© by Mads HusvikIn den 1990er Jahren veröffentlichten die BASEMENT BRATS aus Norwegen mehrere Alben und EPs und überzeugten dabei mit einem eigenständigen Pop-Punk’n’Roll, der einerseits sehr catchy war, andererseits aber auch garagig, wild und ungestüm, was der Band Kultstatus und eine breite Fanbasis in halb Europa einbrachte. 1998 war erst mal Schluss, doch ein Best Of-Album führte 2023 zur Reunion der Band. Wir trafen das Quintett nach dem Puke Fest im Januar in Münster, wo es Headliner war und sich die komplette Band unseren Fragen stellte, die sich aber nicht nur um die guten alten Zeiten drehen.
Es ist alles andere als alltäglich, dass eine Band nach 25 Jahren Pause in der alten Besetzung zurückkommt.
Mads: Ja, die BASEMENT BRATS 2025 sind wie schon von 1993 bis 1998 die Brüder Nils und Ole Olsen an Gitarre und Mikro, Ulf Larsen am Bass, Egil Pinås an der Gitarre und ich, Mads Husvik, an den Drums.
Aber das sehr junge Gesicht hier in der Runde kann unmöglich schon in den 1990ern dabei gewesen sein.
Ole: Stimmt, das war ein Ersatzmann nur für heute Abend. Unser Gitarrist Egil war leider verhindert und so ist mein Sohn Magnus aushilfsweise eingesprungen. Bei der nächsten Show ist Egil aber wieder dabei.
Das ist heute aber nicht das erste Mal, dass ihr in Deutschland spielt, oder?
Mads: Nein, unsere ersten Shows in Deutschland waren definitiv im Jahr 1994. Das war eine kurze Tour mit den KWYET KINGS und den YUM YUMS.
1998 habt ihr erst mal eine längere Pause eingelegt ...
Mads: Richtig, wir haben uns für 25 Jahre aufgelöst. Aber wir blieben in der ganzen Zeit in Kontakt und hingen auch weiterhin miteinander ab. Wir haben eben nur nicht mehr zusammen Musik gemacht.
Und was gab schließlich den Ausschlag, wieder als Band zusammenzukommen?
Mads: Ein Freund, der das Label Pure Lust Productions betreibt, kam mit der Idee auf uns zu, ein Best-Of-Album zu veröffentlichen. Wir waren uns einig: Hey, warum nicht? Und als „I Just Wanna Be A Brat!“ fertig war, stellten wir uns die Frage: Verdammt, warum spielen wir nicht mal wieder zusammen? Lasst es uns probieren! Und der Spaß war von Anfang an wieder da.
Es ist ungewöhnlich, dass nach einer solch langen Pause alle Gründungsmitglieder wieder mit an Bord sind.
Ole: Als es um die Reunion der Band ging, war sofort klar: Entweder machen alle wieder mit oder wir lassen es sein. Wir wollten auf alle Fälle eine Situation wie bei THIN LIZZY vermeiden, wo schließlich nur noch der alte Drummer dabei ist. Das ist für uns überhaupt nicht vorstellbar, nur mit einem oder mit zwei Originalmitgliedern als BASEMENT BRATS an den Start zu gehen. Das würde sich falsch anfühlen.
Ihr wart Headliner beim Puke Fest 2025, dem wichtigsten Pop-Punk-Festival in Deutschland. Was bedeutet euch das?
Ole: Auch jetzt nach der Show fühlt es sich immer noch irgendwie irreal an, dass wir als kleine verkackte Band aus einem kleinen Kaff in Norwegen, die ihre beste Zeit in den 1990ern hatte, 30 Jahre später Headliner bei einem deutschen Festival sind.
Den Ausdruck „Brat“ übersetzt man am besten mit „Bengel“ oder „Göre“. Beides steht für eher junge Menschen. Wie gerechtfertigt ist es da, dass ihr euch heute immer noch THE BASEMENT BRATS nennt?
Nils: Das ist absolut in Ordnung. Schließlich geht es hier insbesondere um den Spirit, um die Einstellung. Und ich hoffe, dass wir dahingehend immer noch irgendwie junge Burschen sind.
Ihr hattet in den 1990ern schon so etwas wie Kultstatus. Wieso kam es 1998 trotzdem zur Trennung?
Mads: Wir hatten irgendwie das Gefühl, dass wir am Ende des Weges angekommen waren, dass die Geschichte zu Ende erzählt war. Wir wollten nicht als Band enden, die regelmäßig uninspirierte Alben veröffentlicht.
Können eure Fans jetzt auch auf neue Songs und neue Releases hoffen?
Ole: Das ist auf alle Fälle vorstellbar. Aktuell spielen wir bei unseren Shows aber ausschließlich alte Nummern.
Nils: Jeder von uns schreibt regelmäßig neue Stücke für sich, aber das heißt noch nicht, dass diese auch das Zeug dazu haben, neue BASEMENT BRATS-Titel zu werden. Diese Songs müssen irgendwie passen.
Magnus: Alle Songs, die heute gespielt wurden, stammen aus einer Zeit, da war ich noch nicht mal auf der Welt, haha.
