
Die einen hassen ihn, die anderen lieben: Dr. Thomas Lau alias Emil Elektrohler. Seit den ersten Ausgaben des ZAP ist er mit seiner Kolumne dabei, kümmert sich mit teilweise recht eigenwilligen Besprechungen um Demos, Fanzines und Platten, und betreut außerdem diese Fußball-Tipp-Ecke, mit der ich alter Fußballhasser allerdings noch nie was anfangen konnte. Vor zwei Jahren erschien dann mit „Die heiligen Narren" seine Doktorarbeit über Punkrock. Im letzten Semester hatte ich das Vergnügen, mir an der Uni eines seiner Seminare reinzuziehen. Wir kannten uns zwar vorher schon, aber das Seminar gab dann den letzten Kick, sich den Herrn Emil in seiner häuslichen Umgebung am nördlichen Rande des Ruhrgebiets mal genauer an zu schauen. Man wohnt übrigens reichlich idyllisch im gemieteten Einfamilienhaus, ist verheiratet und verfügt über ein Kind (weiblich).
Du bist also Dr. Thomas Lau alias Emil Elektrohler.
Ja, wobei gerne das eine vom anderen deutlich getrennt wissen möchte. Manchmal fällt das allerdings schwer.
Beim ZAP bist du so ziemlich von Anfang an dabei.
Seit der Nummer 7. Das war irgendwann '88 oder '89.
Und wie kamst du an Moses?
Moses war ja früher beim TRUST, ist dann dort aus szenebekannten Gründen abgehauen und hat zufällig in seinen Taschen die TRUST-Abokartei gefunden. Die erste Nummer des ZAP hat er dann allen TRUST-Abonnenten geschickt, und da ich das auch abonniert hatte, lag eines Tages das ZAP bei mir im Briefkasten. Naja, ich hab dann zwei Rezensionen aus meiner Hippie-Plattensammlung eingeschickt, die Moses tatsächlich abdruckte.
Deine musikalische Entwicklung begann also schon vor Punkrock.
Ja, das kann ich nicht verleugnen, haha. Meine erste LP war von DAVE DEE, DOZY, BEAKY, MICK & TICH und die erste Single „Keep On Runnin " von der SPENCER DAVIS GROUP. Das war so '65/'66, aber so genau weiß ich das nicht mehr. Damals war ich so elf, zwölf und es gab noch keine Fanzines.
Hast du denn in deiner Jugend irgendwelche Musikzeitungen gelesen?
BRAVO natürlich , MUSIKEXPRESS, und man konnte auch noch POP lesen, was heute zu POP ROCKY mutiert ist. Sonst gab es nichts.
Und wie kamst du dann Jahre später zu Punkrock?
Über meine Doktorarbeit. Bis dahin hatte ich Punk als Musik nur als einen Stil unter vielen registriert, SHAM 69 neben Sachen wie GARY NEWMAN oder CLIFF RICHARD. Über die Doktorarbeit habe ich dann meinen Nachholbedarf bezüglich der Musik und so Phänomenen wie Fanzines befriedigt.
Dein Interesse an Punk ging ja dann aber doch über rein wissenschaftliches Interesse hinaus, wie man sieht.
Schon, aber bis ich Ende der Achtziger meine Arbeit abschloss, hielt ich mich bewusst aus der Szene raus, weil ich die Distanz wahren wollte. Erst danach fing ich an, beim ZAP mitzumachen, wobei man das auch ganz pathetisch so ausdrücken könnte, dass ich den Spaß, den ich bei meiner Untersuchung hatte, der Szene wieder zurückgeben wollte.
Ist es denn nicht ein Problem, erst relativ spät in eine Sache einzusteigen, die in der eigenen Jugend gar nicht verwurzelt ist?
Man kann man natürlich sagen, für Punk ist es nie zu spät. Jeder sollte in seinem Leben mindestens einmal Punkrock gehört haben. Als Punk 1978 in Deutschland so richtig anfing, war ich 24. Ich studierte, und meine Eltern hatten mir gerade in Essen eine Wohnung besorgt. Gegen wen oder was sollte ich denn damals revoltieren? Schon rein biographisch war die Phase der Rebellion vorbei.
