© by PrivatJa, was haben diese vier Wörter miteinander zu tun? Beziehungsweise wo treffen sie verdichtet zu einem einmaligen Ereignis zusammen? Bevor ich euch diese Fragen beantworte, zeichne ich euch zuvorderst den Weg nach, der dazu geführt hat, diese Tetrade überhaupt erst aufzustellen.
Ich saß neulich an einem ausführlichen Beitrag für einen sozialgeschichtlichen Sammelband mit dem Titel „Spitzel“, der Ende 2025 beim Verlag immergrün neu aufgelegt werden soll. Darin geht es um den verdeckten Ermittler (VE) des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, der Ende 2009 in die linke Szene Heidelbergs eingeschleust wurde, um „rechtzeitig gegen eine sich [aus der Antifaschistischen Initiative Heidelberg] bildende terroristische Gruppe einzuschreiten“ (aus der VE-Einsatzanordnungsakte der Polizeidirektion Heidelberg). Die „Zielperson“ war ich! Er konnte glücklicherweise sehr zügig – um genau zu sein: am 12. Dezember 2010 – enttarnt und damit für die Sicherheitsbehörden unbrauchbar gemacht werden; und ich und sechs andere vom VE-Einsatz Betroffene konnten unsere insgesamt vierjährige Fortsetzungsfeststellungsklage vor dem Verwaltungsgericht in Karlsruhe mit einem Erfolg auf ganzer Linie zu Ende bringen: Der Einsatz des Polizeispitzels wurde am 26. August 2015 formal und materiell für rechtswidrig erklärt! Dieses Urteil ist rechtskräftig ... Jedenfalls beschäftigte ich mich gerade mit einem Kapitel, in dem es darum geht, seit wann ich wohl allerspätestens ins Visier des kriminalpolizeilichen Staatsschutzes und des Inlandsnachrichtendienstes geraten sei – und möchte dies hier an einem Vorkommnis festmachen, in dessen Verlauf ich sicherheitsbehördlich als „Anarchist“ markiert und in den Akten fortan als „politisch linksmotivierter Krimineller“ geführt wurde. Was war da passiert?
Sommer 1986: JuZe Aalen
NORMAHL hatten sich angekündigt für ein Konzert im selbstverwalteten Jugendzentrum in Aalen, das sich in vereinsförmiger Gestalt zum Ziel gesetzt hatte, die „Begegnung junger Menschen“ zu fördern und „rassische, soziale, politische und religiöse Vorurteile“ zu überwinden (aus der Satzung ihres eingetragenen Vereins) – und trotzdem oder gerade deswegen zum „Sorgenkind der Rathaus-Oberen“ geworden war. Dieses JuZe gab es seit mehr als zehn Jahren und es war aufgrund seiner relativen Nähe zu Heidenheim immer ein Ort, den wir als Punx frequentierten, wenn dort was zu holen war. Von meiner Hood Heidenheim-Schnaitheim aus waren es sogar „nur“ 20 Kilometer. Aber, wie ich bereits in meinem „Lost places of punk and hardcore“-Feature zum Revo in Königsbronn beschrieben hatte (Ox #177), konnten schon 6,5 Kilometer als unüberwindbar klassifiziert werden von jungen, führerscheinlosen Punx in der rauhen schwäbischen Ostalb („von der Alb ra“). Wie und mit wem ich nun zu diesem Konzert, das den Ausgangspunkt für meinen sicherheitsbehördlichen „Eintrag“ darstellt, gekommen war, wusste ich nicht mehr; und so begab ich mich auf Recherche nach den Rahmenbedingungen ...
