BLACK VEIL BRIDES

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Rückkehr der Rächer

Sie haben sich fünf Jahre Zeit gelassen, bis nun endlich ihr neues Album erscheint. Aber das Warten hat sich gelohnt, denn „Vindicate“ wirkt größer als alles, was die Band aus L.A. bisher gemacht hat. Besonders spannend sind diesmal die vielen biblischen Anspielungen. Im Interview erklärt Sänger Andy Biersack, warum die katholische Kirche ihn seit seiner Kindheit und auch Jahrzehnte später noch prägt.

Ihr seid gerade auf Tour. Also hattet ihr schon die Gelegenheit, einige eurer neuen Songs vor einem Publikum zu spielen. Wie waren so die Reaktionen der Crowd?

Ziemlich verrückt, ehrlich gesagt. Ich denke, ich wusste es irgendwie, weil unsere Fanbase schon immer ziemlich engagiert war und die neuen Songs meist längst kennt. Aber wir haben fünf neue Titel auf der Setlist – das ist recht viel, damit verlangt man dem Publikum wiederholt ab, bei Sachen dranzubleiben, die sie vielleicht noch nie gehört haben oder die ihnen nicht so vertraut sind. Wir spielen natürlich auch immer die Hits, wie „Knives and pens“, „Rebel love song“ und „In the end“ und all das, aber es ist eine kleine Herausforderung an ein Publikum, zu sagen: Hey, 30 % der Show werden komplett neues Material sein. Ich ertappe mich tatsächlich fast dabei, auf der Bühne vor Freude aufzulachen, weil das Feedback so toll ist, dass es mich irgendwie ein bisschen umhaut.

Fairerweise mussten die Fans ja fünf Jahre auf das neue Album warten, also sind sie vielleicht einfach wirklich gehypet, neue Songs zu bekommen, und lassen sich super schnell drauf ein.
Das stimmt, ja. Es ist lustig, nachdem es fünf Jahre gedauert hat, dieses Album zu machen, arbeiten Jake und ich jetzt schon wieder am nächsten, wir sind jetzt gewissermaßen im Schwung. Es muss also nicht unbedingt wieder fünf Jahre dauern, bis sie etwas Neues bekommen. Möglicherweise kennen sie die Songs dann nicht so gut. Weißt du, vielleicht sollte ich doch ein halbes Jahrzehnt warten, bevor ich wieder was rausbringe.

Mir kommt es so vor, als würdet ihr irgendwie schon seit immer Musik machen. Wie fühlt es sich an, immer noch so erfolgreich mit BLACK VEIL BRIDES zu sein nach all den Jahren und irgendwie auch immer so konstant zu bleiben?
Ich habe die Band gegründet, als ich 15 war, und bin jetzt 35. Also hast du recht, es ist im Grunde mein ganzes verdammtes Leben. Ich denke, wenn man jung ist, liegt alles vor einem. Wenn du 15 bist, kannst du dir keine Welt vorstellen, in der nicht alles, was du dir ausdenken kannst, auch passieren wird. Da ist so viel Ehrgeiz, wenn du anfängst, und es gibt eine Zeit in deiner Karriere, in der alles möglich erscheint. Du könntest der Größte sein, du könntest größer sein als Taylor Swift, wenn du 17 bist und dir vorstellst, was du erreichen willst. Also die Tatsache, dass ich mich jetzt in dem Alter, in dem ich bin, und an dem Punkt in meinem Leben wiederfinde, an dem wir besser dastehen, als wir es seit ziemlich langer Zeit getan haben, und in manchen Fällen überhaupt jemals ... Zum Beispiel bei der US-Tour ist es der höchste Vorverkauf für Headliner-Tickets, den wir je hatten, also mehr als in der „Wretched And Divine“-Ära, mehr als je zuvor. Das ist ziemlich verrückt, denn wenn ich mich bei vielen meiner Zeitgenossen umschaue – so ist ihre Karriere nicht verlaufen. Und ich prahle nicht, ich bin einfach sehr dankbar dafür, dass wir in dieser Position sind und neue Zielgruppen uns entdecken. Es ist ein ziemlich großartiges Gefühl.

