ELM TREE CIRCLE

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„Fear of missing out“, dafür steht der Begriff FOMO. Welche Momente rufen bei ELM TREE CIRCLE-Sänger Nic, der mittlerweile in Kanada lebt, diese Angst hervor?

Euer letztes Album war ja quasi die Geschichte einer Trennung. Hat „No FOMO“ auch ein generelles Konzept?

„No FOMO“ hat definitiv ein Thema, aber ist nicht ganz so stark konzeptionell wie unser letztes Album. Die Songs haben alle etwas gemeinsam auf eine gewisse Art und Weise: Sie haben alle mehr oder weniger direkt mit Angst, etwas zu verpassen, zu tun. In „Flow“ geht es stark ums Hin und Her zwischen eigenen Lebensvorstellungen und den aufgetragenen von dem Umfeld. Andere Songs wie „I got it“ kratzen das Thema nur teilweise an. Hier löst die FOMO eine Reihenfolge von Problemen aus, die dazu führen, alles hinschmeißen zu wollen, so dass man langsam stagniert und wiederum noch mehr FOMO kreiert.

Gab es Situationen, in denen du von FOMO auch schon mal betroffen warst?
Ich denke, seit der Fertigstellung des Albums gehe ich deutlich besser mit meiner FOMO um, aber hin und wieder trifft es mich doch noch hart. Seit einigen Monaten schaue ich nicht mehr so oft in sozialen Medien vorbei. Das hilft unheimlich. Doch wenn man dann mal reinschaut und sieht, was die Freunde in Deutschland treiben oder welche Band gerade mal wieder auf Tour ist, juckt’s mir doch noch stark in den Füßen. Der Zeitpunkt für den Release eines Albums mit dem Namen „No FOMO“ ist im Moment ziemlich ideal: Das einzig Gute an der Pandemie ist wahrscheinlich, dass man kaum Angst haben muss, etwas zu verpassen. Da liegt man wahrscheinlich eher starr auf der Couch und ist überfordert davon, für welchen Film man sich entscheiden soll.

In welchen Momenten ist FOMO denn vielleicht sogar angebracht und in welchen total dumm?
Wenn man sich nicht für einen Film oder eine Serie entscheiden kann, ist man sicher ziemlich stark von nutzloser FOMO betroffen. Die Filme und Serien laufen ja nicht unbedingt weg. Auch wenn man in den meisten Fällen von solchen Ängsten eher leidet und weniger profitiert, gibt es ein paar, in denen man FOMO auch für sich nutzen kann. Wenn man anderen Leuten dabei zuschaut, wie sie Unglaubliches auf die Beine stellen, legt man vielleicht Telefon und Fernbedienung zur Seite und rüstet den Schuppen im Garten oder das Wohnzimmer zur Hobbywerkstatt um oder plant eine Weltreise im VW-Bus. Vielleicht nennt man das dann aber auch einfach nur eine gesunde Motivation oder Schaffenskraft, haha.