Du bist also in das Loch zwischen Hippies und Punks gefallen.
Ja, wobei ich mich immer als In-Betweenie bezeichne: Für Hippie zu jung und für Punk zu alt. Ich war selbst nie Punk, habe aber nie behauptet, dass ich es jemals gewesen bin.
Wie kam es denn dann, dass Punk dich mehr als nur als Forschungsobjekt zu interessieren begann?
Ich habe natürlich in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen gesehen, was da für ein Potential dahintersteckt - ohne jetzt Begriffe wie Subkultur oder Bewegung benutzen zu wollen und ohne die Frage anzuschneiden, ob das Potential verspielt wurde oder nicht. Meiner Meinung nach war Punk die einzige Sache in den letzten 20 Jahren, wo sich etwas bewegt hat - ohne jetzt genau klären zu wollen, was. Es hat im Punk und seinem Umfeld sehr große Neuerungen im musikalischen Bereich gegeben, im gestalterischen Bereich, was zum Beispiel Layout oder Graphik-Design betrifft, und in der Mode. Die Auswirkungen lassen sich heute noch selbst in Bereichen entdecken, die originär überhaupt nichts mit Punk zu tun haben. Heute sehe ich keine andere Bewegung, die Punk in puncto Vielfalt, Kreativität oder Innovationskraft nahekommt. Ich glaube aber, wenn irgendwann wieder einmal eine Bewegung ähnlichen Ausmaßes entstehen sollte - was ich natürlich nicht voraussehen kann -, dann müsste das seine Wurzeln im Punk haben. Es werden sicher andere Leute sein, aber ich will dann dabei sein - nicht als Beteiligter, sondern um meine bescheidenen Möglichkeiten, darunter die, die ich durch das ZAP habe, den Leuten zur Verfügung zu stellen.
Wie stehst du denn dann zu der ganzen Techno-Bewegung, die man zwar musikalisch nicht gut finden muss, aber die doch einige interessante Aspekte hat? Techno hat für mich lange nicht die Durchschlagskraft wie Punk, obwohl dort gerade mit Massen argumentiert wird - Mayday mit 100.000 Leuten und so. Das ist kein Argument: Für das Dritte Reich hat einer gereicht. Auf das Argument mit den Fliegen und der Scheiße können wir auch verzichten, denke ich. Jedenfalls ist Techno ein sprachloses Phänomen. Ich will jetzt nicht wieder die ganzen Hippie-Argumente aufwärmen, aber Techno ist einfach argumentativ ein sehr schwaches Phänomen. Dazu braucht man nur mal einen Blick in die Techno-Fanzines zu werfen. Man hört der Musik an und kann an den Fanzines sehen, dass dieTechnoszene große Probleme mit der Sprache hat. In einer Kultur, die in großen Teilen von der Sprache lebt, ist das ein nicht ganz zu vernachlässigender Aspekt. Der zweite Punkt ist, dass ich bei Techno keine Auswirkungen auf die ominöse, vielbeschworene „Straße" sehe. Auch die Kleidung weist kaum eigene innovative Kräfte auf, sondern besteht aus Versatzstücken der Punk- und Wave-Szene. Was die Musik selbst betrifft, so kann man sich einige Platten durchaus anhören, aber um aus Techno einen Lebensentwurf zu machen, der auch im Alltag trägt, reicht das alles nicht. Punk dagegen hat das geleistet.
Auf Hip-Hop trifft aber vieles, was du an Techno kritisierst, nicht zu.
Schon, aber ich sehe hier die Schwierigkeit in seiner Herkunft aus der schwarzen amerikanischen Kultur, die mit der Lebensrealität hier kaum was gemeinsam hat. Dazu muss man sich nur mal den Unterschied anschauen zwischen dem amerikanischen Rapper, der verbal rumposet, von seinen Frauengeschichten, Ballereien und tollen Autos erzählt, der nur auf Außenwirkung bedacht ist, und den deutschen Hip-Hoppern, die sehr deutsch nach innen gekehrt sind, ihre Beziehungskisten thematisieren und auf beinahe schon selbsttherapeutische Weise ihr Innerstes nach außen kehren. Leute wie CORA E oder ABSOLUTE BEGINNER haben doch mehr Probleme mit sich selbst, als dass sie sich als Unterhaltungsbeauftragte verstehen - was sie unter Umständen ja auch sein sollten.
