FLATLINERS

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Retrospektiv

Polyesterhemden aus den 1990ern vermisst kaum jemand, aber das Jahrzehnt der eigenen Jugend besitzt stets einen besonderen Nimbus gegenüber der Gegenwart. So auch für Chris Cresswell, Sänger und Gitarrist der kanadischen Punkrock-Band THE FLATLINERS, die seit mittlerweile 25 Jahren existiert.

„Cold World“ heißt das neue Album der Gruppe. Ein Titel, der auf die aktuellen Herausforderungen unserer Gesellschaft anspielt, die Chris besonders im sozialen Umgang verortet. Dennoch entspricht seine Einstellung nicht dem roten Faden vieler Texte: „Ich bin hoffnungsvoll, was die Zukunft angeht – und zwar immer, was meine eigene betrifft, aber auch im Großen und Ganzen für uns als Menschen und den Planeten. Ich glaube, es geht darum, sich mit Leuten zu umgeben, die man liebt, so viel Zeit wie möglich mit Dingen zu verbringen, die man liebt, und selbst diese kleinen Momente der Freude zu finden – abseits von Arbeit und der Welt, die auseinanderfällt. Denn dann kann man nur optimistisch sein, weil man sich mehr von diesen Dingen wünschen wird. Und hoffentlich können wir dadurch alle lernen, besser miteinander und mit dem Planeten umzugehen. Dann kann ich aufhören, über diesen Kram zu singen.“

Innerhalb der Band existiert dieses individuelle Utopia bereits. Die Mitglieder waren bereits lange vor der Bandgründung eng miteinander befreundet. Auch wenn der Alltag als tourende Band nach außen immer ähnlich wirken mag – verglichen mit den ersten Jahren sieht der Sänger heute elementare Unterschiede: „Wir waren zu jung, um große Verantwortung zu tragen. Wir waren ständig unterwegs. So anstrengend das mental und körperlich auch sein kann, hat es doch etwas Einfaches an sich. Jetzt als gereifter Erwachsener – mit Verpflichtungen außerhalb der Band – ist es schwieriger, einen Rhythmus zu finden, wenn man für kurze Zeit auf Tour geht oder für kurze Zeit nach Hause kommt. Man ist irgendwie orientierungslos und versucht, eine Balance zu finden. Dafür gibt es aber auch eine andere Seite: kreativ gesehen und generell können wir die Band so führen, wie wir es wollen. Das ist befreiend.“

Ihre Jugend haben die einzelnen Bandmitglieder in den 1990ern erlebt mit Skateboards, Musikfernsehen und Songs der geliebten RANCID oder den SMASHING PUMPKINS im Radio. Manche Dinge vermisst der Frontmann hingegen weniger, etwa die „verdammten Flammen- oder Drachenhemden, die, wenn sie aus irgendeinem Grund Feuer fangen würden, sofort verbrannt wären, weil sie komplett aus synthetischem Material bestehen.“

Abgesehen von einzelnen Trends gibt es für ihn einen grundlegenden Unterschied, der seinem 1990s-Alter Ego in der Gegenwart wohl sehr zu schaffen machen würde: „das Tempo, in dem sich die Dinge entwickeln und in dem Informationen zirkulieren, das Tempo, in dem die Leute kommunizieren, auch bei Meinungsverschiedenheiten und Diskursen“. Allerdings muss man kein Zeitreisender sein, um sich von diesem Umstand überfordert zu fühlen.

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