© by Alex SchroerSeit drei, vier Jahren hat sich im Ruhrgebiet, genauer gesagt in Duisburg, eine Band vom Geheimtipp zum Hallenfüller entwickelt, die viele noch nicht auf dem Schirm haben. Die Rede ist von BUTTERWEGGE, die so heißen, weil ihr Frontmann eben Carsten Butterwegge heißt. Sie schlüpfen in die Lücke zwischen BROILERS, SONDASCHULE und FEINE SAHNE FISCHFILET, machen keinen Hehl daraus, auf welcher Seite ihr Herz schlägt, und legen es darauf an, dass ihr neues Album „Liebe & Revolte“ sie bald auf weitaus größere Bühnen katapultiert als bislang. Wo aber kommt diese Band „plötzlich“ her? Wieso habe ich sie erst in den letzten beiden Jahren so richtig wahrgenommen? Was hat das Ganze mit einem Duisburger Punk-Kneipenwirt zu tun und einem lebensverändernden medizinischen Notfall? „Der Butterwegge“ – unter diesem Namen tritt Carsten solo auf – kam zum Jahreswechsel ins Ox-HQ, um all diese Fragen zu beantworten.
Carsten, es wurde im Vorfeld dieses Interviews von Leuten spekuliert, dass „Butterwegge“ ein Künstlername sei und eine Bezugnahme auf den Soziologen Christoph Butterwegge.
Wir haben uns nicht nach dem Soziologen benannt. Ich habe den auch noch nie getroffen, obwohl ich sehr oft auf ihn angesprochen werde. Ich hoffe, der wird mittlerweile auch mal auf mich angesprochen. Wir haben uns so genannt, weil uns damals einfach nichts Besseres eingefallen ist, als meinen Nachnamen zu nehmen. Witzig ist, dass mich die Leute immer fragen, wie kommt man auf so einen bescheuerten Bandnamen. Das ist aber mein Name. Für mich ist das gut, da brauche ich mich nicht umzustellen und es gibt niemals Stress über Namensrechte.
Es ist einer der eher ungewöhnlichen deutschen Nachnamen, weißt du, wo der herkommt?
Das ist wohl was Flämisches. Das heißt nichts anderes als Brötchen. Deswegen habe ich auch damals gedacht, lass uns einfach einfach BRÖTCHEN nennen, aber da fand ich BUTTERWEGE dann doch witziger.
Du lebst vegan und hast dieses tierische Streichfett im Namen ...
Veganerwitze höre ich mir immer sehr gerne an. Vor allem diesen: „Wie erfährst du, dass jemand Veganer ist? Er wird es dir gleich erzählen.“ Und ich sage immer: „Wie erfährst du, dass jemand Fleischesser ist? Er wird dir diesen scheiß Witz erzählen.“ Ich bin vegan, aber ich versuche, Leuten damit nicht auf den Sack zu gehen.
Du zeigst es nur deutlich, mit einer prägnanten Tätowierung.
Ich zeige es deutlich, ja, und ich habe auch einen Song gemacht, „Wat ist mit vegan?“ Als ich angefangen habe, vegan zu leben, war ich genauso missionarisch unterwegs, vegetarisch lebe ich schon seit Ende der 1990er, vegan seit zehn Jahren oder so. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich ab und an einen vegetarischen Ausflug mache, seit mein Sohn auf der Welt ist, der ist jetzt sieben und vegetarisch. Da esse ich schon mal was mit, bevor wir was wegschmeißen. Zu Beginn war ich also auch so ein Missionar wie alle, die eine neue Wahrheit gefunden haben, ob das eine Religion ist oder was auch immer. Ich habe da sehr hart missioniert und bin Leuten damit massiv auf den Sack gegangen, weil ich davon überzeugt bin, dass das das Richtige ist. Ich habe dann aber diesem Missionieren abgeschworen, weil ich gemerkt habe, dass das nur das Gegenteil auslöst. Und versuche das jetzt ab und zu subtil in Songtexte einzubauen, so wie in „Wat ist mit vegan?“, das dazu anregen will, mal darüber nachzudenken und nicht mit dem erhobenen Finger ankommt. Weil ich das von mir selber kenne, wenn mir jemand mit erhobenem Zeigefinger kommt, höre ich dem gar nicht erst zu. Vegan ist immer noch ein sehr wichtiges Thema in meinem Leben, aber auch so Normalität geworden, dass ich das gar nicht immer erzählen muss. Und wenn ich mit Leuten im Restaurant bin und ich frage nach, ob die das vielleicht auch in vegan haben, dann mache ich das ja nicht, um darauf hinzuweisen, dass ich Veganer bin, sondern nur, weil ich was Veganes essen möchte. Wenn dann jemand kommt und sagt „Du isst gar kein Fleisch?“, dann sage ich einfach nur „Nee.“ Und wenn ich gefragt werde wieso, dann sage ich schon, dass ich Massentierhaltung und das Schlachten von Tieren einfach falsch finde. Und dann wird mir hinterher vorgeworfen, ich hätte denen das Essen versaut. Dabei habe ich einfach nur reagiert auf die Fragen, die da gestellt wurden. Aber das wird mit der Zeit entspannter, weil vegan sein nicht mehr so die Ausnahme ist. Ich nehme mich selber ab und zu auf die Schippe, wenn ich solo spiele, dann sage ich was wie: „Ich bin einer von den nervigen Veganern. Deswegen mache ich jetzt ein Lied zu Veganismus.“
Ihr habt als Band mit dir als Texter Lieder zu vielen Themen, für die man vom anderen politischen Spektrum her als „woke“ beschimpft wird, von Gender bis zu sozialen Themen.
