© by Sharptone RecordsSeit über 25 Jahren aktiv, zählen BLEEDING THROUGH zu den Urgesteinen des Metalcore. Mit „Nine“ zelebrieren die Amerikaner alles, was ihren Sound in den letzten beiden Dekaden ausgemacht hat. Wir sprechen mit Brandan Schieppati über ein Album, das so auch als Best-Of mit neuen Songs durchgehen würde.
In eurem Umfeld – Hardcore und Metalcore – kommen die meisten Bands nicht bis zur dritten Platte, sie lösen sich nach zwei Platten oder sogar nach ein paar Demos wieder auf, also sind neun Platten eine Leistung.
Ja, das ist es definitiv, und ich war wirklich sehr stolz darauf, dass wir in der Lage waren, unsere neunte Platte herauszubringen. Ich denke, diese Platte zeugt von der großen Dankbarkeit, die wir dafür empfinden, dass wir das immer noch in unserem Leben haben, dass die Leute fragen, was sind die Erwartungen? Ich habe keine, überhaupt keine. Ich hoffe, die Leute mögen die Platte, wir mögen die Platte. Ich denke, diese Platte erzählt einfach die Geschichte von 25 Jahren BLEEDING THROUGH, von unserer Band. Sie hat alles, von dem klassischen Sound, den wir haben, bis hin zu einem erweiterten Spektrum mit mehr Beteiligung von Marta und ihrer Art von orchestralen Sachen, die den es filmischer wirken lassen, ihr Gesang und all das. Es ist eine Platte, auf die wir wirklich stolz sind.
Für mich klang es an manchen Stellen wie eine Metalcore-Version von CRADLE OF FILTH. Ihr hattet diese Art von Sound in der Vergangenheit schon mal, aber auf diesem Album ist es, wie du schon sagtest, wie eine erweiterte Version davon. Ergab sich das ganz organisch während des Songwritings oder habt ihr diese Richtung bewusst angestrebt?
Nun, es kam ziemlich natürlich, aber wir wollten die Beteiligung von Marta auf dem Album deutlich prominenter gestalten. Sie lieferte ja schon immer einen wichtigen Teil der Musik. Aber wir hatten das Gefühl, dass der eine Schritt, den wir in der Entwicklung unserer Musik machen wollten, darin bestand, sie mehr in den Mittelpunkt zu stellen und sie mehr in die Arrangements und das Komponieren einzubeziehen und zu versuchen, meine Texte besser mit dem abzustimmen, was sie mit ihrem Instrument beiträgt. Das war ein Schwerpunkt des Albums. Wir wollten das wirklich vorantreiben und sehen, wie sich das auf unseren Sound auswirkt. Es ist ja keine komplette Abkehr von dem, wofür wir bekannt sind. Ich glaube, das war auch nichts, was wir bisher gemacht haben. Aber es war eine Entwicklung und wir wollten immer musikalisch progressiv sein, und ich denke, das haben wir dank ihr auf dieser Platte erreicht.
Gleichzeitig seid ihr sehr düster und hart geblieben. Inwiefern fordern euch da neuere Bands wie KNOCKED LOOSE zum Beispiel heraus, die ihr ja definitiv beeinflusst habt und die mittlerweile bei Jimmy Kimmel ein Millionenpublikum erreichen? Habt ihr da das Bedürfnis aufzuschließen?
Weißt du, es ist interessant, weil ich das Gefühl habe, dass unsere Härte schon immer irgendwie unsere Härte war. Ich betrachte jüngere Bands nicht wirklich als Konkurrenz. Ich bin stolz auf diese Bands, ich möchte, dass diese Bands einfach den härtesten Scheiß überhaupt schreiben. Denn immer wenn unsere Art von Musik irgendwie Aufmerksamkeit bekommt und die Leute auf einer Ebene packt, wie es nur diese Musik kann, hilft uns das einfach allen. Aber ich bin gleichzeitig der Meinung, dass manche Musik auch unnötig hart ist. Deshalb werden wir bewusst nie eine Platte schreiben, die nur diese gottlosen Heavy-Parts hat, denn wir klingen schon brutal genug. Wir brauchen dieses Element nicht, und ich denke, wenn wir etwas verwenden, das, sagen wir mal, einen KNOCKED LOOSE-Stil hat, dann ist das einfach unpassend. Wenn wir einen stark überproduzierten Breakdown hätten, wie ein Gemetzel, dann wären das nicht mehr wir.