Euer neues Album „Vindicate“ hat irgendwie etwas Besonderes. Ich bin mit eurer Band aufgewachsen. Ich habe „Rebel love song“ entdeckt, als ich vielleicht 13 war. Also nach all diesen Jahren und viele Alben später fühlt sich das neue Album klanglich vertraut an, aber man kann definitiv auch hören, wie ihr euch weiterentwickelt habt. Und es ist irgendwie beeindruckend, wie ihr es geschafft habt, euch selbst über all diese Zeit so treu zu bleiben. Ich meine, du hast die Band mit 15 gegründet hast, aber es fühlt sich sehr beständig an, sogar 20 Jahre später.
Ja, ich denke, wir sind eine Band, die früh in ihrer Karriere in viele verschiedene Richtungen hätte gehen können, weil wir alle an vielen verschiedenen Arten von Musik und Stilen interessiert waren. Und ich denke, unser Debüt ist viel mehr das, was man vielleicht ein Metalcore-Album nennen würde. Als wir zum zweiten Album kamen, haben wir viel mehr so eine Art von Großartigkeit und Glam-Elemente in diesen sehr schweren Metalcore eingebracht. Und dann wurde es immer dramatischer und immer größer und größer. Und ich denke, was das ermöglicht hat, ist, dass wir nie wirklich zurückgeblickt und Alben gemacht haben, die Fortsetzungen der ersten Veröffentlichungen waren. Wir sind irgendwie für ein paar Jahre diesen anderen Weg gegangen und haben diese sehr großen Rockopern produziert. Und es hat sich immer so angefühlt wie: Mann, ich würde gerne sehen, wie diese Band mit all unserem in den Jahren erworbenem Wissen klingen würde, wenn wir zurückgehen und etwas machen würden, das unseren Anfängen entspricht. Und das war in gewisser Weise der Punkt, an dem wir angefangen haben nachzudenken. Ich denke nicht, dass dieses Album ein Throwback ist, sondern es umfasst einfach alles, was wir durch die ganzen Songs und Produzenten und Erfahrungen gelernt haben, und jetzt, da wir sozusagen die Schlüssel zu unserem eigenen Königreich übernommen haben, ist „Vindicate“ das, wo wir gelandet sind.

Wenn man sich den Titel anschaut, aber auch die Songs, entdeckt man viel religiöse Bildsprache auf dem Album. „Vindicate“ kann zum Beispiel auch in einem biblischen Kontext verstanden werden. War das ein Thema, das du wichtig fandest, während du das Album geschrieben hast?
Ich würde sagen, dass das textlich mein ehrlichstes und persönlichstes Black-Veil-Album ist. Ich habe mich einigen dieser Themen schon in meinen Solo-Sachen gewidmet, aber die Black-Veil-Alben waren in der Vergangenheit viel triumphaler. Ich bin immer hingegangen und habe über persönliche Dinge gesprochen, aber die Realität ist, dass der Großteil meines Lebens von diesem Gefühl geprägt war: „Scheiß auf die Leute, ich werde es ihnen schon zeigen.“ Also wollte ich darüber schreiben, wie es ist, auf Tour in einem Hotelzimmer zu sitzen und jemanden darüber reden zu hören, dass meine Band das Schlimmste auf der Welt ist, und mir zu denken: „Fick dich, ich werde es dir zeigen.“ Von der Zeit, als ich ein Kind war, bis jetzt habe ich den gleichen Wunsch nach Rache und Rechtfertigung in meinem Herzen. Aber der Unterschied ist, dass ich jetzt ein bisschen die Sinnlosigkeit davon erkannt habe. Und ich werde an diesem Punkt meines Lebens nicht mehr von Wut angetrieben. Ich bin viel ausgeglichener in meinen Emotionen. Aber ich wollte darüber schreiben, wie es ist, all diese Dinge zu fühlen.

Wenn man den ersten Song auf dem Album hört – ich meine, es ist kein Song. Es ist eher eine Spoken-Word-Nummer. Es fühlt sich an wie eine Einleitung zum Album und als würdest du gleich eine Geschichte erzählen. Ist das die Art von Geschichte, die du erzählen wolltest, also einfach eine sehr persönliche, so wie das Tourleben ist?
Ja, ich wollte, dass das Album fast übertrieben wütend beginnt. Also diese Rede ist sehr schwarzweiß und fast wie ein Comic-Bösewicht in ihrem Ton. Also sehr aggressiv. Und ich wollte, dass es das ganze Spektrum durchläuft, so dass ganz am Ende des Albums, der letzte Song, „Eschaton“, der sehr kurz ist, das komplette Gegenteil dieser gleichen Emotion ist. Weil ich es so sehe: Man hat oft diese Momente reiner Wut. Und manchmal äußern sich diese Momente auch in sehr ruhiger Traurigkeit. Das Beispiel wäre: Du kommst in einen Raum und keiner bemerkt, dass du da bist, und sie reden alle schlecht über dich. Du könntest sehr wütend werden und sagen: „Fickt euch alle.“ Oder, etwas wahrscheinlicher, wirst du sehr still und traurig und einsam und denkst: „Diese Leute, von denen ich glaubte, dass sie mich mögen, hassen mich.“ Also wollte ich beide Seiten dieses Spektrums abbilden.

