BIG BANG VINTAGE FESTIVAL

Foto© by Javier Viero

Gran Canarias Underground

Javier Viera aus Las Palmas, Gran Canaria organisiert dort seit Jahren das Big Bang Vintage Festival, das für lokale und internationale Rock’n’Roll-, Garage-Punk-, Surf- und Wave-Bands steht. Dazu gibt es einen alternativen Vintage-Markt und kreative Foodtrucks. Das geniale Artwork der Plakate, Tickets, Deko, Getränkebecher und T-Shirts stammt von dem befreundeten Künstler und DJ Nano Barbero. Zudem ist Javier mit seinen DJ-Sessions und als Drummer aktiv. Die bereits achte Edition findet am 09.-12. Oktober im historischen Parque San Telmo statt, dabei sind unter anderem die Japanerinnen THE 5.6.7.’S. Da es für kleinere Festivals in Europa immer schwieriger wird, sich zu behaupten, stellten wir ihm dazu ein paar Fragen.

Javier, du kommst von den Kanarischen Inseln. Was hat dich dort als junger Mann beeinflusst und wie bist du zur Punk-, Wave- und Rock’n’Roll-Szene gekommen?

Ich bin in Las Palmas de Gran Canaria geboren, meine Familie stammt aus dem Inselinneren, aus Juncalillo und Fontanales. Schon mit sechs oder sieben Jahren hörte ich dank einer Cousine, die die einen breiten Musikgeschmack hatte, Platten von QUEEN, PINK FLOYD, THE TUBES, ROLLING STONES und BEE GEES. Aber auch eine andere Cousine, die in einem Plattenladen in Triana arbeitete und mit ihrem Chef immer nach London fuhr, um Platten zu kaufen, kam jeden Tag zum Mittagessen zu uns. Ich war sehr in sie verliebt – stell dir den Londoner Superlook vor! Und damals begann ich auch, alles von Disco bis Punk zu entdecken. Ich spiele seit meinem 14. Lebensjahr Schlagzeug und seit meinem 19. Lebensjahr bin ich in bekannten Bands auf Gran Canaria wie IMAGEN SAGRADA und VICIOUS SOUL. Post-Punk und Madchester, das waren meine Einflüsse. In den 1990ern haben wir sogar als Vorgruppe für die RAMONES gespielt. Ich hatte auch eine Rockabilly-Band, LOS MANIACOS, in der ich gesungen habe. Ende der 1990er zog ich nach London und arbeitete in einem Großhandelsgeschäft in Soho. Ich hörte viel Live-Musik und besuchte viele Festivals, wie zum Beispiel die Hemsby Rock’n’Roll Weekenders.

Wie bist du zur Organisation des Festivals gekommen? Wer ist sonst noch beteiligt?
Das Big Bang Vintage Festival ist meine eigene Idee, mit seiner gesamten Ideologie, dem Rahmenprogramm und dem Line-up. Ich habe ein wunderbares Team, das mich an dem Wochenende, an dem das Festival stattfindet, bei der Organisation unterstützt. Im Rest des Jahres organisiere ich den Rest jedoch selbst: Anreise, Spesen, Transport, Line-up, Social Media, Organisation, Genehmigungen ... Ich habe das Glück, das tun zu können, was ich liebe.

