
HipHop erfreut sich immer größerer Beliebtheit und scheint sich gerade in der HC-Szene durchzusetzen. Inwiefern er HC auf Dauer ganz ersetzen wird, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass es eine wirkliche interessante und vielseitige Hip-Hop-Szene in diesem Land gibt, die der HC-Szene einiges voraus hat. Detaillierte Ansichten dazu vielleicht im nächsten Ox. Die Absoluten Beginner sind nicht zuletzt auf Grund ihrer sehr powergeladenen Auftritte und ihrer tollen Mini LP „Gotting" wohl als eine der großen Hoffnungen dieses Genres einzustufen. Im Gegensatz zu den meisten HC-Bands vermitteln sie ein sehr zeitgenössisches, urbanes Image, welches aber immer noch sehr frisch und jugendlich und gerade deshalb äußerst sympathisch daherkommt. Die Zap-Charts belegen (sofern die überhaupt etwas belegen können) die schon jetzt bereits große Akzeptanz unserer Szene gerade gegenüber diesen vier jungen Herren aus Hamburg und ihrer Musik. Wer die Chance hat, die Absoluten Beginner live erleben zu können, sollte dies auf jeden Fall tun. Die, die das Glück schon hatten oder die, die die Ausschnitte in der Lost in Music-Sendung über HipHop gesehen haben, wissen, dass es sich lohnt. Ist „K.E.I.N.E." (zu finden auf dem „Kill the nation with a groove"-Sampler) das „Bullenschweine" einer neuen Generation? Auf jeden Fall war es Zeit für ein Interview. Let's go.
Wir befinden uns im Backstagebereich des Kick in Herford.Vor uns die Absoluten Beginner, welche gerade ein überzeugendes Konzert hinlegten und sich nun unseren Fragen stellen werden. Also, wer seid ihr?
Dennis: Okay, ich bin Dennis, bin MC bei der Gruppe. Uns gibt es jetzt seit ungefähr 2 Jahren. Am Anfang haben wir zunächst auf deutsch und auf englisch gereimt, bis wir auf die Idee gekommen sind nur noch auf deutsch zu reimen, denn bei unserem ersten Konzert haben wir gemerkt, dass uns die Leute nicht verstanden haben, wenn wir auf englisch gereimt haben.
Eißfeldt: Es ist uns von unseren Themen her wichtig, dass uns die Leute verstehen...
Dennis: Hey, du musst dich erstmal vorstellen.
Eißfeldt: Ach so, ja, das da ist Mardie (er nickt), der ist stumm, ich bin Eißfeldt, dann gibt's noch Mad, den DJ, der ist noch unten, die Sachen abbauen.
Nun, ihr werdet gerne als sehr junge Band präsentiert, also sagt mal wie alt ihr seid und was ihr so macht.
Eißfeldt: Ja also, ich bin 17 und ich nehme an, dass wir in den nächsten fünf Jahren auch so in diesem Alter bleiben werden, weil das jetzt einfach bei den Medien so angekommen ist, dass wir 'ne junge Band sind, obwohl ich der Zweitjüngste bin. Nur noch Dennis ist jünger. Das ist eigentlich alles ein Witz. Unser DJ ist genauso alt wie die in den ganzen anderen Gruppen. Was ich sonst so mache? Tja, eigentlich nur HipHop: Musik, Texte, hab auch mal ein bisschen gemalt. Wir wollen vielleicht auch mit Breaken anfangen...
Da wird ja in der Szene immer großer Wert draufgelegt. Die 3 Abteilungen im Hip-Hop: Rap bzw. DJ-ing, Graffiti und Breakdance. Wie seht ihr das?
Mardie: (inzwischen nicht mehr stumm) Gefühlsmäßig ist das irgendwo das Gleiche.
Sind es dann denn auch die gleichen Leute?
Mardie: Klar, das mischt sich total.