Trotzdem gibt es ja auch jede Menge Gemeinsamkeiten mit Punk: Es ist eine Subkultur mit einer eigenen Sprache, eigenen Fanzines, eigenem Kleidungsstil und eigenen Kunstformen.
Das schon, aber es bleibt oder blieb bisher zumindest folgenlos. Ich sehe noch keine Illustrierte, die ihr Cover sprüht. Es gab aber sehr schnell Zeitschriften, die diesen Punk-Stil mit zusammengeklebten Elementen a la „Never mind the bollocks" für ihr Layout übernommen haben. Bei Hip-Hop sehe ich solche Übertragungen nicht.
Aber was die Zusammenhänge zwischen Musik und Politik betrifft, so sind die L.A.-Riots ja nicht komplett von der Hip-Hop-Ghettokultur zu trennen.
Man muss einfach Hip-Hop dort und Hip-Hop hier voneinander trennen. Hip-Hop kommt hier genauso gut an wie Coca-Cola, Kaugummi und Nylonstrümpfe. Man kann zwar die Äußerlichkeiten des Phänomens übernehmen, aber die Verwurzelung in der jeweiligen Kultur bleibt auf der Strecke. Mit den Skinheads ist das doch das Gleiche: In England sind bzw. waren sie in der Arbeiterschaft verwurzelt, während hier nur Versatzstücke übernommen wurden, ohne dass das Phänomen eine Basis in der eigenen Gesellschaft hat.
Warum hat das aber dann bei Punk funktioniert?
Weil Punk etwas Originäres und Einzigartiges war und gleichzeitig die regionalen Grenzen überschreitend. Es hat einfach überall funktioniert, weil es - was jetzt sehr pathetisch klingt - die kosmopolitischen Züge in sich trug. Bei Hip-Hop sehe ich das nicht, und bei Techno kommt noch hinzu, dass Punk ein Aufstand der Siebzehnjährigen war, während da die Protagonisten Mitte zwanzig sind. Das ist die verlängerte Kindheit, das Leben ohne Verantwortung, das andere sich mit dem Studium gönnen.
Aber was speziell hat dich dann an Punk so fasziniert?
Das ist jetzt die Frage nach dem brennenden Dornbusch, haha. Ich kann sie dir aber nicht beantworten. Vielleicht war es die Tatsache, dass Punk sich so auf Dauer bewährt hat. Man spürt, dass die Sache trägt - ohne dass sie mich allerdings getragen hat, denn ich war selbst nie Punk, habe nie in einem besetzten Haus gewohnt.
Spielt Punk denn in deinem Alltag eine Rolle, oder ist es nur eine Sache, die dich beruflich beschäftigt?
Vorhin rief mich ein fünfzehn- oder sechzehnjähriges Mädchen an und wollte was über meine Interviews mit Campino von den TOTEN HOSEN wissen. Und sonst spielt es eine Rolle, weil man die Platten und Fanzines zum Besprechen geschickt bekommt, und weil man sich das Gehör mit der Musik versaut. Aber mir fällt es immer schwerer, mich für einen Song oder eine Band zu begeistern, wobei ich allerdings nicht weiß, ob das an meinem Alter oder an der Menge der zugeschickten Platten liegt. Mir fällt es auch immer schwerer, mich zu entscheiden, wenn ich mal wieder in einem Plattenladen stehe - und es liegt sicher nicht am herrschenden Überangebot.
Lass uns über deinen Beruf sprechen: Du bist Soziologe und hältst an verschiedenen Universitäten Vorlesungen und Seminare, z.B. im letzten Semester auch an der Uni Essen. Und es ist schon ein recht komisches Bild, einen Dozenten in zerrissenen Jeans und mit SEX PISTOLS-T-Shirt da vorne stehen zu sehen. Ist das nur Posing?