Ja, und das ist witzig, weil wir uns überhaupt nicht als woke empfinden. Mir wird auch mal vorgeworfen, ich sei so ein Ruhrpott-Klotz. Also so richtig „woke“ fühle ich mich überhaupt nicht, weil ich auch Witze mache, die in der woken Szene eher nicht „p.c.“ sind. Wir sind sechs verschiedene Leute in der Band und wir haben zu allem was zu sagen. Jeder von uns hat klare Ansichten zu bestimmten Themen. Wir wissen, dass es sich auf Dauer abnutzt zu sagen, Nazis sind scheiße und Frauenrechte sind wichtig, aber deswegen solche Themen nicht immer wieder anzusprechen, ist auch keine Lösung. Wir versuchen, das neben Klamauk und trivialem Scheiß laufen zu lassen. Wenn ich singe „Das Beste an dir war ich“, an eine Ex-Freundin gerichtet, ist das ja der trivialste Dad-Joke überhaupt. Aber das hat bei uns genauso Platz, wie Lieder darüber zu schreiben, wie sich Leute fühlen, die Misshandlungen erlebt haben. Weil auch das aus unserer Band kommt. Zwischen diesen Hardcore-Themen wie Depression und diesen Quatsch-Themen wie „Ich hab heute kein Bock dir beim Umzug zu helfen“ wird vieles mittlerweile „woke“ genannt, was meiner Ansicht nach überhaupt nicht woke ist. Man wird schnell in so eine Ecke gedrängt, in der wir uns jetzt überhaupt gar nicht sehen. Das sind Themen, die gibt es in der Punkrock-Szene schon seit 50 Jahren. Uns oder mir als Texter ist wichtig, eine klare, deutliche Sprache zu sprechen. Eine verständliche Sprache, wo ganz klar ist, da gibt es keine Grauzone mehr, kein Rumeiern, genau so sehen wir das. Das kannst du jetzt auch so sehen oder eben nicht. Und wenn nicht, bist du deswegen noch kein Arschloch, aber kannst ja mal drüber nachdenken. Mich beschäftigt zum Beispiel, warum wird jemand ein Nazi. Oder warum wird jemand homophob. Wenn ich mit 13, 14 in der falschen Ecke groß geworden wäre, wo viele Nazis sind, und die hätten mich so sozialisiert, dann wäre ich heute vielleicht ganz anders drauf. Wobei man, finde ich, so mit 20, 21 mal langsam auf die Idee kommen kann, dass das bescheuert ist.
Reden wir über das Ruhrgebiet. BUTTERWEGE ist so Ruhrgebiet wie LOKALMATADORE, DIE KASSIERER, SONDASCHULE oder EMSCHERKURVE 77. Ich will die Bands nicht unbedingt vergleichen, die sind oder waren ja sehr unterschiedlich in ihrer Entwicklung, aber von außen kann man die schon als „typisch“ fürs Ruhrgebiet wahrnehmen, und wenn es nur das „Wat“ und „Dat“ ist. Aus München, Berlin oder Stuttgart kommen „solche“ Bands nicht.
Ich glaube, dass es für das Ruhrgebiet steht, dass die Menschen klar, ehrlich und direkt sind. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass die Leute im Norden sehr ähnlich sind. Wenn ich in Hamburg, Bremen, Osnabrück oder Hannover bin, da sind die Leute ähnlich deutlich. Es ist immer schlecht zu pauschalisieren, das fällt mir schwer. Obwohl man auch selbst „Vorurteile“ hat. Die Leute gehen bei Konzerten in, was weiß ich, in Bamberg bei „Tanzende Punks“ genauso ab wie in Erfurt und hier im Pott.
Punks sind sich insgesamt also ähnlicher?
Ja, und dazu kommt, was auf einem Konzert meiner Ansicht nach transportiert wird: Heute sind wir hier alle nur aus einem Grund, weil wir hier zusammen ein geiles Erlebnis haben wollen. Da gibt es bei uns auch mal Tränen, wir haben Spaß, es gibt Pogo. Und diese zwei Stunden sind wir jetzt hier eine Einheit. Das mag abgedroschen klingen, aber wir machen aus „euch“ und „uns“ ein Wir. Und das funktioniert in allen Städten. Sicher sind Leute anders drauf, wenn die anders sozialisiert sind, aber die Leute, die zu unseren Konzerten kommen, hören ja die gleiche Mucke. Wenn in München jemand SONDASCHULE hört und einer in Bochum, dann hören die ja die gleiche Mucke und die gleichen Aussagen und sehen viele Dinge gleich, sonst würden sie sich das ja nicht anhören. So große Unterschiede innerhalb unserer Gesellschaft gibt es da nicht, so von wegen Süden, Osten und so.
