DEEZ NUTS

Foto© by MIke Ghost

Mit voller Wucht zurück

Auch wenn es aufgrund ihres ausgiebigen Tourens den Anschein hatte, dass die australische Hardcore-Institution nie wirklich weg war, ist es doch fünf Jahre her, dass DEEZ NUTS etwas Neues veröffentlicht haben. Mit „Saudade“ sind sie nun wieder da. JJ Peters erzählt uns im Interview, was sich verändert hat und was sie zu der Band gemacht hat, die sie heute sind.

Seit eurem letzten Album hat sich einiges getan. Ihr seid als Band durch eine harte Zeit gegangen und auch die Welt hat sich weitergedreht. In eurem Promotext heißt es, DEEZ NUTS 2025 seien eine andere Band. Was genau bedeutet das für dich?

Vordergründig gab es natürlich erst mal einen Wechsel im Line-up. Aber mehr noch als das denke ich, wäre es
auch seltsam, wenn wir nach fünf Jahren noch die selben Menschen wären und die selbe Musik machen würden. Es ist eine lange Zeit, in der wir viel Lebenserfahrung sammeln konnten. Und wie sagtest, ist auch die Welt eine andere geworden. Wir als DEEZ NUTS sind da auch nicht stehengeblieben. Da ist so viel, das passiert ist und worüber man sprechen kann und sollte. Das ist es, was euch auf dem neuen Album erwartet. Treffender wäre es wahrscheinlich, dass wir eine aktualisierte Version
der Band sind, die wir schon immer waren.

Wie viel JJ von vor 15 Jahren ist denn auf dem neuen Album noch vorhanden?[b/]
Ich bin eigentlich noch ziemlich kompromisslos ich selbst. Aber es gibt schon einiges, das ich heute so nicht mehr sagen würde. Trotzdem liebe ich es nach wie vor, in meinen Texten zu provozieren. Aber als erwachsener Mann mit zwei Töchtern und einer anderen Sicht auf das Leben verändert sich das natürlich. Ich schäme mich allerdings nicht für Dinge, die ich in der Vergangenheit gesagt oder getan habe. Ich würde es heute nur eben anders machen. Wenn ich im Jahr 2035 feststellen würde, dass ich immer noch die selbe Person wäre, die die gleichen Fehler macht und den gleichen Scheiß redet wie heute, würde ich mich schon fragen: Was zur Hölle habe ich eigentlich die letzten zehn Jahre gemacht? Ich glaube und hoffe aber, dass mein Ich von 2015 stolz auf mich wäre.

Vor kurzem saßt du bei den Jubiläumsshows deiner früheren Band I KILLED THE PROM QUEEN wieder am Schlagzeug. Wie ist es für dich, der jetzt als Frontmann viel Energie versprüht, sich bei Shows wieder hinter einem Drumset zu verstecken?
Das ist irgendwie seltsam. Du stehst als Schlagzeuger zwar offensichtlich weniger im Rampenlicht, trotzdem verspüre ich einen viel größeren Druck. Ich habe nie den Respekt vor Drummern verloren und weiß, dass sie das Rückgrat einer jeden Band sind. Aber ich habe vergessen, wie viel Druck auf dem Schlagzeuger lastet. Wenn ich als Sänger einen Fehler mache, kann ich das leicht kaschieren. So tun, als wäre es Absicht, und das Mikrofon ins Publikum halten. Eigentlich kann ich machen, was ich will. Als Drummer kannst du dir keinen Fehler leisten. Ich habe deutlich mehr Leistungsdruck gespürt. Trotzdem war es cool und ich habe mich der Herausforderung gestellt. Aber jetzt freue ich mich umso mehr auf die kommenden DEEZ NUTS-Shows. Das wird für mich mit weniger Nervosität verbunden sein. Nachdem ich zehn, fünfzehn Jahre keine Drumsticks mehr in der Hand hatte, habe ich mir in einem Monat alle Songs wieder beigebracht und war echt zufrieden damit. Alle waren überrascht, wie gut das geklappt hat. Trotzdem freue ich mich wieder sehr, ans Mikro zu gehen.