Im Prinzip besteht das ganze Leben nur aus Posing. Mit Posing meinst du jetzt sicher durchdachtes Styling, bei der Auswahl der Kleidung morgens vor dem Spiegel die Außenwirkung bewusst schon vorwegnehmend. Wenn ich mit solchen Klamotten in der Uni stehe, dann sicher auch mit dem Hintergrund zu zeigen, was möglich ist -dass man promoviert haben und trotzdem noch mit „Nevermind-the-bollocks“-T-Shirt dasitzen kann.
Und, fühlst du dich gut, mit diesem Outfit vor den Leuten zu stehen?
Natürlich - ich fühle mich gut, weil ich da vorne stehe,hehe.
Aber du fühlst dich doch sicher anders als deine Kollegen an der Uni, und die Kollegen wie die Studenten schauen dich anders an, als wenn du im Anzug ankommst.
Naja, ich ahne zwar, worauf du hinaus willst, aber ich habe da nie so richtig drüber nachgedacht. Nevermind the bollocks, never mind the dozent. Worauf es ankommt - so wohl bei meiner Tätig keit fürs ZAP, als auch an der Uni ist, dass sich die Leute auf mich verlassen können
Warum schreibst du eigentlich im ZAP unter dem Pseudonym Emil Elektrohler?
Ich versuche zwischen meinem Beruf und meiner Tätigkeit zu trennen - deshalb der „Künstlername". Manchmal fällt die Trennung aber auch schwer.
Was machst du denn in deinem Beruf ganz konkret?
Ich bin wissenschaftlicher Assistent und ab dem 1. Oktober an der Universität Konstanz. Ich habe da eine Lehrverpflichtung von 4 Wochenstunden. Das sind also zwei Seminare. Abgesehen davon forsche ich derzeit über Rechtsradikalismus und ein paar anderen Sachen, wie Auftragsarbeiten für das Justizministerium
Klingt nach jeder Menge Arbeit und bedeutet, dass die Mitarbeit beim ZAP vor allem nach Feierabend passiert.
Ja, meine Freizeit besteht hauptsächlich aus ZAP, wobei ich es bei der neuen, wöchentlichen Erscheiunungsweise wohl nicht schaffe, bei jeder Ausgabe dabei zu sein.
Deine Kolumne besteht außer aus Besprechungen immer wieder auch aus Geschichten von deiner Tochter.
Ja, ich bin ein Fan von meiner Tochter. Die heißt übrigens Nina und ist sieben. Erst vorhin haben wir noch zusammen TERRORGRUPPE gehört und sie hat lauthals mitgesungen.
TERRORGRUPPE sind doch nicht jugendfrei!
Natürlich! „Arbeit“ ist doch ein schönes Lied.
Und was ist mit „Fickparty2000-zur Lust verdammt“?
Das ist die neue Platte, die habe ich noch nicht. Aber die „Arbeit“-7" ist ne sehr schöne Platte. Außerdem sind TERRORGRUPPE eine der wichtigsten neuen Bands.
Dass Punk nicht tot ist, hat man auch an den Chaostagen in Hannover gesehen, an denen das ZAP nicht ganz unbeteiligtwar.
Wenn die jungen Leute alljährlich zu den Chaostagen fahren, ist mir das lieber, als wenn sie vor Buchenwald oder Asylantenheimen dummes Zeug machen. Ich finde es wichtig, dass eine Alternative geboten wird, wenn jemand aufmerksamkeitsgeil ist. Und in der Hinsicht hat Hardcore und Punk einiges verschlafen: Da wurde gar nicht versucht, sich als konkurrierendes Auffangreservoir zu präsentieren.
Der Vorwurf ist aber doch ziemlich weithergeholt. Die Hardcore-bzw. Punkszene ist ja keine feste Organisation, sondern ein unstrukturierter Haufen, wo jeder macht, was er will.