NORMAHL im JuZe Aalen
Der erste Eintrag, auf den ich im Netz stieß und der die beiden erstgenannten „Kategorien“ – die große Kreisstadt Aalen und die Deutschpunk-Band NORMAHL – zusammenbrachte, war Joachims Interview mit NORMAHL im Ox #94. Darin heißt es in seinem Einleitungstext: „Aalen auf der Ostalb im Sommer 1986. NORMAHL spielen im Jugendzentrum, hunderte Punks zerschmeißen Flaschen auf der Straße davor, ein paar werden von der Polizei abgeführt, hunderte laufen hinterher zur nahen Polizeiwache; hinterher ist die Rede von versuchter Gefangenenbefreiung. Im Pogomob wie vor der Polizeiwache war ich dabei; NORMAHL waren so etwas wie Lokalmatadore.“ Das konnte nicht wahr sein. Ich wusste weder, dass Joachim auch auf diesem Konzert gewesen war, noch, dass seine Erlebnisse in dieser Nacht zumindest in rudimentärer Form Eingang gefunden hatten ins Ox.
NORMAHL
Uns beiden wäre nie eingefallen, gerade über dieses Konzert zu sprechen. Warum auch? Zu NORMAHL hatten wir 1980er-Anarch@Punx aus Heidenheim ein eher schwieriges Verhältnis. Klar, da waren zum einen viele Ende der 1970er, Anfang der 1980er entstandene radikal linke Texte dieser Band aus Winnenden im Stuttgarter Umland, die sehr stark antimilitaristisch waren, totale Befehlsverweigerung propagierten, die Isolationshaftbedingungen der Gefangenen aus den Stadtguerillas skandalisierten, extremen Bullenhass zum Ausdruck brachten, „die“ Anarchie hochleben ließen. Es sind allesamt keine sprachlichen Meisterwerke, zumindest textlich immer viel zu kurz, um überhaupt in die thematische Tiefe gehen und Komplexitäten ausfalten zu können, aber immerhin. Doch da waren eben auch stumpfeste Sauflieder und heterosexistisch aufgeladene Bürger:innenschreck-Lines, die so gar nicht gingen, auch wenn sie wohl „ironisch“ intendiert oder aufs lupenreine Schockmoment ausgerichtet waren. Wir hatten uns längst in den CRASS- und MDC-Universen verfangen; mit ganzen Abhandlungen über gesellschafts- oder gar geopolitische Themen mussten sich da die rezipierenden Punx auf der ganzen Welt auseinandersetzen; und dies auch noch in englischer Sprache.
Mit dieser Welt konnten es NORMAHL nun wirklich nicht aufnehmen, und sie wollten dies auch gar nicht, auch wenn ihre „Stuttgart über alles“-7“ vom Coverartwork und Titel her eine überdeutliche Reminiszenz an die von mir vergötterten DEAD KENNEDYS war, die der schwäbischen Bierseligkeit mit „Too drunk to fuck“ diametral gegenüberstanden. Bei NORMAHL klang das dann in etwa so (bunt zusammengewürfelt):
„Ich habe keinen Bock, mein Land zu verteidigen / Ich lasse mich auch von niemandem vereidigen / Ich scheiße auf Deutschland / Dieses Land macht mich schon lange krank“ (aus „Fahneneid“).
„Da fühlt man sich so recht als Mann / Wenn man beim Badengehen Waden sehen kann“ (aus „Helene“).
„Rote Augen, schwarze Titten, schon oft bin ich auf ihr geritten. / Diesem geilen Schwarzwaldmadel geht die Fotz bis an den Nabel. / Ficken, Lecken, Quark, alles für ’ne Mark“ (aus „Schlager“).
„Fröhlicher Gesang, Bumsen bis zum Untergang. / Und kommt mal nichts raus, mach ich mir nichts draus“ (aus „Fraggles“).
„Bei der Demo haun sie dir eins drauf / Ich steige auf die Barrikaden / Ich werfe einen Stein in den Bullenwagen / Bis aus dem nur blutige Köpfe ragen“ (aus „Bullenschweine“).
„Steht immer in ganz dunklen Ecken, will andere Leute zu Tode erschrecken. / Kommt dann einmal ein Weib vorbei, dann schreit er ganz laut: Ich bin ein Exhibitionist!“ (aus „Exhibitionist“).