Was hat sich im Laufe der Zeit geändert? Dieses Jahr ist der Eintritt zum Beispiel zum ersten Mal nicht mehr frei.
Die ersten beiden Jahre veranstalteten wir das Festival in einem wunderschönen Raum namens Pueblo Canario, der uns aber zu klein wurde. Im dritten Jahr zogen wir in den San Telmo-Park im Stadtzentrum um. Wir wachsen mit jeder Ausgabe und möchten den Ort, den wir nutzen, schützen; wir wollen nachhaltig sein und keinen Plastikmüll produzieren. Das Festival muss auch für die Besucher sicher sein. Aus diesem Grund und weil wir unseren Fokus auf renommierte Bands ausweiten möchten, müssen wir die Konzertfläche einschränken und einen geringen Eintrittspreis erheben. Der Vier-Tages-Pass kostet 45 Euro und beinhaltet 16 Bands. Tageskarten kosten 15 Euro. Wir finden das fair. Der Gastronomiebereich und der Markt sind frei zugänglich, und freitags und samstags ab 12 Uhr kann man Akustik-Konzerte kanarischer Musiker genießen. Wir glauben, dass Kultur von allen Seiten unterstützt und verteidigt werden muss.

Du spielst immer noch Schlagzeug und legst gelegentlich als DJ Fabrica auf.
Ja, ich stelle gerade zwei Bands zusammen, eine spielt meine eigenen Post-Punk-inspirierten Songs und die andere Jump-Blues-Cover. Wie du siehst, sind meine Vorlieben sehr unterschiedlich; ich glaube an die Vielfalt der Musik, weshalb ich die 1970er in das Line-up des Big Bang Vintage Festivals aufgenommen habe. Ich glaube, die Musik der 1940er bis 1970er Jahre war der Keim für alles, was bis heute entstanden ist. Und ja, ich spiele weiterhin meine Gamberras Sessions auf meinen Veranstaltungen und wo immer Leute es wollen, bei denen man alles hören kann, was ich mag.

Wie wählst du die Bands für das Big Bang Vintage Festival aus?
Es ist nicht einfach, auf einer so abgelegenen Insel jemanden zu engagieren; die Kosten und der Aufwand sind einfach höher als auf dem Festland. Dank meines musikalischen Hintergrunds und insbesondere seit dem Aufkommen der sozialen Medien erfahre ich leicht von der einen oder anderen Quelle von neuen Bands oder neuen Alben bekannter Künstler. Natürlich habe ich auch Freunde bei Produktionsfirmen, die Touren für Künstler organisieren, was ein wesentlicher Bestandteil davon ist. Und ich bin stolz darauf, dass uns täglich Dutzende von Bands anschreiben, die auf Gran Canaria spielen wollen – ein echtes Vergnügen. Wenn es darum geht, Bands aus dem Ausland zu engagieren, können sich die Künstler und Manager den Aufwand, der allein für die Anreise jeder einzelnen Band nötig ist, gar nicht vorstellen – fast 300 Euro pro Person, Wahnsinn. Aber es geht nicht anders; das ist ein weiterer Grund, Eintritt zu verlangen.

Wie siehst du die aktuelle Musikszene auf den Kanarischen Inseln?
Im Rock’n’Roll gibt es einige aufstrebende Bands, die es verdient hätten, auch überregional bekannt zu werden. NAIFE, BIFIDOS und MAMBO RAMBO sind drei gute Beispiele für neue Bands, die hier für Furore sorgen. NAIFE spielten letztes Jahr, die beiden anderen spielen dieses Jahr auf unserem Festival. Was fehlt, sind Konzertorte, aber nur ein verrückter Investor kann das ändern.

Welche Band würdest du gerne in Zukunft für das Festival buchen, wenn du könntest?
Ich kann dir nur sagen, dass ich bereits die zehnte Ausgabe plane, die 2027 stattfinden soll. Mal sehen, was in diesen zwei Jahren passiert, aber ich bin mir sicher, dass ich einige große Namen aus der Welt des Rock’n’Roll zu uns holen werde. Rockabilly, Garage, Soul, Rhythm & Blues, Swing, Jump Blues, Country, Surf, Punk, Pubrock – das alles wird auf der Bühne im San Telmo Park zu hören sein, da bin ich mir sicher. Ich lade euch alle ein, unsere Insel zu besuchen und unsere Bräuche kennen zu lernen, aber auch ein bisschen Rock’n’Roll mit uns zu tanzen!

Anzeige