Dennis: Leute, die wirklich was davon verstehen, die Hip-Hop auch leben, dieen auch zusammen - also die Maler mit den Breakern und natürlich auch mit den MC's. Nun ist das leider so, dass sich die MCs etwas abgesetzt haben und deshalb wird auch immer soviel darüber geredet, dass Hip-Hop eine ganze Kultur ist, eben nicht nur die Musik, sondern, daß die Maler und die Breaker genauso dazugehören, damit die Medien und die ganzen Leute das endlich checken.
Eißfeldt: Eigentlich ist es so, dass alle gleichgestellt sind. Keiner sollte mehr als der andere angejubelt werden. Wir als Band treten hier zwar auf, aber das wurde auch als Konzert angekündigt. Wir haben jetzt natürlich ein sehr groBes Publikum vor uns und versuchen deshalb auch dazu beizutragen, dass das Verhältnis zwischen Zuschauer und Bühne irgendwie auf die gleiche Ebene kommt. Normalerweise ist es so, dass im Publikum fast nur Leute dabei sind, die auch selber aktiv sind. Das sind nicht einfach nur Konsumenten, die rappen selber, malen selber oder breaken selber und wir holen dann auch Leute zum Freestyle rauf, oder zum breaken, die dann genauso ein großes Publikum haben. Oder Leute die Bilder malen, die durch die Stadt fahren (auf Zügen), die haben somit auch ein groBes Publikum. Das ist so das Ding: Das Streben nach „fame“.
In den Medien wird ja im Moment sehr viel über Hip-Hop in Deutschland berichtet. Kann da eigentlich noch eine Szene entstehen oder sich entwickeln?
Mardie: Nun, es besteht eine Szene, nur ist die sehr klein und das sind dann auch Leute, die das mehr kommerziell machen und da gibt es dann schon keinen Zusammenhalt mehr. Die Szene könnte noch viel größer sein.
Also dividiert es sich schon ein bisschen auseinander?
Dennis: Ja, und es ist auch so, dass die Leute, die von der alten Schule sind, nicht so viel Respekt vor denen haben, die noch nicht so lange dabei sind.
Eißfeldt: Das soll jetzt kein Diss sein.
Dennis: Das ist auch kein Diss - ich habe Respekt vor der alten Schule, kenne viele von denen, bin mit denen zusammen und so, aber das ist immer noch So, dass die "new school"-Leute nicht so anerkannt werden und dass dadurch auch noch mal ein Split innerhalb der Szene ist. Wenn alle offen miteinander wären, dann könnte die Szene eine ziemlich große Wirkung haben.
Eißfeldt: Das Ding ist einfach: Die Musik ist groß, der Rap, der Sprechgesang, der ist groß. Und das ist das Ding, das wir und viele andere auch bekämpfen. Viele sehen da nur ihre Chance zu einem Major zu gehen und Geld zu machen. Sie leugnen dabei die Hip-Hop-Kultur. Sie erwähnen gar nicht, dass da noch Maler und Breaker dazugehören. Dann denken natürlich alle: Hip-Hop, das sind ein paar Hampelmänner, die auf der Bühne stehen. Das ist das Ding, jeder sagt Hip-Hop wird groß, aber leider wird nur die Musik groß und Graffiti und Breakdance bleiben auf der Strecke.
Ist Hip-Hop inzwischen zu DER Musik der Jugend geworden, besonders in den Großstädten?
Dennis: Das kann man eigentlich nicht sagen. Man sieht das ja in Hamburg, dass es zwar viele gibt, die Hip-Hop-Musik hören, aber die, die richtig dabei sind, die sich damit die ganze Zeit beschäftigen, das sind gar nicht mal so viele.
Glaubt ihr, dass das noch mehr werden kann, werden wird?
Dennis: Das versuchen wir ja gerade zu erreichen: Die ganzen Hip-Hop-Consumer auf den richtigen Rad zu bringen, dass die selber aktiv werden und das alles richtig verstehen. Denn Rest können wir nicht ansprechen, die Ganzen, die nur am Dancefloor interessiert sind und so, da können wir nichts machen.
