GEBRETTER

Foto© by Tobi ToTal

Gebretter-Alaaf

Mit „Pint Peddla“ legt das Kölner Quintett ein Album vor, das rohe Energie, Humor und Haltung zu einem wuchtigen Gesamtpaket verdichtet. Die Band bleibt ihrem dreisprachigen DIY-Hardcore-Punk treu, mischt Ernsthaftes mit Ironie und zeigt erneut, wie kompromisslos und lebendig Individualität klingen kann.

Nach dem befragt, was die neuen Songs motiviert hat, erklärt Frontmann Bierbaron Ben, dass das meiste mitten aus dem Leben stammt: „Die neuen Lieder sind von alltäglichen Sachen geprägt, über die wir uns oder ich mir Gedanken mache“, sagt er. Politische Entwicklungen wie Deutschlands Rolle als kriegsführende Nation fließen ebenso ein wie existenzielle Überlegungen: „Der Mensch wird nackt geboren und geht nackt wieder ins Bett.“ Auch scheinbar Banales wie Rauchen findet seinen Platz – etwa in „Hecke“, das die Absurditäten wechselnder Legalität kommentiert. Mit dem Song ,Pint Peddla‘ widmet sich die Band einer Leidenschaft: dem Fahrradfahren. Für GEBRETTER bedeutet Radeln Freiheit, Trotz und Lebensgefühl: „Hauptsache, fahren, Spaß haben und nach Hause kommen“, fasst der Sänger zusammen. Musikalisch lehnt sich der Song an TURBONEGRO an, während Bierbaron Ben auf seinem „apokalyptischen Drahtesel“ unterwegs ist – ohne Helm, versteht sich. Aus einem Spottlied über die Hitlerjugend wurde „Porzellansyndrom“: „Eine Verarsche der deutschen Wehrmacht oder generell einfach aller Armeen“, wie Ben betont.

Auf die Frage nach der kompromisslosen Direktheit der Stücke erklärt er: „Unsere Texte sind ein wilder Mix aus Deutsch, Englisch und Kölsch.“ Für manche wirr, für die Band jedoch Ausdruck von Haltung: „Die Botschaft sollte schon klar sein und verständlich rüberkommen.“ GEBRETTER sei ein „wild zusammengewürfelter Haufen“, aber im Punkrock vereint. Er selbst kommt aus Elektro- und Ragga-Formationen, liebt Breakcore und Jungle Punk. Der Bassist produziert TripHop, der Gitarrist spielt Indie, der Schlagzeuger hört alles, und die Gitarristin – „Klasse 1980er-DJane aka Turbine“ – bringt ihre eigenen Einflüsse ein: „We love music and as long as you are no asshole, we will listen to your music.“

Humor ist dabei zentral: „Wer nicht über sich selbst lachen kann, darf auch nicht über andere lachen.“ Köln prägt die Gruppe stark: „Drei von uns sind in Kölle jeboore“, sagt der Sänger, die anderen leben seit über 20 Jahren hier. Die Verbundenheit zur Szene ist tief, und GEBRETTER haben selbst ihren Teil dazu beigetragen, sie mitzugestalten. Kölns Selbstbewusstsein, die eigene Schönheit zu besingen, teilt die Band zwar nicht vollständig, doch die Stadt färbt ab, besonders im Karneval: „Vier Tage Anarchie für uns.“ Der legendäre „Bassneval“ im Gebäude 9 bleibt unvergessen. Und so ruft Ben ein dreifaches „antifaschistisches, antisexistisches und FLINTA-freundliches GEBRETTER-Alaaf!“ Für die Band ist klar: Es ging uns lange gut, jetzt heißt es wieder aufstehen: „Lebt euer Leben im Respekt anderen gegenüber, aber lasst euch nicht vom Licht der ganzen E-Scooter und Xenon-Heckleuchten blenden. Fuck war and fascism. For a better world in unity.“ Die westliche Welt solle sich nicht auf ihren Privilegien ausruhen: „Macht das Maul auf und setzt euch ein für euren Willen. Sagt was, wenn etwas euch nicht passt oder wenn jemand einen läppschen Nazispruch raushaut.“

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