© by Wolfram HankeAllein für den Bandnamen DAS GELBE VOM OI! gibt es schon 100 Punkte. Dahinter verbergen sich fünf Jungs aus der unterfränkischen Punk- und Hardcore-Szene. Bassist Sebastian Schunder veranstaltet das Punkrock-Open-Air Krach am Bach, Gitarrist Simon Hereth das Stäbruch Festival.
Jetzt nehmen sie selbst die Instrumente in die Hand und hauen derben Sauf-Punk raus. Rumpel-Sound mit ganz simplen Strukturen, der einfach nur Spaß macht. Steigerwald-Oi! steht auf der Bandcamp-Seite als Beschreibung. Vor einem Jahr kam das erste Demotape raus und jetzt gibt es ein ganzes Album. „Ihr bekommt, was ihr verdient“ erscheint auf Contra Records und Subculture For Life. Bassist Basti, Gitarrist Simon, Schlagzeuger Jackl und Sänger Huthi erzählen uns, wie es zur Bandgründung gekommen ist.
DAS GELBE VOM OI! gibt es noch nicht so lang. Wie hat es angefangen mit der Band?
Huthi: Wir waren alle im November 2023 beim Stäbruch Festival in Untererthal bei Hammelburg, das unser Gitarrist Simon veranstaltet. Irgendwann nachts standen wir angeheitert an der Bar und haben beschlossen, eine Band zu gründen. Ruckzuck waren wir zu fünft und los ging’s. Zwischen Weihnachten und Silvester haben wir uns zum ersten Mal in Schweinfurt getroffen und nach 15 Minuten war der erste Song schon fertig.
Habt ihr schon Erfahrungen in anderen Bands gesammelt?
Basti: Jackl und ich hatten schon mit 13 eine Band. Wir haben Punksongs gecovert, weil wir nichts anderes konnten. Die Band gab es bestimmt zehn Jahre lang und die hieß TERRORLOFT. Wir waren nur in der Gegend um Prölsdorf im Steigerwald bekannt und gefürchtet, haha. Wir haben uns die Instrumente selbst beigebracht und einfach Spaß gehabt. Daran hat sich nichts geändert. Großes Können oder Bühnenerfahrung gibt es also nicht, aber große Motivation.
Simon: Ich singe hauptsächlich in der Hardcore-Band THIN ICE und davor war ich Sänger einer Streetpunk-Band namens THE POOR DEVILS. Gitarre habe ich bei einer Band namens KAMUZI UZI gespielt. Da habe ich nur Powerchords geschrubbt, das mache ich jetzt auch bei DAS GELBE VOM OI!. Für unseren Sound passt das perfekt.
Basti: Wir hatten noch einen zweiten Gitarristen, der auch Simon heißt. Der war vorher bei ROSIE DODGED A BULLET und hat bei unserer Coverband mitgemacht. Der beherrscht nicht nur sein Instrument besser, der ist auch viel schlauer als wir. Der ist nämlich Professor für Mathematik an der Uni in Bamberg und wurde irgendwann nach Koblenz versetzt. Deshalb musste er leider aussteigen. Für ihn haben wir Daniel, den früheren Gitarristen von POOR DEVILS, ins Boot geholt.
Huthi: Für mich ist die Band komplettes Neuland. Ich besuche seit vielen Jahren Punk- und Hardcore-Konzerte und bin in der Punk-Szene als DJ unterwegs. Aber ich stand bisher noch nicht auf der Bühne.
Wie seid ihr auf euren Sound gekommen? Ich nenne es mal derben Saufpunk, haha.
Simon: Wir hören alle klassische Oi!-Musik und Deutschpunk. Derber Saufpunk trifft es perfekt, da fühlen wir uns zu Hause. Nicht nur musikalisch, so sind wir auch als Typen gestrickt. Dieser rumpelige Sound passt zu uns wie die Faust aufs Auge. Wir wollen es alle LoFi halten und uns keine große Gedanken über Songstrukturen machen. Simpler UK-Punkrock im Stil der 1980er. Back to the roots. Da gibt es gerade einige Bands, die diesen Sound machen. Lieber einfach als kompliziert.
Basti: Wir haben uns in Schweinfurt zum Proben getroffen und losgelegt. Beim ersten Mal bin ich eine halbe Stunde zu spät gekommen. Da waren schon zwei Songs im Kasten. Am Anfang habe ich gedacht, die verarschen mich. Aber das waren dann tatsächlich die beiden Songs, die wir auf unser Demo gepackt haben. Daran erkennt man, wie der Sound funktioniert. Das ist kein Progressive Rock, sondern einfach gestrickt. Es soll vor allem uns und den Leuten vor der Bühne Spaß machen. Darauf kommt es an.
Wie sehen die Ambitionen der Band aus?
Huthi: Unser Ziel ist es, viele Konzerte zu spielen und eine Platte aufzunehmen. Ich sehe aber nicht, dass wir ein halbes Jahr auf Tour gehen. Das ist auch gar nicht möglich, weil wir alle noch andere Verpflichtungen haben. Jobs oder Familien. Der Spaß soll weiter im Vordergrund stehen.
