© by Timo VogtCASINO GARDEN haben 2024 mit „Transition“ via Barhill ihr viertes Album veröffentlicht und damit ein begeisterndes Neo-Shoegaze-Werk geschaffen. Wir nahmen die räumliche Nähe zu Wuppertal (und unser Wissen um die Reize der Stadt) zum Anlass, uns von Matthias (voc, gt) erläutern zu lassen, warum zwischen Vohwinkel und Oberbarmen mehr Spannendes geht, als das der Rest der Republik vermutet.
Wie hat es euch nach Wuppertal verschlagen?
Wir sind alle außer David in Wuppertal aufgewachsen, David ist Kölner.
Würdet ihr sagen, dass ihr einen konkreten Bezug zu Wuppertal habt? Etwa was Namensgebung, Songs, Plattentitel oder Artwork betrifft?
Wir haben uns nach einem kleinen Stadtpark im Stadtteil Elberfeld benannt. Im Kasinogarten haben wir schon so manche Abende ausklingen lassen oder sie nahmen dort ihren Anfang. Zwischenzeitlich musste die kleine Grünfläche als Parkplatz herhalten oder war Teil einer größeren Baustelle. Die Namensgebung war schließlich so was wie eine Hommage an den Kasinogarten.
Gibt es in Wuppertal für eure Musik eine Szene und gleichgesinnte Bands oder seid ihr eher Einzelkämpfer:innen?
Wir haben seit der Bandgründung einen enormen Output an Songs, unser Sound ist entsprechend vielseitig. Der rote Faden in unserer Musik ist wohl das, was man Shoegaze nennt, also dieses verträumte, noisige, melancholische in unserer Musik. Darum ordnen wir uns selbst auch diesem Genre zu. Erweitert man den Umkreis auf NRW, gibt es einige gleichgesinnte Bands. Ob man das nun Szene nennen kann, weiß ich nicht. Wir erleben aber, dass es sehr einfach ist, sich mit Bands aus diesem Genre zu connecten. Man spürt wirklich überhaupt keine Form von Rivalität, sondern man greift sich gegenseitig unter die Arme, vermittelt Kontakte weiter etc. Schon seit einigen Jahren erlebt das Genre gefühlt einen Hype, was wir natürlich super finden. Alte Genregrößen wie SLOWDIVE und RIDE sind inzwischen wieder fest im Sattel und veröffentlichen regelmäßig neue Alben, man sieht aber auch immer wieder neue Shoegaze-Bands auf Festivalplakaten, Einzelkämpfer sind wir also definitiv nicht.
Bezieht ihr euch auf eine bestimmte musikalische Tradition der Stadt, gibt es da „historische“ Connections?
Bis vor einigen Jahren hatte Wuppertal eine sehr lebendige Undergroundszene, die auch gut gefördert wurde. Da gab es zum Beispiel das Schüler-Rockfestival, das einmal im Jahr in der Uni-Halle stattfand. Das war zu den besten Zeiten nahezu ausverkauft, da konnten sich kleine Bands vor tausenden Zuschauern präsentieren. Es gab außerdem regelmäßige Konzerte lokaler Bands im Live Club Barmen oder das Beyenburg rockt-Festival, solche Veranstaltungen haben damals einfach viel mehr Leute angezogen. Ich glaube, die Menschen, die die künstlerische Szene heute noch unterstützen, denken sehr gern an diese Zeiten zurück, ich selbst fühle mich auch noch damit verbunden.
Welche DIY-Strukturen wie beispielsweise Konzertgruppen gibt es, wo bringt ihr euch ein?
Unser Drummer leitet eine Reihe namens Rookie-Session im BürgerBahnhof, eine kleine Location in Vohwinkel. Die Rookie-Session ist ein seit 2014 etabliertes Konzertformat. Etwa vier oder fünf Mal im Jahr finden hier Gigs weitab des Mainstreams statt. Über 30 Shows gab es bereits, bei denen jungen, talentierten Bands aus den verschiedenen Rock- und Pop-Bereichen eine Bühne geboten wurde, mehrheitlich Newcomern aus der Region. Im Fokus stehen dabei Bands und Musiker, die dem „Schülerrock“ entwachsen sind und bereits das erste eigene Material veröffentlichen konnten. Stilistisch ungebunden und der Vielfalt verpflichtet, wurden bislang die Genres Progressive Rock, HipHop, Singer/Songwriter, Alternative, Indie, Post-Rock, Shoegaze, Post-Punk und Dreampop präsentiert. Die Auftritte dienen dem musikalischen Austausch, der Vermittlung von Bühnenerfahrung und dem Ausbau der Fanbase. Außerdem schließt die Konzertreihe eine wichtige Lücke in der Musiklandschaft des BürgerBahnhofs und im Angebot für die Jugend im Stadtteil, denn Musik jenseits des Mainstreams findet erst durch die Rookie-Session in Vohwinkel statt.
Nehmt uns mal mit in die Live-Musikszene von Wuppertal. Wo geht was, welche Clubs, AZs gibt es, was zeichnet die aus ... und wo habt ihr schon überall gespielt?
Konzertlocations haben wir einige hier: die Börse, Hutmacher, AZ, Loch ... Die lassen auch kleine Bands wie uns bei sich spielen – was wir auch schon häufig getan haben. Es gibt noch einige mehr, aber da muss man erst mal in Vorkasse gehen, um da zu zocken. Im AZ gibt’s viel Punk, im Hutmacher mehr Indierock, im Underground mehr Metal. Aber jede Location lässt auch andere Genres bei sich auftreten. Im BürgerBahnhof in Wuppertal-Vohwinkel haben wir wohl am häufigsten gespielt. Größere Bands machen meistens im LCB oder in der Börse Halt.
Was schätzt ihr an der Musikszene dieser Stadt?
Dass Clubbetreiber und Adressen wie das Kulturbüro, aber auch Soundtechniker und jede Menge Ehrenamtliche versuchen, diese Undergroundszene am Leben zu halten. Für alle Beteiligten ist ein Konzertabend mit unbekannten Bands inzwischen im Grunde ein Minus-Geschäft, aber man weiß, wie wichtig es ist, dass solche Abende stattfinden, darum packt man es an.
Wie sieht es mit Infrastruktur aus? Gibt es etwa bezahlbare, akzeptable Proberäume?
Ich weiß von ein paar Adressen in Wuppertal für Proberäume: Oxtor, U-Club, in der Münzstraße, Schwelmerstraße und Corneliusstraße, im letzteren sind wir derzeit drin. Da zahlt man sich überall dumm und dämlich, daher teilt man sich die Räume mit mehreren Bands, das ist aber, denke ich mal, überall so. Die Räume an sich sind aber okay, man kann rund um die Uhr laut sein und hat eine Heizung drin.
Wo kauft man bei euch seine Platten? Welche Läden könnt ihr empfehlen?
Natürlich bei Pop Art in Elberfeld, Grüße an Astrid!
Und wie lautet die abschließende Wertung für Wuppertal?
Jederzeit gerne wieder!
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Thomas Kerpen