Im Sommer 1986 waren sie schon längst zu funpunkigen „Biervampiren“ mutiert, die „zu dir nach Hause [kommen] und ... deinen Keller auf[brechen]“. Trotzdem konnten Joachim und ich uns das Konzert wohl nicht entgehen lassen. Schließlich waren sie ja „Lokalmatadore“ (siehe oben), also „führende Figuren“ der regionalen Punk-Szene (Winnenden ist nicht einmal 90 Kilometer von HDH entfernt).
Erregung öffentlichen Ärgernisses
Und als enthielte das Interview in Ox #94 nicht schon genug Überschneidungen von Geschichten aus den jeweils eigenen Punk-Sozialisationen, musste ich völlig überrascht und außerhalb meines Recherchehorizonts stehend in Ox #180 auf Seite 6 rechts unten in der Rubrik „Punk-Traditionen – Teil 37“ folgendes zum Thema „Pogo“ lesen: „An mein erstes wildes Pogen erinnere ich mich noch deutlich: ein NORMAHL-Konzert [1986] in Aalen, wo aus dem Hüpfen schnell ein Schleudern wurde, ein wildes wechselseitiges Herumwerfen mit dem allseits geschätzten Reinwummsen in die Umherstehenden. Damals lernte ich auch sehr schnell, was sozial inadäquates Verhalten ist: nämlich [...] spaßbremsiges Rumstehen zu verachten.“
Diesen weisen Worten Joachims kann ich mich nur anschließen, und sogar noch eins draufsetzen: Das autonome JuZe Aalen war in dieser schwülen Sommernacht brechend voll. Die zum Großteil bis über den Rand alkoholisierte Meute wollte Action, die sich zunächst vor der Bühne entlud. NORMAHL rissen tatsächlich ein denkwürdiges Konzert runter, knallten voll rein, fetzten wie Hölle; ihr Gitarrist Jürgen Pirpamer („Pipi“) trug einen 30 Zentimeter hohen Iro, der sehr viel Eindruck auf mich machte. Der Pogo war ultrabrutal, die Beine der Hüpfenden wurden eher zum In-die-anderen-Hineintreten benutzt; der Boden war in eine glitschige, klebrige Bierlache verwandelt worden, ständig schlug es darauf Leute hin – entweder weil sie einfach ausgerutscht waren oder weil sie beim „allseits geschätzten Reinwummsen in die Umherstehenden“ umgekippt wurden. Ja, das war heftigst, und irgendwann standen halt auch sehr viele Punx vor dem JuZe, in den meisten Fällen bewaffnet mit einer Bierflasche. Und zum Entleeren der Blase oder zum Abgeben der leergetrunkenen Bierflaschen ging mensch dann eben auch nicht mehr ins JuZe, sondern verrichtete sein Geschäft irgendwo „unter freiem Himmel“ und zerdepperte die Flaschen, auf denen kein Pfand drauf war, auf dem Pflaster („hunderte Punks zerschmeißen Flaschen auf der Straße davor“). Die Bullen waren da schon längst aufgetaucht und fingen irgendwann damit an, sich wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ ein paar der Punx „zu holen“ und sie abzuführen.
Versuchte Gefangenenbefreiungen
Diese Ingewahrsamnahmen führten zu immer aggressiver werdenden Unmutsbekundungen seitens der berauschten Konzertgänger:innen, so dass irgendwann dazu übergegangen wurde, sich vor dem JuZe zu sammeln und in einem gemeinsamen, recht ansehnlichen Zug zum nahen Polizeirevier in Aalen zu ziehen, in das die besoffenen Punx verbracht worden waren. Es ging einfach nicht an, dass die Polizei auftaucht – auch noch bei einem Konzert von einer Band, die explizit Bullenhass propagiert –, und einige von uns einsackt. Wir kannten die Geschichten aus Städten wie Hamburg oder Hannover, wo Punx immer wieder vom Exekutivorgan abgeräumt und dann auf irgendwelchen Dienststellen zusammengetreten wurden – diesem Schicksal wollten wir die Ingewahrsamgenommenen nicht überlassen.
