© by Blguunee HiroshVon einem Geheimtipp kann man bei den Mongolen THE HU nicht mehr sprechen, längst sind sie mit ihrem recht einzigartigen Sound in der Metallandschaft angekommen. Wie sich die Band dort willkommen gefühlt hat und warum die Kombination von Metal und mongolischem Gesang und Instrumenten auch auf dem dritten Album „Hun“ so gut funktioniert, klären wir mit Jaya. Er spielt die Tumur Khuur, eine Maultrommel, sowie die Hirtenflöte Tsuur und weitere Instrumente.
Ich weiß, dass ihr gerade auf Tour seid, wie läuft es denn so?
Im Moment touren wir mit APOCALYPTICA und THE RASMUS, beides finnische Bands, soweit ich weiß. Sie sind sehr, sehr gut in dem, was sie tun – unglaubliche Musiker. Aber nicht nur das: Die Stimmung ist insgesamt sehr, sehr entspannt, sie sind sehr positiv und sehr respektvoll. Das meine ich ernst, wenn ich das sage, denn sie sind sehr, sehr freundlich, was zum Beispiel Änderungen an der Produktion oder im Backstage-Bereich angeht – all die Energie, die sie auf der Bühne haben, überträgt sich im Grunde auch hinter die Kulissen. Die Atmosphäre ist auf jeden Fall anders im Vergleich zu allen anderen Tourneen, auf denen wir bisher waren. Wir haben APOCALYPTICA schon lange gehört, bevor wir selbst Musiker wurden. Und sie verfügen über langjährige Erfahrung.
Überträgt sich das auf die gesamte Metal-Community? Denn ich habe das Gefühl, dass ihr vor ein paar Jahren quasi aus dem Nichts aufgetaucht seid und von allen in der Metal- und Rock-Community sehr herzlich aufgenommen wurdet.
Ich stimme dir zu 100% zu, denn weißt du, ohne die Rock-Szene wären wir nicht hier. Es war ein herzlicher Empfang, richtig, eine echte Umarmung. Seit wir unsere beiden ersten Songs auf unseren Social Media-Plattformen veröffentlicht haben, gab es nichts als offene Arme, obwohl wir eine ganz eigene Interpretation von Metal bieten. Aber letztendlich hängt das wohl mit der Authentizität zusammen, die wir vermitteln. Und das zeigt die Aufgeschlossenheit der Rock- und Metal-Community und ihre Akzeptanz gegenüber jeder Kultur, denn wir singen ja, wie du bereits weißt, ausschließlich auf Mongolisch. Und wir haben tatsächlich immer noch so viele Fans, die das zu schätzen wissen. Und das ist so cool. Und wir sind all unseren Fans und all den Künstlern, die uns bis heute unterstützen, total dankbar.
Hast du das Gefühl, dass sich die Art und Weise, wie die Metal-Community oder die internationale Szene – oder wie auch immer man es nennen will – auf THE HU blickt, verändert hat: von anfänglich „Das ist ein Sound den wir noch nie gehört haben“ hin zu „Das ist jetzt ein internationaler Akteur, eine Band, mit der man rechnen muss“?
Wir werden oft gefragt: Werdet ihr jetzt zu westlichen Künstlern? Oder: Warum ändern sich eigentlich einige eurer Songs? Aber unsere Antwort ist immer dieselbe: Auch wenn wir bestimmte Grenzen unseres Genres ausloten, bleiben wir uns selbst treu. Und wir bleiben unseren Wurzeln und den traditionellen Instrumenten, die wir spielen, treu. Und wir ermutigen auch viele Menschen, es uns gleichzutun. Und da wir die Pioniere dieser internationalen Bewegung sind, bei der bestimmte kulturelle Aspekte und historische Elemente in die moderne Musik einfließen, sehen wir, dass so viele Künstler dasselbe tun und es auch viele Menschen gibt, die dieses uralte, tiefklingende Instrument ebenfalls hören wollen. Bis heute, auf unserem dritten Album, haben wir uns bemüht, diesen authentischen, für uns charakteristischen Stil beizubehalten, aber gleichzeitig die Grenzen dessen, was wir damit tun können, immer weiter zu verschieben. Und genau das wirst du auf unserem dritten Album hören.
In den letzten Jahren gab es immer mehr Bands, die traditionelle Elemente aus ihrer Heimat einfließen lassen. BLOODYWOOD aus Indien oder ALIEN WEAPONRY aus Neuseeland fallen mir da ein. Warum, glaubst du, harmonieren gerade Metal und Rock so gut mit diesem spezifischen kulturellen Kontext in diesen Ländern?
Die einfache Antwort lautet: Es passt einfach. Es passt musikalisch. Aber die ausführlichere Antwort darauf ist, dass die Eigenschaften des Rock- und Metal-Genres und die Eigenschaften dieser authentischen kulturellen Elemente darin bestehen, dass die Merkmale bei der Stimmung der Instrumente sehr ähnlich sein könnten, oder? Man kann also nicht einfach etwas völlig wahllos irgendwas mit etwas anderem verbinden und dann hoffen, dass es funktioniert. Aber für uns sind diese alten Stücke, die Stimmung – musikalisch gesehen – und der Kehlkopfgesang der Gesangsweise im Metal und Rock sehr ähnlich. Und die Stimmung der Pferdekopfgeige zum Beispiel kann auch der einiger Gitarren ähneln, würde ich sagen. Wir konzentrieren uns also auf die Gemeinsamkeiten, fügen das zusammen, was passt, und bringen so sehr tiefgründige, authentische Elemente in das Rock-Genre ein. Und deshalb funktioniert es. Aber noch einmal: Die Charakteristik und das Charisma sind sehr ähnlich. Es gibt viele Überschneidungen zwischen authentischer, traditioneller Musik und den Sounds von Heavy Rock und Metal.