
Album Nummer drei bedeutet häufig „Make it or break it“. Bei FROZEN SOUL gilt dieser Grundsatz jedoch nicht, haben diese mit ihren beiden bisherigen bereits Alben komplett abgeräumt, so dass „No Place Of Warmth“ dem Erfolg der Texaner keinen Abbruch tun wird. Wir sprechen mit Sänger Chad Green über das kommende Album, dessen (nerdige) Einflüsse und die tiefere Bedeutung mancher Songs.
Ich würde gern mit dem letzten Track anfangen: „Killin time (Until it’s time to kill)“. Was machst du aktuell, um dir die Zeit zu vertreiben?
Ich spiele „World of Warcraft“. Das lief eben tatsächlich noch im Hintergrund. Ich spiele die Classic-Version, weil ich früher schon gezockt habe. Ich habe damals aufgehört, als „Wrath of the Lich King“ rauskam, und war hauptsächlich bei „Vanilla“ und „The Burning Crusade“ unterwegs. Vor unserer letzten Tour haben meine Freundin und ich wieder angefangen. Als „The Burning Crusade“ damals erschien, habe ich den Moment verpasst, als das Dunkle Portal geöffnet wurde. Deshalb haben wir diesmal Charaktere geboostet, um genau an dem Tag, an dem die Classic-Version davon wiederveröffentlicht wurde, dabei zu sein. Das war total verrückt, der Server war komplett überlastet, und es fühlte sich an wie 2005. Inzwischen spielen wir aber auch die aktuelle Version, weil meine Freundin einen achtjährigen Sohn hat, und ich ihn ein bisschen mit Videospielen angefixt habe. Er wollte unbedingt „World of Warcraft“ spielen. Die Retail-Version ist deutlich zugänglicher und entspannter, also haben wir mit der neuen Erweiterung angefangen. Und ehrlich gesagt, ich finde sie mittlerweile besser als Classic. Sie ist viel angenehmer für Leute mit einem normalen Alltag. Außerdem kannst du alte Rüstungen transmoggen – ich laufe gerade alte Raids, um mir die Sets zu holen. Macht richtig Spaß.
Ich würde gern einmal auf das letzte Album zurückblicken: Ihr bei habt „Glacial Domination“ mit Matt Heafy von TRIVIUM zusammengearbeitet. Wie war diese Erfahrung im Nachhinein?
Matt hatte definitiv Einfluss, aber weniger auf die Riffs, als viele denken. Wir haben zwei Songs gemeinsam geschrieben. Der Titeltrack entstand aus einer Idee, die ich ihm am Telefon erzählt habe, und er hat daraufhin ein passendes Riff entwickelt. Seine größte Leistung lag aber darin, dass er uns geholfen hat, aus unserer Komfortzone auszubrechen. Er hat uns gezeigt, dass es okay ist, nicht immer nur das Extremste im Death Metal
zu machen, sondern auch andere Dinge auszuprobieren. Bei dem neuen Album haben wir dann bewusst das Gegenteil gemacht: Wir wollten es deutlich härter haben. Die Produktion sollte sich wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen und unsere Live-Energie widerspiegeln. Beim letzten Album klang vieles etwas „cleaner“, hier wollten wir, dass es richtig reinhaut.
Ich habe gelesen, dass ihr „No Place Of Warmth“ innerhalb von sechs Wochen im Studio geschrieben habt und kaum vorbereitet wart. Ist das richtig?
Ja, das stimmt im Großen und Ganzen. Wir hatten zwar Ideen, Riffs und Fragmente – teilweise noch von früheren Alben – aber keine fertigen Songs. Den Großteil haben wir tatsächlich erst im Studio entwickelt. Die ersten zwei Wochen waren eher zum Reinkommen: Sachen ausprobieren, aufnehmen, Ideen sammeln. Nach einer Weile haben wir unseren Rhythmus gefunden und richtig losgelegt. Acht Stunden im Studio, danach oft noch bis Mitternacht weiterarbeiten. Der Hauptgrund war, dass wir uns komplett aus unserem Alltag herausziehen wollten. Wir sind sonst so viel auf Tour, dass kaum Zeit bleibt, in Ruhe etwas zu schreiben. Denn wenn man nach Hause kommt, will man einfach abschalten und Zeit mit der Familie verbringen. Kreativität kann man nicht erzwingen – man muss in den richtigen Zustand kommen. Deshalb sind wir bewusst an einen neuen Ort gegangen, um uns voll darauf zu konzentrieren. Unser Produzent hatte Erfahrung mit genau dieser Arbeitsweise und hat uns dabei geholfen. Für uns hat sich das absolut gelohnt, das Album fühlt sich wie unser bisher stärkstes an.
Lass uns über den Song „Frost forged“ sprechen – wie wird man eigentlich „durch Eis geschmiedet“?
Der Song hat sich stark verändert. Ursprünglich war es ein klassischer Death-Metal-Track mit dem Titel „Primal conqueror“, inspiriert von einer „Magic: The Gathering“-Karte. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass das Album inhaltlich tiefer gehen sein soll. Es geht um den inneren Kampf und darum, wie hart und kalt die Realität sein kann. „Frost forged“ bedeutet im Grunde: Du hast zwei Möglichkeiten. Entweder du lässt dich vom Leben begraben und erstarrst vor Angst – oder du lässt dich durch diese eisige Härte formen und wirst stärker.
Dieses Thema zieht sich durch das gesamte Album.
Unter all den Motiven wie Eis, Krieg und Brutalität steckt bei euch oft eine sehr empowernde, ziemlich menschliche Botschaft. Hast du das Gefühl, dass das von den Leuten wahrgenommen wird?
Ja, wir hören das immer öfter, vor allem seit wir so viel auf Tour sind. Ich spreche bei Ansagen auf den Shows auch manchmal über mentale Gesundheit, und viele Leute melden sich danach bei uns. Bei dem neuen Album habe ich das Gefühl, dass wir diese Themen noch offener angesprochen haben. Früher passierte das eher unterschwellig, jetzt tragen wir es mehr nach außen. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass noch mehr Leute darauf eingehen. Aber ich höre es schon relativ oft, und es bedeutet mir viel. Denn genau darum geht es bei unserer Musik. Es gibt aber auch Songs, die einfach Spaß machen sollen. „Skinned by the wind“ ist zum Beispiel einfach ein klassischer Death-Metal-Track ohne tiefere Bedeutung. „Killin time (Until it’s time to kill)“ ist sogar einfach ein lustiger Song über einen Killer, der genervt ist, dass seine Freizeit vorbei ist und er wieder jemanden töten muss. Manche Songs haben also eine tiefere Bedeutung, andere entstehen eher aus Spaß oder spontanen Ideen.
© by Fuze - Ausgabe #100 Juni/Juli 2023 und Manuel Stein
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