
Plötzlich war es da: das Ska-Rocksteady-Quintett aus Wien, der Hauptstadt der Alpenrepublik. Nein, ganz so unvermittelt war es nicht, denn schon 2009 nahmen sie ein 3-Track-Demo auf. Dass nun ihre Debüt-LP „Box On The Ear“ erscheint und auch noch so gut ausgefallen ist, wirft sofort Fragen auf – über den Ska in Österreich, das lange Warten auf einen „echten“ Release und die dortige Szene im Allgemeinen. Schlagzeuger Mario beantwortete sie uns.
Über euch wissen wir nun wirklich fast gar nichts. Erklärt doch mal, wie eure Band zustande kam und wer zuvor oder jetzt noch in anderen Bands spielt ...
Wir kennen uns alle mehr oder weniger seit dem Kindergarten. Als Teenager gingen wir in dieselbe Schule und verliebten uns in die klassischen britischen Subkulturen und alles, was dazugehörte. Es folgten unzählige Besuche von nationalen und internationalen Konzerten und Festivals. Irgendwann gründeten wir verschiedene Bands oder wirkten darin mit. Bereits vor den DANDIFIEDS hatten wir gemeinsame Musikprojekte, und auch aktuell spielen einige von uns zusammen in mehreren anderen Bands. Mittlerweile haben wir uns übrigens zu einem Sextett vergrößert.
Wie ist es mit Rocksteady und Ska in Wien? Überschaubar oder wächst da etwas heran?
Als die DANDIFIEDS gegründet wurden, hatten wir Glück mit der Skanking Night in Wien. Zu dem Zeitpunkt gab es richtig viel Publikum, aber der Hype klang irgendwann ab. Die Arena Wien gibt weiterhin nationalen Acts die Möglichkeit, sich im Vorprogramm großer Bands zu präsentieren – dafür sind wir sehr dankbar. Insgesamt ist es also überschaubar.
Ihr habt ja auch auf dem tollen This Is Ska Festival in Deutschland gespielt. Gibt es Ska-Festivals dieses Formats auch in Österreich, oder sind sie in Planung?
Uns hat es aus den Socken gehauen! Das This Is Ska war einfach unglaublich. So etwas hat von uns noch niemand erlebt, in Österreich schon gar nicht. Ein Top-Event mit tollem Veranstalterteam. Hut ab!
Euer erstes Demo ist ewig her. Wie kam ihr jetzt zu Randale Records? Habt ihr das Demo ausgegraben und neu verschickt oder seid ihr bei einer eurer Live-Shows „entdeckt“ worden?
Wir sind nach einer sehr langen Pause wieder ins Studio gehangen und haben ein paar neue Songs aufgenommen. Mit den alten und neuen Aufnahmen sind wir dann auf Labelsuche gegangen und haben auch Randale angeschrieben. Die waren sofort begeistert – ein Riesenglück für uns! Dass es überhaupt noch Labels gibt, die Vinyl rausbringen, ist ja in Zeiten wie diesen unglaublich. Und weil es bei uns einige Schallplattensammler in der Band gibt, sind wir für diese Chance sehr dankbar.
Eure Songs sind so herrlich intensiv und dabei „unaufgeregt“, was ich als Kompliment meine. Da ist dieser Mix aus 2Tone-MADNESS-Sound, Desmond Dekker-1960er-Beat und 1990er Rocksteady wie etwa bei „Kalles Kaviar“. Gibt es ein Konzept, heißt es tonal und vom Output her bei euch oft „Weniger ist mehr“?
Danke. Das nehmen wir absolut als Kompliment, auch wenn wir nichts dafür tun, außer uns auf etwas zu konzentrieren, das wir lieben und richtig gut können. Den Rest lassen wir zu Hause und genießen die Zeit miteinander.
Die aktuellen Probleme mit zu wenigen Konzertbesuchern oder Ticketverkäufen, wie sehr tangieren euch die?
Wir blenden das aus. Aus Dingen, die man nicht ändern kann, macht man das Beste. Abgesehen davon sind wir es noch aus unseren Teenagertagen gewöhnt, dass der Underground vom Herzblut und Engagement lebt. Wir wollen fair entlohnt werden, also zumindest der Stundenlohn eines Facharbeiters sollte drin sein. Unsere Ansprüche sind also realistisch.
Eure Musik ist vor allem live ein Erlebnis, obwohl ich Studioalben auch sehr mag. Wie seht ihr das?
Alles hat seine guten und schlechten Seiten. Auch die Studioarbeit kann richtig Spaß machen: das Feilen an Details, die Zeit, die man miteinander an einem Ziel arbeitet – das kann sehr verbindend sein. Live ist natürlich geil, weil man mit dem Publikum im Austausch ist und Resonanz von außerhalb der eigenen Bubble bekommt. Die Partys danach und die Auswärtsfahrten können schon richtig lustig sein.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Markus Franz
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