Und so kam es, dass das Polizeirevier in Aalen schließlich von einem äußerst bedrohlich wirkenden Punkermob, zu dem auch Joachim und ich gehörten, tumultuös belagert wurde. Anfangs beließen wir es noch bei lautstarken verbalen Solidaritätsbekundungen mit den Gefangenen – doch irgendwann gingen Einzelne von uns zum Versuch über, durch Überwindung des verriegelten Metallgitters rechtsseitig aufs staatseigene Grundstück zu gelangen und von dort aus die „Gefangenen zu befreien“; ich war einer von ihnen. Weit kam ich jedoch nicht – ich wurde von Uniformierten vom Gitter nach innen runtergezogen und zwecks Personalienfeststellung festgehalten. Nach kurzer Zeit schoben sie mich durch das mal eben geöffnete Tor wieder hinaus, wo ich erneut im Mob unterging und mit ihm „Eins, zwei, drei – lasst die Leute frei!“ anstimmte. Da sie mir seltsamerweise keinen Platzverweis erteilt hatten, stellte dieses Gebaren kein Problem dar; aber sie hatten mir eindringlich eingebläut, dass jeder weitere Versuch, aufs staatseigene Grundstück zu kommen, zu einer langwierigeren Ingewahrsamnahme führen würde. Ich weiß heute nicht mehr, wie lange die Zusammenrottung noch vor dem Polizeirevier ausharrte, und auch nicht, ob die Gefangenen noch in der Nacht wieder laufen gelassen wurden, aber irgendwie bin ich danach wohl noch lebend nach Schnaitheim zurückgekommen.
Der gelbe Brief
Es dauerte ein paar Tage, bis ich diese ganzen Ereignisse verdaut hatte, und irgendwie wiegte ich mich in Sicherheit – hinsichtlich der selbstgenügsamen Feststellung, jetzt alles relativ stressfrei überstanden zu haben. Aber, siehe da, dem war nicht so; die Geschichte war für mich nicht glimpflich ausgegangen: Zwei oder drei Wochen nach den Vorfällen in Aalen flatterte ein „gelber Brief“ in mein Haus; glücklicherweise bereits direkt an mich adressiert – ich war kurz zuvor volljährig geworden. Ich kannte solche gelben Briefe aus der Vergangenheit, meine Mutter musste immer mal wieder welche in Empfang nehmen und ihrer Rolle als Erziehungsberechtigte gerecht werden. Nun nicht mehr, nun stand – fast schon bedrohlich – Michael Dandl im Adressfeld. Dem von der Staatsschutzabteilung der Kripo Aalen versandten Dokument war zu entnehmen, dass gegen mich ein Ermittlungsverfahren nach § 120 StGB Abs. 3 wegen des Verdachts auf „versuchte Gefangenenbefreiung“ eingeleitet worden sei und ich nun die Möglichkeit hätte, der Vorladung der Aalener Polizeidirektion nachzukommen und zum angegebenen Termin zur Anhörung als Beschuldigter zu erscheinen.
Anhörung als Beschuldigter
Natürlich hatte ich als Antifaschist zu diesem Zeitpunkt schon viele Situationen erleben dürfen, in denen die Polizei als Trägerin des staatlichen Gewaltmonopols ihre Funktion ausfüllte, jedes dissidente Verhalten, jede kritische Äußerung, jede demonstrative Ausdrucksform abseits der hegemonial gewordenen Vorstellungen der sogenannten demokratischen Mitte zu unterdrücken oder erst gar nicht öffentlichkeitswirksam werden zu lassen. Ich war seit fast fünf Jahren mit antistaatlichen, abolitionistischen, rassismuskritischen, feministischen, antikapitalistischen Transformationsansätzen vertraut, aber wie mit einer Vorladung zu den Cops richtig umzugehen sei, das wusste ich eben nicht. Und eine solidarische Rechtsberatung für politisch aktive Menschen, die Betroffene staatlicher Repression werden, gab es weit und breit nicht. Heute, fast vierzig Jahre danach, hätte ich diesen gelben Brief sofort in den Mülleimer geworfen. Diesen Vorladungen der Polizei muss nicht Folge geleistet werden; dies zu tun ist grundsätzlich von Nachteil. Mit solchen Anhörungen versucht das Exekutivorgan nur, an weitere Infos heranzukommen, um diese als Verhörprotokolle in die von der Staatsanwaltschaft eingeleiteten Ermittlungsverfahren einzuspeisen. Schließlich endet alles mit einer staatsanwaltlichen Anklage, einem staatsanwaltlichen Strafbefehl oder einer staatsanwaltlichen Einstellung.