„Der Osten bleibt stabil“, heißt es auf eurem neuen Album.
Ja, den Satz hat mal jemand zu mir gesagt auf einem Konzert in Leipzig, glaube ich. Ich stand nach dem Konzert am Merchstand und sagte „Alter, ich bin froh, dass ich Antifaschist in NRW bin und nicht in Mecklenburg-Vorpommern, weil das ist bestimmt ein ganz anderer Schnack.“ Dann hat der gesagt „Scheißegal, der Osten bleibt stabil.“ Das fand ich so geil, daraus haben wir einen Song gemacht, wo wir sagen, dass wir hier im Ruhrgebiet eigentlich in einer relativ safen Blase sitzen und es im Osten ein ganz anderer Schnack ist, Antifaschist zu sein. Ich habe das zum ersten Mal so richtig gemerkt, als wir nach einem Festival dieses Jahr in Halberstadt in der Zora pennen sollten. Als wir dort nachts angekommen sind, wurden wir von einem Mitarbeiter der Zora da reingeführt und dann gebeten, bitte nicht so laut zu sein, weil nebenan schon wieder eine Nazi-Party sei. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Wir haben sicherlich unsere Eigenarten, auch innerhalb unserer Republik, auf die man dann stolz sein kann oder die man scheiße finden kann oder was auch immer. Aber sobald das Konzert losgeht, ist es mir scheißegal, in welcher Stadt wir sind.
Dass hier im Pott eure Homebase ist, dafür spricht, dass ihr für eure Release-Shows das Zentrum Altenberg in Oberhausen zweimal ausverkauft habt.
Ja, der Ruhrpott ist schon Homebase, deswegen machen wir die Release-Shows ja auch in Oberhausen und nicht in ... Würzburg. Auch im Don’t Panic in Essen ist es immer voll, wenn wir spielen. Ich bin mit den Vorverkaufszahlen für die nächste Tour aber nicht nur zufrieden, ich bin total geflasht, das sind alles so 200er- bis 300er-Läden. Wir sollten größer buchen, ist uns geraten worden, aber ich fand es geiler, volle Läden zu haben. Die Tour geht Ende Februar in Oberhausen los und dann schauen wir mal, wie sich das entwickelt. Größere Läden bedeuten eben auch höhere Eintrittspreise, die du dann nehmen musst, und ich wollte unbedingt unter 30 Euro bleiben. Ich fand das selbst als Konsument bei vielen Bands schon oft arschig, dass die, sobald die am Erfolg gerochen haben, direkt sehr viel teurer geworden sind. Ich merke aber jetzt, da wir einen Weg gehen, wo es langsam etwas erfolgreicher wird, dass du ab einer gewissen Größe auch mehr Geld nehmen musst, weil die Produktion einfach super teuer wird. Ich wollte aber unbedingt unter 30 Euro inklusive Gebühren bleiben, deswegen haben wir gesagt, wir bleiben in Läden, wo das noch finanziell machbar ist. Ich will nicht, dass die Leute 35 Euro bezahlen müssen für eine Band, die, seien wir mal ehrlich, noch ein Newcomer ist.
Ein Newcomer, aber auf dem Ox-Cover.
Auf dem Ox-Cover zu sein, das ist ja etwas, wovon wir nie geträumt haben. Wir sind null mit dem Anspruch rangegangen, dass wir eine bekannte Punkrock-Band werden wollen. Ich war schon Anfang 40, als die Idee aufkam, eine Band zu gründen. Ich war damals Kneipenwirt, ich hatte eine Punkrock-Kneipe in Duisburg.
Indie hieß beziehungsweise heißt die.
Ja, die heißt immer noch Indie, aber wird von jemand anderem betrieben. Wenn du da reingehst, sieht es aber noch genau so aus wie damals.
Wie kamst du zur Kneipe? Was hast du vorher gemacht?
