CRYSTAL LAKE

Foto© by Century Media

Comeback mit Ra(h)menbedingungen

Vor drei Jahren wurde Sänger John Robert Centorrino nach einem aufwändigen Casting-Prozess Mitglied von CRYSTAL LAKE und trat damit in die Fußstapfen von Ryo Kinoshita. Einen überaus beliebten Frontmann zu ersetzen, ist keine leichte Aufgabe – obendrein als US-Amerikaner in einer rein japanischen Band, die seit 20 Jahren zum Metalcore-Inventar zählt. Nun erscheint mit „The Weight Of Sound“ ihr erstes Album seit 2018, eine Art Comeback-Platte. Die Erwartungen sind hoch, John ist ein Nervenbündel, aber die Freude überwiegt. Uns verrät er in einem heiteren Gespräch, wie die Arbeit daran lief und was Dave Grohl damit zu tun hatte. Ziemlich schnell geraten wir allerdings ins Schwärmen über Japan und Essen.

Wie würdest du deine ersten Jahre mit der Band beschreiben?

Viel harte Arbeit. Es wurde vieles überdacht, Neues gelernt. CRYSTAL LAKE sind eh eine hart arbeitende Band und so eine Situation setzt dem die Krone auf. Wenn man seinen Sänger verliert, ist das frustrierend. Auch die Fans machen sich Sorgen. Alle waren die Band so gewohnt, wie sie war, wie sie klang, da musst du schauen, wie du reinpasst. Du musst bedienen, was die Leute hören wollen, ohne nachzuahmen, was vorher gemacht wurde. Du willst ja nicht der sein, der vorher deine Rolle ausgefüllt hat, sondern du selbst.

Wie arbeitet ihr zusammen? Du lebst in den USA, die anderen in Tokio – bist du oft in Japan?
Ich bin kürzlich von New York nach Florida gezogen und bin nur zum Touren in Japan. Am Anfang war ich fünf Monate dort, bis wir alles geregelt hatten. Für das Album haben wir uns in sehr hohem Tempo Dateien hin- und hergeschickt. Wir geben uns ehrliches Feedback, das vor allem darauf basiert, wie wir uns fühlen, wenn wir die Sachen hören. Auch wenn ich Lyrics schreibe, denke ich eigentlich erst mal nur an die Gitarren. Dazu schickt mir YD, unser Gitarrist, meist eine kurze Beschreibung seiner Emotionen und ich suche mir dann etwas in meinem Leben, das dazu passt. Manche Songs schreiben sich leichter als andere. „Everblack“ ging schnell, hat nur zwei Feedback-Schleifen gebraucht. „Sinner“ hat lange gedauert. Ursprünglich war das ein Song, zu dem beim Casting alle etwas beisteuern sollten. Aber als meine Version fertig war, hatte ich keinerlei emotionale Verbindung zu den Lyrics. Also fing ich noch mal von vorne an und schrieb letztendlich darüber, dass ich mich wie ein Frevler fühle, weil ich mir ständig selbst im Weg stehe. Diese Gedanken kamen vermutlich auch daher, dass es eben so lange dauerte, den Song fertigzustellen.

Vor zwei Jahren habt ihr gesagt, ihr wollt euch selbst herausfordern und neue Wege erkunden. Würdest du heute sagen, das hat funktioniert?
Ich denke schon, gerade beim Gesang. Man hört auf „The Weight Of Sound“ viele Vocal-Styles, die man mit CRYSTAL LAKE bislang nicht in Verbindung gebracht hat. Sehr stolz bin ich auf „Coma wave“. Als wir den geschrieben haben, dachte ich viel an meine Rock-Einflüsse wie die FOO FIGHTERS. Ich singe zwar nicht wie Dave Grohl, aber ich mag, wie er Melodien schreibt.

Wie würdest du die Dynamik in der Band beschreiben?
Sehr unterschiedlich, je nachdem wer gerade etwas sagt. Denn wir sprechen nicht die gleiche Sprache. Ich kann nicht genug Japanisch, um mich an Unterhaltungen zu beteiligen. Sie sprechen zwar Englisch mit mir, aber untereinander Japanisch – nicht, um etwas zu verheimlichen, sondern weil es einfacher für sie ist. Aber die Jungs sind verrückt, wie Zehnjährige im Körper von Erwachsenen. Die spielen Schere-Stein-Papier darum, wer eine Line Salz ziehen muss, oder zünden Klopapier vor den Kojen der anderen im Nightliner an – haha! Es macht echt Spaß mit ihnen.

Wie läuft’s denn mit dem Japanisch lernen?
Am Anfang gut, aber im Bandalltag ist es schwierig geworden. In Japan ist die Kultur auf Tour eine andere: Man geht nach der Show nicht einfach ins Bett, es wird erst mal gefeiert, gegessen, die Show analysiert und über Freundschaften diskutiert. Es ist unhöflich, nicht dabei zu sein. Dann ist man erst gegen zwei Uhr im Hotel – und um sieben Uhr musst du wieder aufstehen. Ich versuche mir immer nebenbei Sachen aufzuschreiben und zu merken, habe aber heftiges ADHS und weiß nach fünf Minuten schon gar nicht mehr, worum es ging. Ich brauche auch ewig, um mir Namen zu merken, mache mir Notizen im Handy, um zu lernen, wer in der Crew wer ist. Mein Gehirn braucht einfach mehr Wiederholungen als andere. YD ist da faszinierend: Wenn er mich mal nach einem englischen Wort fragt, hat er es für immer in seinem Gehirn abgespeichert. Generell sind die Jungs alle sehr smart.

Was magst du an Japan am liebsten?
Tokio erinnert mich sehr an New York, nur sauberer und sicherer. Ich liebe die Shows, die Leute gehen so krass ab. Und natürlich das Essen! Egal, was dir die Leute vorsetzen, alles ist lecker. Ich liebe Ramen von Kitakata 
– den Laden gibt es auch in Frankfurt. Die meisten Filialen sind aber in Japan. Ich muss mir unbedingt ein Ramen-Tattoo stechen lassen! Ramen ist das Nummer-1-Essen von CRYSTAL LAKE. Sushi und Tako-yaki sind natürlich auch toll und wenn immer wir ein Izakaya finden, gehen wir hin. Es ist halt das Beste, was du zwischen Shows machen kannst. Alle in der Band sind echte Foodies, können gut kochen – und wenn ich nicht auf Tour bin, arbeite ich im Catering.

Was ist das beste Essen, das du zubereiten kannst?
In jedem Fall Steak.

Und das beste Essen auf Tour mit CRYSTAL LAKE, außer Ramen – und außerhalb Japans?
Wir gehen gerne in Sternerestaurants, in China waren wir in einigen. Ich wünschte, wir könnten das öfter machen. Wir sparen immer ein bisschen darauf.

Zum Abschluss: Was soll hängen bleiben, wenn man „The Weight Of Sound“ hört?
Folgende Message: Wir sind alle gleich, wir stecken letztendlich alle in der gleichen Situation. Was du fühlst, fühlen wir auch. Zu manchen Bands schaut man vielleicht auf, aber wir sind einfach echte Menschen. Ich möchte, dass dieses Album und unsere Shows Menschen zusammenbringen. Dieser Gemeinschaftsgedanke ist uns wichtig.

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