ARCADEA

Foto© by Calina Walker

Eine andere Welt

Mit seiner Hauptband MASTODON hat sich Brann Dailor in der Metal-Szene längst einen Namen gemacht. Doch der Drummer und Sänger der visionären US-Formation kann auch anders, wie er nun mit „The Exodus Of Gravity“ beweist. Wir haben mit Dailor über die zweite Scheibe seines spannenden Nebenprojektes gesprochen.

Bald erscheint euer zweites Album. Kannst du den Entstehungsprozess der Scheibe kurz umreißen?

Die Band besteht im Wesentlichen aus mir und meinem Kumpel Core Atoms, der unter anderem die Synthesizer, Gitarren und den Bass eingespielt hat. Er lebt wie ich in Atlanta, was uns natürlich zugutekommt. Ich bin sehr oft mit MASTODON unterwegs. Aber immer, wenn wir Zeit finden, kommt Core zu mir und wir arbeiten an neuer Musik. Er hat auch ein Keyboard bei mir in meinem Drum-Raum stehen. Die Songs für das neue Album sind in einem Zeitraum von etwa zwei Jahren entstanden. Oft zeigt mir Core seine Ideen, ich überlege mir dann die Drum-Parts dazu. Wenn das Gerüst dann steht, versuche ich anschließend, die Ideen für den Gesang zu entwickeln. Es ist alles ein sehr flexibler und organischer Prozess. Weil ich, wie gesagt, wirklich oft anderweitig eingespannt bin.

Hattet ihr von Beginn an eine klare musikalische Vision?
Vielleicht, dass wir wirklich nicht zu „proggy“ sein wollten. Ich wollte schon, dass die Platte ziemlich straight wird. Wir haben an einem Tag beispielsweise zusammengesessen und „Beat it“ von Michael Jackson gehört. Die Drums und die Basslinie verändern sich eigentlich kaum im Verlauf dieses Songs. Du hast eine Strophe, einen Refrain und eine Bridge. Aber das Fundament bleibt immer dasselbe. Und darin wohnt in meinen Augen irgendwie etwas Geniales. Das war so ein bisschen der Ansatz. Wenngleich wir natürlich am Ende einfach das gemacht haben, auf was wir Lust hatten.

Was schätzt du persönlich am meisten an der Platte?
Ich finde die Atmosphäre einfach cool, welche das Album erzeugt. Es klingt psychedelisch und irgendwie auch ein bisschen verrückt, ein bisschen wie aus einer anderen Welt. Das trifft genau meinen Nerv. Gleichzeitig ist die Platte aber auch sehr eingängig und hat ein paar echt gute Hooks.
Hast du denn einen persönlichen Favoriten auf der Scheibe?
Ich mag den Titeltrack. Und „Fuzzy planet“ geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Wenn ich früh aufwache, will ich immer diesen Song singen, haha!

Ihr habt bislang ja erst eine Handvoll Shows in eurer Karriere gespielt. Habt ihr denn ernsthafte Ambitionen, die neuen Songs auch mal auf die Bühne zu bringen?
Das würde ich sehr gerne machen! Vermutlich würden wir dann auch jemanden für die Drums dazuholen, damit ich mich auf das Singen konzentrieren kann. Beides gleichzeitig zu tun, ist zwar möglich, aber schon schwierig. Ich müsste dann tatsächlich in eine neue Rolle schlüpfen, quasi die des Frontmanns, auch wenn ich mich selber nicht als solcher sehe. Aber das wäre schon spannend und würde für mich auch Sinn ergeben. Wie schon erwähnt, habe ich viel um die Ohren. Mit MASTODON geht es beispielsweise im September wieder ins Studio. Aber eine kleine Tour würde ich schon gerne irgendwie auf die Beine stellen.

Deine beiden Bands unterscheiden sich stilistisch deutlich. Wie managst du den Wechsel zwischen diesen beiden musikalischen Welten?
Es ist einfach in mir drin, ich habe schlichtweg das musikalische Verlangen danach, immer neue Dinge zu erschaffen. Ich liebe diesen Kreativitätsprozess, bei dem aus Nichts plötzlich etwas entsteht, in das du dich dann verlieben kannst. Etwas, was neu und anders klingt, aber einen trotzdem begeistern kann. Ich liebe dieses Gefühl einfach.

Bis zur zweiten Scheibe hat es acht lange Jahre gedauert. Habt ihr denn schon konkrete Planungen, wie es mit ARCADEA in Zukunft weitergeht?
Zu viele Gedanken habe ich mir darüber noch nicht gemacht, weil meine Priorität ja klar auf MASTODON liegt. Wir werden sehen, was passiert. Ich meine klar: Zwischenzeitlich hatten wir ja auch die Pandemie, die alles ein wenig gebremst hat, das darf man nicht vergessen. Wir sind jedenfalls definitiv motiviert, weiterzumachen. Ich mag dieses Projekt einfach. Zumal Core eben ein sehr guter Freund und ein brillanter Musiker ist. Warten wir einfach mal ab, wie die Leute da draußen die Platte aufnehmen.

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