Eißfeldt: Wir wollen, dass sich eine breite Masse von Aktiven bildet, denn wenn du erst einmal im Hip-Hop aktiv bist und weißt, worum es geht, dann bist du so begeistert, dass du nicht mehr loskommst. Wir wollen eine Masse, die darauf scheißt, ob das jetzt in den Medien gepusht wird oder nicht.
Dennis: Genau!
Eißfeldt: Hip-Hop, das ist so ein Ding, das verändert den Menschen einfach, man wird tolerant, da ist Zusammengehörigkeit, Gemeinschaft, da gibt es keinen Rassismus.
Jetzt muss ich aber noch einmal fragen: Wie seid ihr überhaupt zu Hip-Hop gekommen?
Dennis: Zunächst einmal durch den ganzen USA-Kram, die Musik und so. Fand ich alles unheimlich cool, hab' mir Platten gekauft, fand das alles toll, hab' die Klischees übernommen und irgendwann hat man dann immer mehr den Plan bekommen. Ich habe dann gemerkt, dass da mehr ist, als jetzt nur die Musik zu hören.
Jetzt habt ihr ja gerade eure erste Platte raus, deshalb gleich die Frage: Was steht bandmäßig als nächstes an, worauf dürfen wir uns freuen?
Dennis: Ein Sommerhit.
Mardie: ...und ein Weihnachtshit.
Eißfeldt:...und ein Sylvesterhit. Nee, also erstmal haben wir jetzt noch ein Stück, das heißt „Die Schlacht", auf dem Tony Cook-Sampler (The Cook Monster-d.T.).
Dennis: Als nächstes wollen wir aber erstmal mehr auftreten.
Ox-Assistent Oliver: „Dann das Lied für die nächste Weltmeisterschaft..." (Lachen) Mardie: (erstaunt) Woher weißt du das?
Was? Wie? Erzähl!
Eißfeldt: Ja, das ist echt kein Witz. Die Leute von „ran", von dieser SAT1Sportsendung, die haben uns angerufen und gefragt, ob wir da nicht mal was rappen wollen.
Dennis: Die Sache war nur die: Die hatten das Demo schon arrangiert und den Text schon geschrieben. Wir hätten da nur noch rappen sollen. Also keine Chance. Eißfeldt: Wenn wir da selber etwas gemacht hätten dürfen, wäre das was anderes gewesen, aber so...
Dennis: Wenn das jetzt so wäre, dass Hip-Hop nicht so berühmt wäre, also nicht die Fantastischen 4 mit Hohes C-Werbung und so, dann hätte ich mir das überlegt. Der hat da auch zu erst so erzählt, dass das für Toleranz unter den Fans sein soll usw. Aber da wurde dann klar, dass die sich nur dachten Hip-Hop ist jetzt das große Ding - die Fantastischen 4, -,toll und so, da machen wir jetzt auch mal mit.
Eißfeldt: Die wollten uns das alles vorsetzen, wir hätten nichts eigenes machen können. Genauso war das auch bei so einem Typ, der mich mal angerufen hat. Da sollten wir so einen „Öko-Rap" für die ARD machen. Wir haben gleich gesagt: eigenes Stück, eigener Text und die: „Jaja", aber dann waren die mal bei uns beim Proben und das war denen dann wohl doch alles zu heftig und die haben uns dann irgendwie abgewimmelt. Später habe ich dann durch Zufall das gesehen, was wir hätten machen sollen: Das waren dann so 12-jährige Kinder, die gerappt haben: „Man soll nicht so viele Flaschen verschwenden, weil die alten Flaschen bei neuen enden" und „Scherben ins Verderben" und „Yo rap" und so. Das wäre schon ziemlich peinlich gewesen, wenn wir das gemacht hätten.
Okay, das wär's eigentlich von mir aus. Wollt ihr noch irgendetwas sagen?
Mardie und Dennis: Nö, mach Schluss.
Vielen Dank für das Interview.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #16 I 1994 und Wolfram Kähler
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #34 I 1999 und Antek Pistole
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #56 September/Oktober/November 2004 und Lars Koch