Wer mich auf dem Album sehr überrascht hat, ist Andrew Neufeld von COMEBACK KID bei „I am resistance“. Der ist ja kaum wiederzuerkennen! Hast du ihn dazu gebracht, so zu singen?
Ich habe ihn nicht gezwungen, so zu singen, aber ich hatte das Gefühl, dass er sich an den Rest anpassen würde. Manchmal habe ich den Eindruck, dass man sich schon eher an die Musik anpasst, wenn man als Gast auf einer Platte singt. Ich hatte also irgendwie gehofft, dass er das tun würde, und mir gefällt seine Performance sehr. Ich fand es toll, ihn auf der Platte zu haben. Aber das gilt für alle drei Gäste, die wir auf dem Album haben, wie auch Doc Coyle von GOD FORBID. Die waren immer eine große Inspiration für BLEEDING THROUGH. Wir haben gerade letztes Wochenende wieder mit ihnen gespielt. Sie waren auf unserer 25-Jahres-Jubiläumsshow dabei und es war unglaublich. Und wir sind über die Jahre sehr gute Freunde geworden. Ich wollte Doc schon immer mal auf unserer Platte haben. Und zu Andrew von COMEBACK KID, also auch wenn die Paarung seltsam erscheint, wir haben mit ihnen getourt. Wir haben über 100 Shows mit ihnen gespielt. Wir haben also diese gemeinsame Geschichte und ich wollte ihn dabei haben. Dann Brian von SHADOWS FALL, wir sind erst spät in unserem Leben Freunde geworden, aber wir haben so viel Respekt vor dieser Band und vor dem, was sie uns ermöglicht haben. Vor den Möglichkeiten, die sie für Bands wie uns damals eröffnet haben. Und er ist kein Typ, der häufig auf den Platten anderer Leute aufgetaucht ist. Ich wollte also wirklich, dass er das macht. Ich sagte: „Du bist nicht wirklich oft Gastsänger. Aber bitte sei auf unserem Album dabei!“ Und er sagte: „Wirklich?“ Und ich so: „Ja.“ Und es ist cool geworden. Ich wollte einfach Leute haben, die eine Geschichte mit der Band haben, mit denen wir befreundet sind und die uns inspirieren.
Was ich an „Nine“ wirklich mag, ist die Produktion, denn auf vielen eurer älteren Platten war die Produktion nicht schlecht, aber es war, sagen wir mal, zeitgenössischer Metalcore. Aber diese Platte klingt wie ein zeitloses Metal-Album.
Wir haben es hauptsächlich selbst in unserem Studio hier aufgenommen. Wir haben es einfach so zusammengebastelt. Ich habe meine Vocals mit Tim Lambesis in seinem Studio aufgenommen. Und dann haben wir es zu unserem neuen Produzenten geschickt, mit dem wir diesmal zusammengearbeitet haben. Es ist Aaron Chaparian von Iron Audio. Er hatte unter anderem ein paar der Neuaufnahmen von „This Love, This Is Murderous“ gemacht und wir mochten seine Arbeit. Wir haben mit ihm besprochen, dass wir einen Sound haben wollten, der nicht so offensichtlich modern ist, aber auch nicht so, dass man klar zuordnen kann, wann das Album genau aufgenommen wurde. Wie du gesagt hast, ich wollte, dass diese Aufnahme vor zehn Jahren gut geklungen hätte, und ich will, dass diese Aufnahme auch in zehn Jahren noch gut klingt. Deshalb hat sich das so entwickelt. Er hat es also produziert, gemischt und gemastert.
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