Ich bin gelernter Krankenpfleger, habe das fast zehn Jahre gemacht, aber der Beruf hat mich gekillt irgendwie. Dann habe ich umgeschult zum Veranstaltungskaufmann, weil ich immer schon als DJ und Hobbymusiker Partyreihen veranstaltet habe, zum Beispiel so eine Alternative-Indie-Party, wo ich als DJ aufgelegt habe. Das war damals im Hundertmeister in Duisburg, das dann später Gramatikoff hieß. Da habe ich auch meine ersten Konzerte veranstaltet, habe in der Reggae-Szene relativ viel gemacht, bis mir das zu homophob wurde oder besser gesagt, bis man die Homophobie da erkannte, die es ja immer gab. Selbst der „Prophet“ Bob Marley hat Texte gemacht hat, die echt nicht okay sind. Ich war früher Kiffer, habe dann automatisch Reggae gehört, so kam das. Also diese Szene war dann für mich scheiße, und so habe ich mit den Reggae-Sachen aufgehört. Parallel hing ich immer in der Punkrock-Szene rum, und dann habe ich gedacht, ey Alter, du musst jetzt auch mal wieder ein bisschen Geld verdienen. Immer nur Nudeln und Tomatensauce war scheiße. Ich habe damals in einer WG gelebt mit einem Tätowierer, deswegen bin ich auch so tätowiert. Der hatte nie Geld für die Miete und hat mir dann oft Tattoos gemacht. Ich kam direkt nach Schweinehaut bei dem. Ich habe ein paar Sachen am Körper, die sind echt ultra hässlich. Aber egal, die gehören auch dazu. Da ich Veranstaltungskaufmann bin, kam ich dann zu einer Ticketingfirma, bin als Sales Manager eingestellt worden, weil ich viele Kontakte in die Szene hatte. Nach einem Jahr merkte ich aber, dass ich nicht zum Sales Manager geboren bin. Und so habe ich dann eine Diskothek aufgemacht, 2011, zusammen mit einem alten Kumpel, der aus der HipHop- und Rap-Szene kam. Das war der High Five Club, in einem alten Kino in der Duisburger Innenstadt. Der Vorbesitzer rief mich an und sagte: „Ey, ich mach den Club zu, willst du den haben?“ Der wollte ganz wenig Knete haben, der wollte einfach nur raus. Und dann haben wir den Club da aufgemacht und haben auch Punk-Sachen versucht, aber das Ding war viel zu groß, das war ein 800er-Club. Also haben wir viel Rap und Hip-Hop gemacht und jeden Samstag irgendwelche 90s-Partys und all so einen Kram. Das lief super, aber nach anderthalb Jahren haben sie uns den Laden dichtgemacht wegen Brandschutz. Da war in Duisburg die Love Parade gerade ein paar Jahre her, die hatten natürlich total Schiss vor schlechter Presse.
Und dann?
Als sie uns den Club zugemacht haben, habe ich gedacht, scheiße, Alter, auf arbeiten habe ich gar keinen Bock. Was mache ich jetzt? Und dann habe ich bei eBay-Kleinanzeigen geschaut, ob es nicht irgendwelche leerstehende Kneipen gibt. Ich wollte immer schon eine Punkrock-Kneipe aufmachen, und so habe ich einen alten Swingerclub gefunden. Die haben da Sexpartys gefeiert und zugemacht, weil das Nichtraucher-Schutzgesetz kurz vor der Tür stand. Die Gäste haben gesagt, ich habe keinen Bock mich anzuziehen, um draußen rauchen zu gehen. Und so bin ich dann an diesen Swingerclub gekommen, den ich Indie genannt habe. Da haben wir in drei Tagen alles rausgerissen, an einem Montagabend aufgemacht und mussten Bier nachholen, weil alle froh waren, dass in Duisburg endlich mal wieder was aufmacht. Da haben wir von 2013 bis 2018 geilste Zeiten gehabt. Die Kneipe zu haben war brutal geil. Ich habe nahezu durchgängig geile Gäste gehabt. Ich habe in fünf Jahren nur zweimal da Palaver gehabt – und das in einer Duisburger Kneipe direkt am Bahnhof. Aber das hat sich immer alles selber reguliert. Ich konnte die Mucke spielen, die ich auch privat gehört habe, und alle fanden es geil.
Darf ich hier DIE TOTEN HOSEN zitieren? „Korn, Bier, Schnaps und Wein, und ich höre meine Leber schrein.“
Ja, ich war super Kunde da. Ich habe 2018 einen Herzinfarkt bekommen, nach dem ich echt „gefragt“ hatte. Ich habe gesoffen und geraucht wie ein Schlot. Der Herzinfarkt war auch der Grund, warum ich die Kneipe dann zugemacht habe. Aber während der Zeit habe ich sehr viele Musiker kennengelernt und dann aus Scheiß gesagt, dass ich unbedingt mal ein eigenes Album machen will. Ich hatte in der Kneipe Leute aus dem obersten Regal Duisburger Musiker, die etwa für Lena Meyer-Landrut und Christina Stürmer Lieder geschrieben haben. Kai Schumacher war auch dabei, ein weltweit aktiver Pianist. Ich sagte, wenn ich eine Band mache, dann nur mit euch. Und die haben gesagt, dann machen wir das auch. Wir sind ins Studio und ich habe einfach 12, 13, 14 Songs geschrieben, ich konnte vier oder fünf Gitarrenakkorde, hatte aber seit meiner Jugend nie mehr Gitarre gespielt. Die anderen haben dann aus dem Kack, den ich geschrieben hatte, Musik gemacht, und so haben wir mein erstes Album aufgenommen, „Liebe, Lyrik, Alkohol“. Damit sollte es das eigentlich gewesen sein.
Das war quasi ein Solo-Projekt.
