise schwierig. Nicht dass S.O.D. unbedingt stumpf und peinlich waren – die schlauesten waren sie allerdings auch nicht. Damit passten sie sozusagen wunderbar in die New York Hardcore-Szene. Auf der einen Seite feiern sie im stampfenden Hit „United forces“ die Unity der Skins, Punks und Metalheads. Auf der anderen Seite wurde Sänger Billy Milano immer eine gewisse Rechtsoffenheit vorgeworfen – ähnlich wie AGNOSTIC FRONT. Wie ernst das Augenzwinkern beim Titeltrack gemeint war, muss jeder selbst entscheiden. Beim „Fuck the middle east“ wird allerdings eines klar: Dumme und rassistische Aussagen passten vor allem damals in New York wunderbar in einen Topf mit Hardcore: Auf dem Helm des Sturmgruppen-Totenkopfes auf dem Cover prangt zugleich das Anarcho-A.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Roman Eisner