ACRES

Foto© by Thomas Eger

Raus aus der Komfortzone

Für ihr drittes Album sind die Briten ein Risiko eingegangen und haben ihren Arbeitsprozess komplett umgestellt. So entstand es unter anderem fernab ihrer Heimatstadt Portsmouth. Doch das Ergebnis gibt ACRES recht: „The Host“ ist eine tiefgründige emotionale Achterbahnfahrt im Metalcore-Gewand.

Frontmann Ben Lumber hebt mit Blick auf die Platte die kreative Freiheit hervor, die sie durch die Zusammenarbeit mit Landon Tewers von THE PLOT IN YOU erlangt haben: „Wir hatten das große Glück, bei diesem Album mit Landon arbeiten zu können. Jede noch so kleine Idee haben wir ausprobiert – selbst Dinge, die wir in der Vergangenheit niemals in Erwägung gezogen hätten. Seine Fähigkeiten als Songwriter und Produzent haben uns mehr Freiräume für Kreativität eröffnet als jemals zuvor. Diese ungebremste Experimentierfreude hat letztlich den Sound des Albums entscheidend geprägt.“ Einerseits blieb der markante Stil erhalten, andererseits haben sich ACRES an eine Neuinterpretation ihres Trademark-Sounds gewagt: „Dieses Album hat den härtesten Sound, den wir je hatten“, erklärt Ben. „Doch es enthält auch Songs, die stark von moderner Popmusik beeinflusst sind. Jeder von uns hat musikalische Vorbilder in den unterschiedlichsten Genres, und auf dieser Platte kommt dieser Facettenreichtum besonders deutlich zum Ausdruck. Gerade die stilistische Offenheit verleiht ‚The Host‘ diese besondere Dynamik.“

Die Songs bewegen sich zwischen zugänglichen, atmosphärisch schwelgerischen Passagen und intensiven, fast existenziellen Ausbrüchen. Der Schreibprozess gestaltete sich dabei radikal anders als zuvor: „Ein wichtiger Schritt war die Entscheidung, erst in den USA mit dem Schreiben zu beginnen, anstatt schon fertiges Material auf die Reise mitzubringen“, äußert Ben. „Das gesamte Album haben wir innerhalb von vier Wochen geschrieben und aufgenommen. Es war die intensivste und herausforderndste Produktionsphase, die wir je erlebt haben. Anfangs schien der Gedanke beängstigend – ohne Vorbereitung in ein anderes Land zu fliegen und nach vier Wochen mit einem fertigen Album zurückzukommen? Doch rückblickend war es die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Wir sind begeistert von dem Ergebnis und auch unglaublich stolz darauf.“ Diese intensive Auseinandersetzung mit dem Material zeigt sich in der emotionalen Tiefe des Albums: „Bei ACRES ging es von Beginn an um Leidenschaft – und daran hat sich bis heute nichts geändert“, betont Ben. „Von Anfang an war es unser Ziel, Musik zu schreiben, die beim Zuhörer eine Reaktion hervorruft, sei es auf Gefühlsebene oder durch pure Energie. Vielleicht verändert sich mit jedem Album die Art, wie wir Musik wahrnehmen und hören wollen, aber unsere Absicht bleibt im Kern unverändert: Wir wollen Songs schaffen, die einen tief berühren und lange nachhallen.“

Auch der kreative Prozess hat sich verändert: „Bis vor kurzem entstanden unsere Stücke meist zuerst als reine Instrumentals. Doch für dieses Album haben wir die Abläufe grundlegend verändert: Unser Bassist Jack war aktiv am Songwriting beteiligt, und wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Vorgehensweise neu zu gestalten. Diese Offenheit gegenüber Veränderungen ist ein wesentlicher Teil dessen, was uns als Band antreibt. Bei jeder Veröffentlichung geht es uns darum, unsere Komfortzone zu verlassen. Die Bereitschaft, etwas Neues zu wagen, ist immer da, so dass das Endergebnis immer offen ist.“ Genau wie die Musik selbst bleibt auch ihre Wirkung offen für Interpretationen: „Musik ist stets subjektiv“, weiß Ben. „Nicht jeder wird unser neues Album mögen, das war uns immer bewusst. Uns ist es wichtig, uns selbst als Musiker treu zu bleiben. Es ist völlig in Ordnung, sein eigener größter Fan zu sein. Denn wenn wir die Musik, die wir machen, selbst nicht abfeiern, warum sollte es dann jemand anderes tun?“ Mit Blick auf „The Host“ könnte der Sänger nicht zufriedener sein: „Für das Album existierte vorab keine klar definierte Vision – und auch deshalb ist das Ergebnis so überraschend. Es ist das Album, für das wir so intensiv zusammengearbeitet haben wie noch nie. Wenn wir jetzt als Band auf der Bühne stehen und diese Songs spielen, auf die wir alle so stolz sind, ist das ein unglaubliches Gefühl.“ Die besondere Klangästhetik des Albums trägt zur Wirkung bei: „Ich bewundere Bands, die über ihre gesamte Karriere hinweg eine bestimmte Stimmung und Emotionalität vermitteln können“, holt Ben aus. „Uns ist es extrem wichtig, dass unsere Musik ebenfalls diesen Charakter hat. Ich wäre auf jeden Fall glücklich, wenn das so wahrgenommen wird.“

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