Ja, deswegen lief das unter dem Namen Butterwegge. Dann fanden plötzlich alle dieses Album geil, und so haben wir einfach weitergemacht. So bin ich Musiker geworden, ich hatte gar keinen Plan. Ich wollte eigentlich mein ganzes Leben lang Kneipenwirt sein und saufen. Aber meine Frau war im siebten Monat schwanger, als ich den Herzinfarkt hatte, und da stellen sich existenzielle Fragen. Nachts bin noch selber ins Krankenhaus gefahren mit meiner Frau. Ich kriegte keine Luft mehr nach der Probe, hatte noch Pommes gefressen und noch eine Kippe geraucht. Nachts um elf bin ich dann in die Ambulanz und habe gesagt: „Wo muss ich hin? Ich hab einen Herzinfarkt.“ Und dann ging es zackzack, Stent gelegt und so. Dann liegst du da nachts wach als übergewichtiger Säufer, der zwei Schachteln Kippen am Tag raucht, die Frau ist schwanger, und fängst an nachzudenken. Alter, war es das jetzt? Ich werde Vater, Rauchen und Saufen ist jetzt vorbei, Kneipe kannst du wahrscheinlich dichtmachen. In dieser Nacht, in der du auf der Intensivstation liegst, bricht alles über dich herein und du hast das Gefühl, wenn du jetzt nicht Vater werden würdest, wäre es gut, wenn du jetzt einfach stirbst. Das war es.
Und dann ...?
Es hat sich zum Glück komplett das Gegenteil eingestellt. Mein Leben ist heute tausendmal geiler als damals. Ich trinke immer noch Alkohol, aber in Maßen und immer nur, wenn ich Bock habe und nicht, wenn da gerade was steht. Ich rauche nicht mehr. Ich habe einen siebenjährigen Sohn. Ich bin immer noch mit meiner Frau zusammen, glücklich sogar. Und das mit der Musik läuft. Ich muss nicht arbeiten, habe eine kleine Agentur, Harten Hund Booking, wo ich unter anderem Tex von SLIME und ELFMORGEN sowie uns selbst buche. Ich kann nur jedem sagen, der mal so eine Scheißerfahrung hatte wie einen Herzinfarkt oder so: Das Beste kommt noch. Wenn man es überlebt. Na ja, jetzt sitze ich hier und gebe ein Ox-Interview und hätte eigentlich vor sieben Jahren schon ins Gras beißen sollen. Also für mich ist alles exzellent gelaufen, kann ich nur sagen.
Ich muss sagen, ich habe lange nicht kapiert, wer oder was dieses Butterwegge-Ding ist. Hier und da bekam ich mal was mit, aber irgendwie erschloss sich mir die ganze Story nicht und warum das ein paar Leute im Pott so abfeiern. Das kam erst im Sommer 2025, da merkte ich live, warum andere vor mir so begeistert von dir, von euch waren. Ist BUTTERWEGGE erklärungsbedürftig?
Ich glaube, das hat zwei Gründe, weil es, glaube ich, relativ vielen Leuten so geht wie dir. Der Zwakkelmann hat mich mal gefragt: „Alter, wer bist du? Wo kommst du denn her, Junge?“ Der erste Grund ist sicher, dass wir vor dreieinhalb Jahren die Leute in der Band komplett ausgetauscht haben. Die Leute damals aus der Kneipe, das waren im Grunde genommen alles eher Studiomusiker und so, die mit Punk nicht wirklich was zu tun hatten. Ich wollte aber zurück zu meiner alten Liebe Punkrock, da hatten die keinen Nerv drauf und es war auch keiner böse. Aber mein alter Schlagzeuger ist jetzt der Schlagzeuger von SONDASCHULE, und die anderen machen alle wieder ihre Sachen.
Das war also nie eines dieser Ein-Personen-Klampfer-Projekte?
Nee, das mit den Solo-Sachen kam erst viel später. Ich habe einfach überlegt, mit wem habe ich Bock, BUTTERWEGE weiterzumachen, wenn ich Richtung Punkrock will. Ich wollte immer schon mit Dani Hilterhaus von ANGELIKA EXPRESS zusammen Musik machen. Die kommt aus dem SONDASCHULE-Umfeld, ist verheiratet mit Mirko von SONDASCHULE, und Tim von SONDASCHULE kenne ich auch schon seit vielen Jahren, im Ruhrpott kennt man sich halt. Also habe ich Dani einfach angeschrieben und sie war sofort dabei. Bei der vorherigen Albumaufnahme hatten wir einen Drumtech im Studio, den Max. Den habe ich gefragt, ob er Schlagzeuger sein will, und der kannte eine Gitarristin. So kam es, dass wir dann zwei Mädels hatten, das war nämlich gar nicht so, dass wir das zusammengestellt haben. Und jetzt sind wir drei Mädels und drei Jungs. Das kam, weil es egal war, und das ist das Schöne: männlich, weiblich oder divers, egal. Plötzlich waren wir eine diverse Band – einfach so, nicht zusammengecastet. Dass das auch Türen aufmacht, die sonst zubleiben, ist mir klar. Es ist ein schöner Nebeneffekt. Das heißt ... als wir zu fünft waren, mit zwei Mädels und drei Jungs, da haben wir gesagt, dass wenn jetzt noch jemand für ein Blasinstrument dazukommt, dann gucken wir uns gezielt nach einem Mädel um, dann sind wir drei-drei. Das hat ja auch geklappt, wir haben Svenja gefunden. Das war also der der erste Grund, warum es punkiger wurde.