Im Song „Miss me with that“ beschwerst du dich über sogenannte Traumatouristen. Aktuell wird, gerade auf Social Media, sehr viel über psychische Themen geredet, was ich für eine sehr gute Entwicklung halte. Vor allem Begriffe wie Trauma werden allerdings dabei sehr schnell und häufig benutzt. Wie findest du die Entwicklung und den Umgang mit diesen Themen?
Damit muss man immer sehr vorsichtig sein. Ich sehe mich nicht in der Position zu sagen, wessen Trauma echt ist und wessen nicht. Als ich diese Zeile geschrieben habe, hatte ich eine ganz bestimmt Situation im Kopf. Ich habe in der Vergangenheit etwas erlebt, unter dem ich sehr gelitten habe, und einige Leute in meinem Umfeld haben sich in meinem Trauma und dem damit verbundenen Leid gerade zu gesuhlt. Ich wurde schon einige Male auf diese Zeile angesprochen, seitdem der Song veröffentlicht wurde. Ich wurde sogar schon gefragt, ob ich Traumata damit quasi gatekeepen würde. Aber das war natürlich nie im Leben meine Absicht. Dennoch habe ich auch das Gefühl, wenn diese Begriffe ständig von anderen als Schlagworte in den Raum geworfen werden, dass dies die Bedeutung für die Menschen, die wirklich darunter leiden, etwas abschwächt. Wenn man so was benutzt, sollte man schon wissen, welches Gewicht diese Begriffe haben.

Du lebst ja schon sehr lange vegan. In den letzten Jahren hat pflanzliche Ernährung einen großen Aufschwung erlebt. Vor allem in der Szene, aber natürlich auch gesamtgesellschaftlich. Kürzlich hatte ich allerdings das Gefühl, dass der Trend eher etwas abflaut und es wieder schwieriger wird. Wie empfindest du das?
Für mich, der sein ganzes Leben Vegetarier war und seit knapp 20 Jahren vegan lebt, ist die Situation heute wirklich gut. Die Verfügbarkeit von pflanzlichen Optionen macht es mir mittlerweile so viel einfacher, auf Tour zu sein. In meinen frühen 20ern war es unmöglich, sich auf Tour gesund zu ernähren und vegan zu leben. Da musste man sehr kreativ werden. Das war eine ziemliche Herausforderung. Aber inzwischen hat jeder Supermarkt vegane Angebote. Sogar die meisten Fastfood-Läden haben etwas Passendes, wenn es mal schnell gehen muss.Ich denke, es gab in den letzten zehn bis zwölf Jahren einen starken Aufwärtstrend für veganen Lebensstil. Aber es wurde so sehr zum Trend, dass wie bei jedem anderen Trend irgendwann der Punkt kommt, an dem die Blase platzt. Und wenn die Leute das nicht aus ethischen, gesundheitlichen oder ökologischen Gründen tun, sondern einfach weil es gerade „in“ ist, dann springen sie alle gleichzeitig wieder ab, wenn der Trend vorbei ist. Und wie bei jedem anderen Geschäftsmodell bedeutet das, wenn weniger Menschen vegan leben, dass die Nachfrage sinkt, was wiederum weniger Auswahl und weniger Konkurrenz im pflanzlichen Bereich bedeutet. Mich selbst betrifft das aber überhaupt nicht, ich finde es nur ein bisschen nervig. Aber ich glaube nicht, dass die Welt insgesamt einen kompletten Rückschritt gemacht hat. Bei all den Menschen, die auf den Zug aufgesprungen sind, sich pflanzenbasiert zu ernähren, ist es eher ein kurzer Stolperschritt und ich denke, das Ganze wird generell mehr an Popularität gewinnen, je mehr Menschen aufgeklärt werden. Zumindest hoffe ich das. Alles andere wäre schade. Aber am Ende des Tages mache ich das alles für mich selbst.

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