Ich meine das jetzt garnicht auf einer politischen Ebene, sondern auf dem Level „Spaßhaben“. Aber wenn in unserer Gesellschaft als eine Möglichkeit des Spaßhabens ein Marsch vor das Asylantenheim mit ner Molli in der Tasche Einzug hält und dazu keine Alternative geboten wird - Techno ist keine Alternative - , die sieben Tage die Woche warm hält und Spaß garantiert, dann sehe ich schwarz. Unter dem Aspekt also, dass den Leuten gezeigt wird, dass es noch andere Möglichkeit gibt, etwas Spaß zu haben, finde ich die Chaostage vernünftig.
Sind Woodstock II und die Chaostage von Hannover vergleichbar?
Auch die Chaostage wurden von Nostalgie geschürt, gerade auch durch die ZAP-Sondernummer, wobei mit Moses da ein Endzwanziger seine Jugenderinnerungen aufgefrischt hat.
Ein Freund von mir sagte neulich, 25 Jahre Woodstock seien genug, und da hat er recht. Was die Chaosage betrifft, so waren in Hannover zig Leute, die das ZAP überhaupt nicht kennen. So einen flächendeckenden Einfluss hat so ein Heftchen dann auch wieder nicht. Klar, ein paar Punknostalgiker waren sicher dabei, aber das stört nicht weiter. Zur Nostalgie kam bzw. kommt nämlich der spannende Faktor des ungewissen Ausgangs der Veranstaltung, für den die Polizei verantwortlich ist, so wie das Sich-Bewähren an einem gemeinsamen Gegner. Das macht den eigentlichen Reiz der Sache aus. Hip-Hop und Techno können so einen Reiz nicht bieten.
Punk hat sein Provokationspotential heute weitgehend an die Rechten verloren. Woran liegt das?
Die Szene war zu sehr mit sich selbst beschäftigt, denke ich. Außerdem wurde nicht ausreichend für Nachwuchs gesorgt. Ich erinnere nur an die unsägliche„Kid-Punk“-Debatte, die in unregelmäßigen Abständen auftaucht. Für mich ist das folgenschwerer als die Debatte um den angeblichen Ausverkauf verschiedener Bands - man denke an die TOTEN HOSEN, ÄRZTE oder heute BAD RELIGION, BIOHAZARD und so weiter. Das Problem ist hier ein ganz Anderes: Diese Gruppen haben früher mal uns alleine gehört - einer mehr oder weniger intakten, homogenen, nach außen erkennbar abgeschotteten Szene. Und plötzlich mussten wir die Bands mit Leuten teilen, die mit unserer Szene nichts zu tun haben, dieser eventuell am entgegengesetzten Ende gegenüberstehen. Ich denke da an die Bundeswehrprolls bei den TOTEN-HOSEN-Konzerten. An der Qualität derBands an sich hat sich aber nicht so dramatisch viel geändert.
Außerdem hat ein Generationswechsel stattgefunden, denn bei NOFX besteht das Publikum zu einem guten Teil aus Kiddies, die BRAVO lesen.
Ja, aber mir ist es lieber, die gehen zu so einem Konzert, als zu den Faschos.
Früher musste man sich die Szene noch erarbeiten, aber heute wird sie den Neueinsteigern von Blättern wie VISIONS und ROCK HARD auf dem Silbertablett serviert, bieten die Leute, die sich Hardcore damals erarbeitet haben, heute mit ihren Labels und Fanzines eine perfekte Infrastruktur, in der man nur zu konsumieren braucht.
Die Szene hat sich gewandelt, und die Leute, die heute neu dazukommen, können Eltern haben, die vielleicht CLASH oder SEX PISTOLS gehört haben, als die Kinder gezeugt wurden. Das muss man sich mal reinziehen! Dafür können die Leute natürlich nichts, aber die Diskussionen über Punk- auch mit den Eltern haben schon andere für sie erledigt. Trotzdem geht mir jedes mal das Herz auf, wenn ich nen Fünfzehnjährigen mit Nietenlederjacke sehe, der sich da SLIME und TOXOPLASMA draufgemalt hat.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #18 III 1994 und Joachim Hiller