Und der zweite Grund ...?
Wir haben lange Zeit Punkmusik gemacht für Leute, die gar keine Punkmusik hören. Jemand hat auch mal gesagt, der Butterwegge macht Radiomusik für Leute, die gar kein Radio anmachen. Ich glaube, dass wir im dem Punk-Umfeld erst seit zwei, drei Jahren wahrgenommen werden, weil wir dann auch durch die Veränderung unseres Aussehens und der Musik zurück zum Punk kamen. Plötzlich haben wir wieder auf Punk-Festivals gespielt, und so wurde die Punk-Szene auf uns aufmerksam.
Ging das vorher eher so Richtung Stadtfest?
Nee, auf einem Stadtfest haben wir tatsächlich nur einmal gespielt, und das erst seitdem wir wieder richtig Punk machen. Wir haben vorher eher in Clubs gespielt, aber halt nicht in Punk-Clubs, nicht im AZ in Mülheim oder so. Die Musik war eher folkpoppig und folkpunkig. Und mit den Studiomusikern damals war es nicht möglich, etwas zu singen wie „Halt dein Maul“. Die Sprache ist klarer geworden seitdem.
Dann ist meine Wahrnehmung gar nicht so falsch gewesen, BUTTERWEGGE brauchte mich wirklich gar nicht zu interessieren.
Genau. Das höre ich öfter. Erst seit drei Jahren sehen wir nach Punk aus. Wenn ich auf dem Plattencover so tätowiert neben vier Jungs mit Hemd und Jeans stehe, wie früher, sieht das anders aus, nicht wie eine Punkband. Aber das jetzt ist nicht konstruiert, sondern einfach passiert und deshalb werden wir seit zwei, drei Jahren anders wahrgenommen. Und ich glaube auch, weil die Mucke nicht so scheiße ist. Wir machen schon ganz okaye Sachen irgendwie.
Es ist Musik, die eingängig ist. Und Tröten helfen immer, Tröten machen immer gute Laune. Und du hast als Texter ein Händchen für gute Slogans. Das hörst du einmal, das hörst du zweimal und beim dritten Mal kannst du den Refrain schon mitsingen.
Zu mir hat mal jemand gesagt, eine Hookline ist dann gut, wenn man die auch aufs T-Shirt packen kann. Den Songtitel „Kein Bock“ kannst du auf ein T-Shirt schreiben, das zieht jeder an. Oder „No pasarán“ vom neuen Album. Das habe ich nicht neu erfunden, aber wir wollten sagen, warum jetzt hier keiner durchkommt. Wenn jemand einen CSD angreifen will, dann sind wir da, dann werden wir versuchen, das zu verhindern.
Ihr macht live und mit euren Songs schon relativ deutlich klar, wo ihr steht.
Ich bin nicht so der Kompromiss-Typ. Ich kann nicht verstehen, wie jemand Faschist sein kann oder jemanden hassen kann, den er nicht kennt. Und das sind Dinge, die treiben mich total um. Wie kann ich jemanden hassen, nur weil der einen Mann liebt? Das sind Dinge, die sind für mich so weit weg, dass die mich immer wieder beschäftigen und deswegen einfach auch in Form von Texten aus mir rauskommen. Und dann gibt es Thematiken, die so aufploppen. Wenn du dich zum Beispiel mit jemandem unterhältst und feststellst, der hatte auch Depressionen. Ich hatte Depressionen, bei mir ist das jetzt gut, bei dem ist das aber noch scheiße. Also muss dieses Thema weiter in die Mitte der Gesellschaft. Wieso kümmert sich keiner um dieses Problem? Als ich „Alle an die Wand“ geschrieben habe, war ich total schockiert über die Erlebnisse eines Bekannten, der mir erzählt hat, weil er es heute bereut, was so früher bei dem zu Hause los war, wenn er besoffen war. Da habe ich gedacht, das müssen alle mal gehört haben. Und deshalb denke ich, es muss mehr solche Songs geben. Wir sollten ein Teil derer sein, die sagen, dass dieser misshandelte Mensch, der das Gefühl hat, er möchte seinen Vater erschießen, das Gefühl darf der haben. Der macht das ja nicht. Wir singen ja auch, das ist Quatsch, das zu machen. Aber das mal aus Sicht von jemandem zu schreiben, der das selber erlebt hat, finde ich total wichtig. Ich finde es aber genauso wichtig, dass sich jeder auf einem Konzert vergessen und bei „Tanzende Punks“ volle Pulle abfeiern kann. Und dann haben wir wieder einen Song wie den über Alan Kurdi, den kleinen Jungen, der bei der Flucht übers Meer ertrunken ist. Dieses Bild, wie der da tot am Strand liegt, lässt mich mein Leben lang nicht mehr los, ich habe mir seinen Namen tätowieren lassen. Diesen Song werden wir immer mal spielen, vielleicht nicht auf jedem Konzert, aber dafür muss auch Platz sein. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich so viel schreibe. Weil ich das Gefühl habe, es muss unheimlich viel raus.
