DEAD PIONEERS

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This machine kills fascists

2024 erschien mit „Po$t-American“ das Album, mit dem die Band aus Denver wohl erstmals auf dem Radar vieler auftauchte. Und nun, gerade mal ein Jahr später, kommen sie bereits mit „Wagon Burner“ um die Ecke. Wir sprechen mit Sänger Gregg Deal über Kunst, Politik und Musik.

Ich war tatsächlich ziemlich überrascht, dass ihr schon wieder ein neues Album fertig habt. Das letzte kam doch gerade erst ...

Ja, im April letzen Jahres war das. Tja, ich werde alt. Wir sind eigentlich alle alt. Unser Gitarrist Josh ist der Jüngste von uns. So wie ich das sehe, ist unsere Haltbarkeit begrenzt. Also machen wir einfach weiter. Es geht auch ein bisschen um die Aktualität des Augenblicks, weißt du, wir machen das wirklich nicht, um Popstars zu werden. Es geht um die Kunst dahinter. Und die Kunst erfordert meiner Meinung nach, dass gerade jetzt gewisse Dinge gesagt werden müssen, besonders in unserem Land, wo die Lage so prekär ist. Und die Art, wie ich schreibe, ist nicht besonders poetisch – was man hört, ist genau das, was ich denke, ziemlich direkt, und ich habe das Gefühl, dass direkte Aussagen gerade jetzt ihren Platz haben. Deshalb ist jetzt der Moment, genau so eine Art von Kunst machen, die es einem ermöglicht, diese Dinge laut und deutlich anzusprechen. Es ist ein wichtiger Zeitpunkt für alle Kunstschaffenden, nicht nur für uns. Aber gerade Punkrock entstand in einer Zeit der Gefahr, und diese Art von feindseliger, systematischer Unterdrückung sorgt für Innovation und kann sogar dazu beitragen, gute Kunst zu inspirieren.

Ich bin in den 1990ern aufgewachsen und vielleicht war mein Englisch damals noch nicht so gut, aber es kam mir so vor, als wären die wenigsten Skatepunk-Bands wirklich politisch gewesen. Erst PROPAGANDHI waren für mich ein einschneidendes Erlebnis.
Von PENNYWISE gibt es zum Beispiel jede Menge gesellschaftliche Kommentare. Auch BAD RELIGION sind in ihren Texten ziemlich politisch. Ich bin allerdings ein bisschen enttäuscht, dass sie sich momentan nicht über ihre Songs hinaus öffentich äußern, aber sollen sie tun, was sie tun wollen. THE CLASH sind ein klassisches Beispiel dafür, dass diese politische Haltung im Vordergrund stand und die Anfangsphase des Punkrocks in Großbritannien vorangetrieben hat – und wie unglaublich politisch das war. Und sogar die komplette Verweigerung und der Nihilismus der SEX PISTOLS bewirken irgendwie dasselbe. In den späten 1980ern fand ich meinen Einstieg im alten Hardcore, also Straight-Edge-Hardcore-Musik, bei der es um Positivität und ein gesundes Leben ging, darum, auf sich selbst und auf die Gemeinschaft zu achten. Aus heutiger Perspektive würde ich sagen, dass auch das auf seine eigene Weise sehr politisch ist, weil es eine Community ist, die diese Werte hochhält. Aber wir leben inzwischen auch erstmals in einem Zeitalter, wahrscheinlich seit der Nixon-Regierung, sicherlich spätestens seit Reagan, in dem die Dinge so offensichtlich problematisch sind, dass einfach jeder dazu eine Meinung hat. Ich meine, heute gibt es sogar Folksänger, die über die Regierung herziehen. Es ist verrückt. Und so sind wir in diesen Zeitraum eingetreten, in dem niemand wirklich still hält, wenn es um Politik geht. Wenn ich an offen politische Bands denke, die mich geprägt haben und die nicht gerade poetisch waren, sondern es direkt auf den Punkt gebracht haben, dann sind das PUBLIC ENEMY und natürlich in den frühen 1990ern RAGE AGAINST THE MACHINE. Das sind zwei Bands, die in politischer Hinsicht kein Blatt vor den Mund nehmen. Man weiß genau, wovon sie reden. Und deren Message heute aktueller ist als je zuvor. Ich bin mit diesen Bands aufgewachsen, und sie sind immer noch aktuell. Mein Vater stammt aus dem Süden. Und so waren Folk und Blues für ihn sehr wichtig. Außerdem war er ein alter Hippie. Also zum Beispiel CROSBY, STILLS, NASH & YOUNG, das war ja eine Zeit der Protestmusik. Es hat der Musik einfach einen Weg eröffnet, sich zu entwickeln. Aber vor all dem, gab es schon Johnny Cash, gab es Woody Guthrie oder den frühen Bob Dylan – diese Musik war extrem politisch, so dass Woody Guthrie sogar als Kommunist galt. Und im Grunde genommen war er das auch, aber aufgrund seiner Ideologie und seines Denkens und er galt als radikal. Hört euch Woody Guthrie an. Seine Musik klingt nicht radikal. Es ist Folk. Aber was für eine Inspiration. Ich meine, wir reden hier von einem Typen, der 1943 angefangen hat zu spielen. Er schrieb „This machine kills fascists“ auf seine Gitarre. In den 1950ern und 1960ern ist das ist ziemlich radikal und super politisch. Denn damals gab es eine amerikanische Nazi-Partei, die in den Vereinigten Staaten große Kundgebungen veranstaltete. Nicht wie heute, wo sie alle ordentlich auftreten, Anzüge tragen und im Weißen Haus sitzen. Es ist lustig, ich war beteiligt an der Maskottchen-Debatte über die öffentliche Darstellung indigener Völker in stereotyper und rassistischer Art und Weise. Und bei der Recherche stellte sich heraus, dass die amerikanische Nazi-Partei gegen die Integration schwarzer Spieler in den Profi-Football protestierte. Und so gibt es diese Schwarzweißfotos von Menschen in voller Nazi- und SS-Uniform in Washington, D.C., die ein Schild hochhalten, auf dem steht: „Haltet unsere Redskins weiß.“ Unsere Rothäute? Die Ironie dieser Leute ist damals genauso lächerlich wie heute. Aber ich meine, historisch gesehen ist das alles da. Und so sind die politischen Songs von Woody Guthrie aus den 1950er und 1960er Jahren, ja sogar schon aus den 1940er Jahren, heute noch genauso relevant wie damals. Was meiner Meinung nach Bände darüber spricht, in was für einer problematischen Lage sich unser Land befindet, denn wenn wir in den 1940er Jahren schon in Schwierigkeiten waren, dann, bei Gott, stecken wir jetzt in unglaublichen Schwierigkeiten! Das scheint auch für den Rest der Welt offensichtlich zu sein. Musik und Kunst spielen also eine Rolle bei all dem, aber gleichzeitig gibt es Leute in den sozialen Medien, die sich im Jahr 2026 wundern, dass RAGE AGAINST THE MACHINE eine politische Band sind. Und die Kommentare verfassen wie: „Haltet die Politik aus der Musik raus.“ Ich kann das einfach nicht begreifen, aber das war schon immer so.

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