Ihr habt sehr harte und fast aggressive Songs auf dem Album, aber dann gibt es auch Lieder, die „Hallelujah“ oder „Ave Maria“ heißen, was sehr nach Kirche klingt, die man ja nicht unbedingt mit harter Musik verbindet. Warum wolltest du diesen Kontrast?
Nun, ich gehe davon aus, dass du nicht katholisch bist.

Doch, bin ich, aber ich praktiziere es nicht wirklich.
Okay, aber bist du speziell katholisch?

Ja.
Okay. Also die Sache mit dem Katholizismus ist, dass er fast vollständig auf Angst und Schuld basiert und einer Bildsprache, die sehr aggressiv ist. Ich bin römisch-katholisch aufgewachsen, lateinische Messe, das ganze Programm. Und ich hatte ständig eine verdammte Angst in der Kirche. Und sie haben dir gesagt, wenn du ein guter Katholik bist, dann wird dir in der Nacht das blutende, brennende, schlagende Herz Jesu Christi erscheinen – und das war die Belohnung, wenn du brav warst! Als Kind haben mir solche Sachen permanent eine riesige Angst gemacht. Und deshalb stimmt mich nichts davon hoffnungsvoll. Ich betrachte es als Zeichen von Vergeltung.

Ich glaube, ich habe da eine etwas andere Wahrnehmung. Ich schätze, es ist vielleicht 15 Jahre her, seit ich das letzte Mal in einer Kirche war.
Ich bin auf eine katholische Schule gegangen und war Messdiener. Also habe ich eine sehr von Angst geprägte
Beziehung zu dieser ganzen Bildsprache, mit der ich aufgewachsen bin.

Ist das also eine Art rebellischer Akt, das in das Album einzubauen?
Ich denke schon. Aber es repräsentiert auch einfach, wer ich bin. Ich bin kein praktizierender Katholik, aber wenn man mit etwas aufwächst, das so stark ist – ich bin bei Nonnen zur Schule gegangen, ich wurde gefirmt, all diese Dinge, die man machen muss, und es war jeden Tag um mich herum als Kind. Es ist sehr schwer, Dinge nicht durch dieses Prisma zu sehen, zumindest ein Stück weit. Mein Einstieg in die Welt war dadurch geprägt. Und besonders in den Vereinigten Staaten in den frühen 2000ern war der Katholizismus nicht wirklich so populär wie evangelikale und diese eher mainstreamigen Mega-Kirchen. George W. Bush war damals Präsident und er war evangelikaler Christ. Katholizismus wurden eher wie irgendeine andere Sekte des Christentums betrachtet. Also war es fast so, als würde man in so einer eigenen kleinen Welt aufwachsen. Es war keine geschlossene Gesellschaft, aber es war schon irgendwie seine eigene Sache. So wie Freunde von mir, die mormonisch aufgewachsen sind – es ist ähnlich, es ist wie eine eigene kleine Gesellschaft. Und deshalb sehe ich viel von der Welt durch den Filter der katholischen Erziehung, auch wenn das nicht mehr mein Glaube ist.

„Eschaton“ ist sozusagen das Ende der Geschichte und zugleich der letzte Song auf dem Album. Ich musste tatsächlich nachschauen, und habe herausgefunden, dass es so etwas wie das Jenseits oder das Ende der Welt bedeutet. Also lautet die Frage: Was passiert danach?
Es geht wieder von vorne los. Also die Art, wie „Eschaton“ musikalisch endet – wenn du dir den letzten Ton anhörst – ist es derselbe Ton wie am Anfang der Rede. Die Idee ist also: Diese Art, wie wir sind, wenn du so bist wie ich und dieses Gefühl in dir hast, dann durchläufst du diesen Zyklus. „Fick dich, fick dich, fick dich, fick dich. Oh, ich gewinne. Oh, das fühlt sich irgendwie leer und hohl an. Oh Scheiße, ich habe meine Zeit verschwendet.“ Und dann wieder von vorne: „Fick dich, fick dich, fick dich.“ Also wollte ich, dass sich das Ganze wie dieser emotionale Kreislauf anfühlt, den wir erleben. Deshalb der Titel „Eschaton“ – es ist wie diese Ebene nach allem, wo du über die Wut hinaus bist und dann denkst: „Was zur Hölle mache ich jetzt?“ Was passiert als Nächstes? Also ist es einfach ein ständiger Kreislauf. Für mich jedenfalls. Und ich denke, eine bestimmte Art von Leuten wird sich das anhören und sagen: „Dieser Typ muss sich echt zusammenreißen und sein Leben in den Griff bekommen.“ Und eine andere Art von Leuten wird sagen: „Scheiße, genauso fühle ich mich auch.“ Ich wollte einfach so ehrlich wie möglich einen Teil meiner Persönlichkeit offenbaren. Ein anderer Teil meiner Persönlichkeit ist, dass ich gerne Actionfiguren sammle, aber das ist für ein Album nicht so interessant.

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