Wo kommt das her, dieses Schreiben? Hast du das schon immer gekonnt? Hast du das schon als Krankenpfleger gemacht?
Ich habe immer schon viel gelabert. Deswegen hatte ich auch mal überlegt, Poetry Slammer zu werden. Aber es war nie so, dass ich mich hingesetzt und gedichtet hätte oder so was.
Der Nachteil bei euren Auftritten ist, wenn ihr einen 40-Minuten-Slot habt und einer so viel labert wie du, kriegt man gar nicht so viele Songs geboten.
Ich arbeite dran. Und deshalb spiele ich auch solo, weil ich da was ausleben kann, das ich mit der Band nicht genug machen kann, nämlich das Gequassel. Am ersten Weihnachtstag habe ich zuletzt solo gespielt, das dauert vielleicht zwei bis zweieinhalb Stunden, aber ich spiele nur zwölf Songs oder so, weil ich 50% labere. Ich habe keinen Plan, was ich da erzähle. Klar schreibe ich mir verschiedene Dinge auf und es gibt ein paar Geschichten, die ich schon mal öfter erzähle, weil ich weiß, die Leute finden die witzig. Ob die wahr sind oder nicht, das lasse ich immer offen, darüber können die sich selber Gedanken machen. Da lebe ich dieses Labern aus. Ich glaube, ich mache bei den Solo-Konzerten das Gleiche, was ich früher als Wirt gemacht habe. Ich habe hinter der Theke gestanden und die Leute vollgequatscht. Oder die Leuten haben mich zugequatscht, ich kann ja auch zuhören. „Kneipenphilosoph“ hat mal jemand über mich geschrieben. Ich habe immer schon viel geredet und fand es immer schon schön, im Mittelpunkt zu stehen. Ich war immer schon extrovertiert, war Kapitän in der Fußballmannschaft und Klassensprecher und so.
„Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sache regelt.“ Bist du das auch in der Band?
Ich gebe da schon die Richtung vor, würde ich jetzt vorsichtig sagen.
Und was machen die anderen?
Mich bremsen.
Bei Ideen, die nicht so gut sind?
Bei manchen Ideen. Ich bin zum Beispiel kein Pazifist. Wenn ich bei einem CSD stehe oder bei einer Demo und da kommen Faschos und greifen an, dann habe ich Schiss, aber ich schlag zurück. Ich greife auf gar keinen Fall einen an, ich würde niemals von alleine auf jemanden zugehen und den schlagen. Aber ich weiß das von mir, weil ich das aus meiner Vergangenheit kenne: Ich haue zurück. Und in meiner Band gibt es Leute, die finden Hauen grundsätzlich scheiße. Die finden Gewalt total scheiße. Da kommt es dann bei der einen oder anderen Aussage in einem Songtext vor, dass jemand sagt, dafür stehe ich nicht, ich möchte nicht, dass wir das singen. Und das Recht haben die natürlich. Aber wir sind keine basisdemokratische Band. Wobei ich glaube, dass die anderen es auch gut finden, dass jemand da vorangeht, weil das eben sauviel Arbeit ist mittlerweile. Erfolgreicher zu werden, bedeutet auch, dass es anstrengend wird. Das darf man nicht vergessen. Wir sind eine ziemlich homogene Truppe geworden. Die bremsen mich, die heizen mich aber auch an, die motivieren mich total. Und was Entscheidungen angeht, so bespreche ich alles mit denen. Jedoch wenn es um eine finale Entscheidung geht, fälle ich die, aber so, dass jeder in der Band damit leben kann. Alle sollen auf die Bühne gehen und von allem, was wir da machen, überzeugt sein können.
Man kann dich auch als Trauredner buchen, also für Hochzeiten ...
Dazu bin ich ja gekommen, ohne dass ich das geplant habe. Vor vielen Jahren hat ein Kumpel von mir geheiratet und der hat gesagt, du kannst doch labern, kannst du nicht bei uns den Trauredner machen. Und dann habe ich gesagt, ja klar, kann ich machen, warum nicht. Ich mache nicht so viele Hochzeiten, jedes Jahr sieben, acht, neun. Mehr schaffe ich gar nicht. Dazu gibt es eine kleine Insta-Seite, Hochzeitspunk heißt die. Das läuft so nebenbei, ich mach das aber gerne, weil das in der Regel Hochzeiten sind, die echt Bock machen. Wenn ich dann ankomme, werde ich auch mal für den Getränkelieferanten gehalten. Dass ich der Hochzeitsredner da bin, das schnallen die gar nicht. Aber ich komme ja aus gutem Mittelschicht-Hause. Das war scheiße für mich als junger Punk, damals mit 14, 15. Ich wollte gegen meine Eltern rebellieren, die waren aber voll in Ordnung.