Der Tonträgermarkt hat sich seit den 1990ern stark verändert. Wäre es ein Problem für euch, heute ein neues Album zu veröffentlichen, das viel geringere Verkaufszahlen hätte als eure alten Releases?
Ole: Das wäre kein Problem. Wir bestreiten damit auch nicht unseren Lebensunterhalt. Und wir wären auch nicht die einzige Band, die davon betroffen wäre. Das ist halt die Entwicklung. Es ist viel einfacher geworden, Songs zu veröffentlichen, zum Beispiel über Spotify. Aber es ist andererseits auch viel schwerer geworden, größere Stückzahlen an physischen Tonträgern zu verkaufen.
Nils: Und da wir auch früher schon nicht riesige Verkaufszahlen hatten, spielt ein mangelnder kommerzieller Erfolg sowieso keine Rolle. Die Band ist für uns eine Herzensangelegenheit, uns geht es rein um den Spaß.
Was wäre ein Grund für euch, die Band endgültig aufzulösen?
Mads: Wahrscheinlich unser Alter.
Nils: Wie eine alte Jazzband unsere Show sitzend zu verbringen, ist für uns keine Option. Herz und Seele müssen passen. Wenn wir den typischen BASEMENT BRATS-Sound und die Energie nicht mehr auf die Bühne bringen, muss endgültig Schluss sein.
Kommen auch junge Menschen zu euren Konzerten?
Ole: Es kommen schon auch einige junge Menschen zu unseren Shows.
Mads: Eins darf man auch nicht vergessen: Unsere Musik ist im Grunde genommen zeitlos, wir waren niemals richtig berühmt oder trendy. Wir haben nie Synthesizer oder irgendwelche abgedrehten Instrumente eingesetzt. Wir hängen somit auch nicht an speziellen Alters- oder Zielgruppen.
Heute waren auch einige altgediente Fans im Publikum, die euch noch von früher kannten. Wenn spezielle Wünsche aus dem Auditorium kommen, könntet ihr noch alle alten Lieder spielen?
Ole: Alle alten Songs haben wir nicht mehr parat. Dazu müssten wir viel häufiger proben. Aber als wir wieder angefangen haben, konnten wir schon feststellen, dass wir viele der alten Sachen recht schnell und einfach wieder draufhatten. Und ich habe sogar noch viele der alten Songtexte im Kopf gehabt.
Nils: Wir haben nach der Auflösung 1998 alle weiter regelmäßig in anderen Bands Musik gemacht, so dass wir auch an unseren Instrumenten nicht eingerostet sind. Wir sind alle nicht so außergewöhnliche Talente, dass wir jahrelang pausieren könnten und dann wieder loslegen, als hätte es keine Unterbrechung gegeben.
Gibt es ältere Songs, die ihr heute nicht mehr spielen könnt, weil sie einfach allein von den Texten her nicht mehr zeitgemäß sind?
Ole: Also so richtig kontroverse oder umstrittene Texte haben wir eigentlich nie gehabt. Auch wenn die 1990er Jahre eine komplett andere Zeit waren, gibt es aus meiner Sicht keine Texte bei uns, die du heute nicht mehr bringen könntest.
Magnus: Als Mitglied der jungen Generation kann ich nur bestätigen, dass man die Songs auch heute nach 30 Jahren immer noch präsentieren kann. Die Texte sind zeitlos. Mein Vater ist Lehrer. Es würde mich doch sehr wundern, wenn er früher Songs geschrieben hätte, die aus Gründen der Political Correctness heute nicht mehr funktionieren würden.
Als ihr mit der Band groß wurdet, gab es noch kein Spotify, kein Facebook, kein Instagram. Wie schätzt ihr das ein? Fluch oder Segen? Trauert ihr hier den alten Zeiten nach oder hättet ihr gerne damals schon solche technischen Möglichkeiten gehabt?
Ole: Klar, heute ist es viel einfacher, Musik zu veröffentlichen und sich über Neuigkeiten zu informieren. Und du kannst heute ganz einfach Tracks in deinem Wohnzimmer aufnehmen. Aber es wird andererseits auch schwieriger, in der Masse von Releases aufzufallen.
Wenn ihr heute alte Bandfotos betrachtet, ist euch das manchmal peinlich?
Mads: Natürlich nicht. Wir waren schon echt cool damals. Warum sollte einem das peinlich sein?
Ole: Wir hatten alle früher mehr Haare. Aber das ist der Lauf der Zeit.
Was sagen eigentlich eure Kinder zu euren Bandaktivitäten? Hört ihr manchmal Aussagen wie: „Warum können unsere Väter nicht in Würde alt werden?“?
Magnus: Ich bin wirklich sehr glücklich darüber, dass mein Vater im Kopf und in seiner Einstellung so jung geblieben ist. Ich bin mit den Songs der BASEMENT BRATS groß geworden. Nicht vielen Kindern ist es vergönnt, Eltern zu haben, die in einer wirklich coolen Band spielen. Das empfinde ich tatsächlich als Privileg. Und es hat mich dazu gebracht, selbst Musik zu machen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Axel M. Gundlach
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