40 Jahre später: THE BOLLOCK BROTHERS

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The Four Horsemen Of The Apocalypse (LP, Charlie, 1985)

Vor einer Weile im Kreuzberger Wild at Heart: THE BOLLOCK BROTHERS treten auf. Der letzte erlebte Gig liegt 25 Jahre zurück und fand im schönen Innenhof des Tacheles statt, inzwischen eine Stadtplanungs-Architektur-Todsünde. Das Publikum im Wild at Heart war wie der Output von Kopf und Bandgründer Jock McDonald und seinen häufig wechselnden Band-Lads: ziemlich durcheinander und beim besten Willen nicht kategorisierbar.
„The Four Horsemen Of The Apocalypse“ ist unter vielen Veröffentlichungen der Band eines der wenigen Alben. Sound, Atmosphäre und Produktion sind stets sehr unterschiedlich. Punk ist die Klammer (McDonald organisierte früher PiL-Konzerte und bewegte sich im Umfeld von KILLING JOKE und SEX PISTOLS) nebst Verhalten, inklusive diverser Provokationen und Skandale. Michael Fagan, der es schaffte, sich in den Buckingham-Palace zu schleichen, um neben der Queen auf dem Bett zu sitzen, singt auf dem Bollocks-Pistols-Coveralbum das schöne Lied „God save the Queen“. Jock McDonald war es wichtig, mit dieser Art Publicity auf die Band aufmerksam zu machen. Mit der Wahrheit nahm er es nicht immer so genau, weniger aus Bösartigkeit oder Egoismus, vielmehr hatte er einen schrägen Humor und nahm gern das Musikbiz und dessen Mechanismen auf die Schippe. Highlight dürfte das elektronische, soundtechnisch gestrippte, besonders was Jocks Gitarre angeht, Album „The Four Horsemen Of The Apocalypse“ sein. Es werden zum großen Teil biblische Mythen verhandelt, unklar, ob Jock gläubig ist, was er mehrmals behauptete, oder sich über die Religion lustig machte. „Faith healer“, ein Cover von Alex Harvey, dürften alle Leute kennen, die sich in den 1980ern auf Dark/Wave/Punk/Goth-Feten herumgetrieben haben. Es war eine Art Konsens-Song, und ich erinnere mich, so gut wie auf allen Partys, in Clubs oder JuZes dieses Lied gehört zu haben. Die Basis ist ein opulent-düsteres Synthie-Intro, das in einen wohligen Klangteppich übergeht, bis Bass-Gitarre-Schlagzeug losscheppern.
Die anderen sieben Lieder sind ähnlich strukturiert, dazu Jocks Gitarre, sein Sprechgesang über Rattenkönige, Apokalypse, das siebte Siegel, Luzifer, dem eigenen Tod ins Gesicht schauen, seine Seele verkaufen, eine Liebesaffäre mit der Herrscherin des Makabren: ein Potpourri aus dem, was Rummelplatz und Religion so hergeben. Wer hier an Gruselcomics und Monsterfilme zwischen 1930 und 1980 denkt, liegt nicht falsch.
Jock McDonald verstarb Ende Juli 2025 bei einem Badeunfall unter nicht näher bekannten Umständen. Mögen die vier Reiter ihn zu einem sleazy schönen Craftbeer-Punkrock-Paradies geleiten.

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