Der Aalener Staatsschützer
Damals aber schien mir nichts anderes übrig zu bleiben, als den Termin wahrzunehmen. Ich trampte also allein nach Aalen, ließ mich irgendwo absetzen und suchte dann nach dem Polizeipräsidium – und fand es schließlich. Ich weiß noch ganz genau, dass ich kein mulmiges Gefühl hatte, keine Beklommenheit verspürte. Ich war völlig relaxt. Und dann saß ich im Zimmer eines Kripo-Beamten mittleren Alters. Er machte nicht lang rum mit Formalitäten, Rechtsbelehrungen oder Datenerhebungen, sondern kam gleich zum Eingemachten und hielt mir – stimmlich immer lauter werdend – eine Standpauke, die sich gewaschen hatte: Was mir, als Schüler eines Elite-Gymnasiums in Heidenheim, einfallen würde; einen verrufenen und von Autonomen frequentierten Ort wie das JuZe aufzusuchen; um dort ein Konzert zu besuchen von einer Band, die unverhohlen zu Gewalt gegen Polizeibeamte aufriefe („Haut die Bullen platt wie Stullen“, NORMAHL in „Bullenschweine“) und die RAF hochleben lasse?! Was ich mir dann darüber hinaus dabei gedacht hätte, draußen vor dem Gebäude rumzustehen und besoffene Punker dabei zu beobachten, wie sie „in der Öffentlichkeit“, „unter freiem Himmel“ irgendwohin urinieren?! Ohne einzuschreiten! Und es lustig zu finden, wenn massenhaft Bierflaschen auf dem Boden zerschellen! Aber dann auch noch zusammen mit dem Punkermob vors Polizeirevier zu ziehen, um die diensthabenden Beamten zu bedrohen und zu versuchen, die dorthin verbrachten Punker zu befreien – das ginge nun allerdings viel zu weit und deute hin auf einen schwachen Charakter oder einen verwirrten Kopf, der da auf meinem Körper säße!
Gesinnungsprüfung
Dann trieb er mich in eine politische Diskussion hinein, die Züge einer „Gesinnungsprüfung“ annahm: Ob ich Autoritäten ablehnen würde, ob ich Straftaten dulde, nur weil sie von Gleichgesinnten begangen werden, ob ich etwas gegen den Staat selbst hätte. Und ich, immer noch die Ruhe in Person, weil ich irgendwie mit solchen Verhörmethoden gerechnet hatte, legte mich diskursiv mit ihm an und entfaltete Teile meines damaligen Weltbildes, das ganz bestimmt geleitet war von Antiautoritarismus, Rechtsstaatsnichtkonformität und Solidarität mit Stigmatisierten. Mir wurde im Verlauf des Verhörs klar, dass es kein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren wegen „versuchter Gefangenenbefreiung“ gegen mich geben würde, so dass ich auf eine Beendigung des „Gesprächs“ drängte. Schließlich kam Herr Staatsschutz, der alles penibel protokolliert hatte, an den Punkt, sich von mir zu verabschieden. Dabei gab er mir aber noch zu verstehen, dass er mich im von mir zu unterzeichnenden Verhörprotokoll politisch als „Anarchist“ einordnen würde, der Herrschaftsfreiheit/Gesetzlosigkeit anstrebe. Das sei mir scheißegal, was er da reinkritzeln würde, eine Unterschrift bekäme er sowieso nicht von mir. Er hat sich dann noch ein bisschen grimmig aufgeplustert und mich dann hinauskomplimentiert. Ich war entkommen, ohne eine Unterschrift hinterlassen zu haben – und habe in dieser Sache nie wieder etwas von den Sicherheitsbehörden gehört ...