Simon: Unser Motto lautet: Alles kann, nichts muss. Das zeichnet unsere Attitüde aus und ich glaube, das findet unser Publikum auch cool. Wir nehmen uns selbst nicht so ernst und haben keine großen Ambitionen. So wie es kommt, kommt es einfach.
Basti: Ich finde, die ganze Szene sollte sich ohnehin ein bisschen lockerer machen. Gerade kleinere Bands kommen auf den Markt und haben gleich ein Management oder eine Booking-Agentur im Nacken, obwohl sie vielleicht erst eine EP veröffentlicht haben. Gleichzeitig ist alles schon darauf ausgelegt, dass sie möglichst schnell auf großen Festivals spielen müssen. Wie ein Punk-Businessplan im Hintergrund. Das ist mir völlig zuwider. Das merkt man diesen Bands sehr schnell an. Da ist alles so engstirnig und verkrampft. Da bleibt der Spaß schnell auf der Strecke. Mir machen solche Bands als Zuschauer keinen Spaß und ich frage mich als Veranstalter oft, ob das den Bands überhaupt Spaß macht. Wenn auf alles peinlich genau geachtet wird, ob das in den Plan passt oder nicht. Dann lieber so wie wir das machen und fertig.
Ihr habt keinen Businessplan, aber trotzdem läuft es gut. Euch gibt es nicht mal zwei Jahre, ihr habt eine Platte am Start und habt schon einige Shows gespielt. Hilft es euch, dass zwei Veranstalter in der Band sind?
Simon: Klar haben wir Vitamin B, aber wir sind auch seit Jahren in der Szene aktiv und haben unzählige Shows besucht. Deshalb kennen wir auch die Leute von Contra und Subculture For Life schon lange und die haben nicht lange gezögert, als es darum ging, zusammen eine Platte zu machen. Die wissen, dass wir Punkrock leben und keine Fähnchen im Wind sind. Außerdem glaube ich, dass es eine Menge Leute gibt, die unseren Sound und unsere Texte gut finden. Wir stehen für Spaß, aber auch für eine klare Haltung.
Ihr habt das Album bei Micky Wehner aufgenommen. Das ist der ehemalige Gitarrist der Speed-Metal-Band VENDETTA. Wie ist es im Studio gelaufen?
Huthi: Die Aufnahmen waren legendär. Micky ist mein Patenonkel, deshalb haben wir uns für sein Studio entschieden. Das ist in Morlesau bei Hammelburg. Das ist kein normales Studio, wie man sich das vorstellt. Das Schlagzeug stand in einer Garage und über eine Hühnerleiter geht es hoch zum Mischpult. Alles ein bisschen improvisiert. Wir haben uns da sehr wohl gefühlt, das hat für uns perfekt gepasst.
Jackl: Wir anderen kannten Micky vorher nicht. Seine Schwiegermutter musste erst das Auto rausfahren, damit wir das Schlagzeug aufbauen konnten. Er hat dann über die Hühnerleiter zwei Kabel heruntergezogen und schon ist es losgegangen. Die Garage stand offen, das heißt, immer wenn ein Traktor oder ein Fahrradfahrer auf dem benachbarten Feldweg vorbeigekommen ist, mussten wir kurz Pause machen.
Simon: Schneller kann man ein Album nicht machen. Wir haben sechs Mal geprobt und dann gleich aufgenommen. Das Album hat eine Länge von etwa 20 Minuten. Basti war in einer Stunde fertig. Bei mir hat es ein bisschen länger gedauert. Effektiv haben wir für die kompletten Aufnahmen 20 Stunden gebraucht. Gemischt hat die Songs unser Freund Jason Rowe in seinem kleinen Studio in Obererthal.
Basti: Dadurch ist das Album authentisch. Es soll nicht überproduziert sein. Wir sind sehr zufrieden mit dem Sound. Es soll einfach auch scheppern. Micky hat sich am Anfang wahrscheinlich gedacht: Oh Gott, was habe ich mir da eingebrockt? Haha. Aber am Ende war auch er zufrieden mit dem Ergebnis. Wir hätten es nach fünf Takes auch nicht besser spielen können, haha.
Ihr kommt alle vom Dorf. Ihr nennt euch selbst Steigerwald-Oi!, welche Rolle spielt das für die Band?
Basti: Was wir machen, ist schon ein bisschen prollig. Das kommt sicher daher, dass wir auf dem Dorf sozialisiert wurden. Da ist alles vielleicht ein bisschen derber als in der Stadt. Trotzdem sind wir von der Einstellung her nicht anders als irgendwelche korrekten Leute aus großen Metropolen.
Simon: Wir sind auf jeden Fall Dorfkinder, bei uns wird eher Asbach oder Jack Daniel’s getrunken als Aperol Spritz oder Sekt. Das ist einfach unsere Welt. Aber das passt für uns. Auf die Musik hat das aber in meinen Augen überhaupt keine Auswirkung. Das hat eher uns als Typen geprägt. Es gibt bestimmt auch urbane Bands, die ähnliche Musik und ähnliche Texte machen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Wolfram Hanke
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Wolfram Hanke