Beispielsweise in eurem Song „Koffer voller Liebe“ findet man in den Credits den Namen Tim Kleinrensing – wo ist die SONDASCHULE-Connection in Sachen Songwriting?
Das kam dadurch, dass ich beim letzten Album „Alle drehen durch“ von 2024 mehr mit Bläsern machen wollte. Tim und ich kennen uns schon seit Urzeiten. SONDASCHULE kannte ich schon, da haben die in Duisburg-Beek am Hallenbad vor 24 Leuten den Song „Sieger“ gespielt – und heute stehen sie damit in der Mitsubishi-Halle in Düsseldorf und verkaufen das Ding aus. Ich habe mir gedacht, wenn du geile Bläser brauchst, da fragst du am besten mal den Tim in Sachen Arrangement. Ich kenne keinen, der das besser kann. Und so saßen wir im Studio und er sagte, spiel mir mal die anderen Sachen vor, und dann habe ich ihm die vorgespielt, und er hat zu allen möglichen Sachen sofort irgendwelche Ideen gehabt, die die Songs alle aus meiner Sicht besser gemacht haben. Und dann habe ich gesagt, wenn du Bock hast, produzier doch einfach mit. Und er hatte Bock drauf. Ich finde, man hört es zum Teil auch, dass sich verschiedene Bläser so anhören, als wären es SONDASCHULE-Sounds. Deswegen spielte Tim, was Arrangements und Tipps angeht, auch beim neuen Album eine federführende Rolle.
Wie läuft das so ab?
Ich setze mich alleine zu Hause hin und schreibe Songs. Dann gehe ich zu Heiko ins Studio. Wir nehmen seit ein paar Jahren im Red Room Recording in Rheinberg auf bei Heiko Dürr, das ist der ehemalige Mischer von BETONTOD. Wir beide arrangieren, machen die Songs fertig und dann setzt sich Tim dazu und macht jeden Song noch besser.
Die Algorithmen von Spotify interessieren sich nicht für Politik. „Rockmusik mit deutschen Texten“, da kann man auch mal in schlechte Gesellschaft geraten. Ein Thema für dich?
Ich habe noch nicht gesehen, dass wir in so einem Kontext auftauchen, weil wir uns sehr, sehr klar positionieren. Dass mal so ein Song dazwischen rutschen kann, das kann schon passieren. Dass jemand, der Onkelz hört oder FREI.WILD, dass der auch mal „Kein Bock“ hat – und in dem Song kommt ja überhaupt nichts Politisches vor –, dass der also so einen Song in seiner Timeline hat, das kann mal passieren. Man kann natürlich wie Jan Delay sagen, ich will nicht, dass ihr meine Lieder hört oder singt. Der andere Ansatz könnte sein, dass es gut ist, dass denen so was reingespielt wird, weil dadurch hören die vielleicht irgendwann auch mal noch mal einen zweiten oder dritten oder vierten Song und fangen an nachzudenken. Bei den ganz Verlorenen, die es in unserer Gesellschaft auch gibt, kannst du freilich machen, was du willst – siehe Amerika und Trump, der kann machen, was er will, dem werden immer irgendwelche Leute folgen. Und das wird auch bei der AfD so sein. Je älter ich werde, desto mehr Anteile bekommt der misanthrope Narzisst in meinem Leben, aber ich habe auch immer noch den weltumarmenden Empathen in mir. Und dazwischen gibt es ganz, ganz viel. Ich habe immer noch Hoffnung. Deswegen gibt es auch dieses Album „Liebe & Revolte“. Denn ich glaube, wir brauchen mal eine richtig harte Liebesattacke in diesem Land. Die irgendwann sagt, so, Freunde, das war ja jetzt alles lustig und schön und schlecht und gut und was auch immer. Aber jetzt so langsam sollten wir wieder anfangen, uns bei jemandem zu bedanken, der uns im Straßenverkehr durchlässt. Mit so Kleinigkeiten muss man anfangen. Und auf dem Teller darf Frieden auch anfangen. Also ich finde, wir brauchen wieder ein bisschen mehr Rücksicht. Alles wird durch alle gespalten. Alt gegen Jung. Frauen gegen Männer. Links gegen rechts. Ost gegen West. Deswegen müssen wir die Revolte beibehalten, aber wir brauchen auch wieder ein bisschen mehr Liebe.
© by - Ausgabe # und 5. Februar 2026
© by - Ausgabe # und 2. Februar 2026
© by - Ausgabe # und 29. Januar 2026
© by - Ausgabe # und 9. Januar 2026
© by - Ausgabe # und 2. Januar 2026
© by - Ausgabe # und 18. Mai 2022
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #154 Februar/März 2021 und
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #173 April/Mai 2024 und Frank Weiffen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #172 Februar/März 2024 und Frank Weiffen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #137 April/Mai 2018 und Lars "Abel" Gebhardt
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #160 Februar/März 2022 und Markus Franz
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #129 Dezember16/Januar17 2016 und Lars "Abel" Gebhardt
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Fabi Schulenkorf
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #150 Juni/Juli 2020 und Sven Grumbach