ISOLATION RECORDS

Foto

My record label

Mit Isolation hat sich in Berlin ein neues Label etabliert, das bereits mit spannenden Releases überzeugen konnte. Wir reden mit Pascal, der das Label zusammen mit seinem Kompagnon Christoph betreibt, ein wenig über seine Arbeit und fragen, was man tun muss, um von ihm gesignt zu werden.

Isolation Records ist ein noch recht junges, aber aufstrebendes Label. Mit welchen Vorstellungen hast du das Label gegründet? Woran orientiert ihr euch?

Das Label habe ich mit der Idee gegründet, Bands, von denen ich viel halte und mit denen ich gerne zusammenarbeiten möchte, ein Zuhause zu bieten. Es gibt viele gute Plattenfirmen, aber dennoch habe ich das Gefühl, dass es in Europa nur wenige kleinere Labels gibt, die trotzdem einen professionellen Anspruch haben. Mir ist es wichtig, dass eine Band, mit der wir arbeiten, die ihnen gebührende Aufmerksamkeit bekommt und wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um das Beste aus einer Platte rauszuholen. Genauso wichtig ist es mir, dass ich zusammen mit den Bands die Ziele definiere, an deren Umsetzung anschließend gemeinsam gearbeitet wird.

Welche Releases gab es in letzter Zeit, was kann man in Zukunft von euch erwarten? Worauf freust du dich besonders?
Bisher haben wir Platten veröffentlicht von MASS WORSHIP, das sind ex-CITY KEYS, sowie von PORTRAYAL OF GUILT, STREET SECTS, IMPRISONED und LOWEST CREATURE. Als Nächstes steht das zweite Album der Dänen LIFESICK an, auf das ich mich sehr freue. Wir haben vor kurzem ihre erste Single veröffentlicht und das Album ist ab sofort vorbestellbar. Hier kann ich es kaum erwarten, die Platte endlich in den Händen zu halten. Das Packaging passt meiner Meinung nach perfekt zur Musik – rau und dunkel. Außerdem waren LOWEST CREATURE vor kurzem im Studio, um ihr Debütalbum aufzunehmen. Nach „Misery Unfolds“, der auf Isolation erschienenen EP der Schweden, wird es auch höchste Zeit. Ich habe die Tage die ersten Aufnahmen geschickt bekommen und freue mich tierisch darauf, mit der Band an der Veröffentlichung zu arbeiten.

Inwiefern ist Isolation mit Evil Greed verbunden?
Isolation Records ist Anfang des Jahres aus Evil Greed hervorgegangen. Ich bringe schon seit einiger Zeit Musik raus, das passierte bisher unter dem Namen Evil Greed. Da das aber hauptsächlich ein Online-Store und Vertrieb für Band-Merchandise und Tonträger ist, war es mir wichtig, beide Projekte genau zu unterscheiden, um deutlicher nach außen kommunizieren zu können, was wir genau tun. Evil Greed kümmert sich weiterhin um den Vertrieb aller Isolation-Releases und bietet die bereits bestehende Infrastruktur, so dass wir mit dem Label nicht wieder bei Null anfangen müssen.

Eure Bands sind ziemlich international. Wie kommt es, dass ihr euch direkt so breit aufstellt?
Tatsächlich arbeiten wir mit vergleichsweise vielen skandinavischen Bands zusammen; LIFESICK, LOWEST CREATURE, MASS WORSHIP und NO OMEGA. Wieso das so ist, kann ich dir gar nicht beantworten – irgendwas machen die „da oben“ wohl verdammt richtig, haha. Die Herkunft unserer Bands ist mir aber offen gesagt total egal. Durch den Vertrieb via Evil Greed in Europa und Deathwish Inc. in Nordamerika ist es uns möglich, unsere physischen Releases überall zu fairen Konditionen anzubieten. Natürlich sind wir in Europa ansässig und entsprechend freuen wir uns sehr darüber, wenn unsere Bands auch hier touren. Im Falle der US-Band PORTRAYAL OF GUILT ist dies bereits dieses Jahr geschehen, kurz nach dem Release der Split-Seven-Inch mit STREET SECTS, und mit den Australiern IMPRISONED – Achtung, Spoiler! – arbeiten wir an einer Europatour für das kommende Jahr. Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich aktuell von sehr wenigen deutschen Bands wirklich angetan. Die paar, die mich bewegen, sind bereits bei unseren Freunden End Hits Records untergekommen!

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um von Isolation gesignt zu werden?, Was muss eine Band, neben der Musik, heutzutage mitbringen, um im Business zu bestehen?
Ich empfinde es als sehr wichtig, dass eine Band selbst von ihrer Musik und ihren Ideen überzeugt ist und sie genau wissen, was sie wollen. Ich mag es, wenn ein roter Faden oder ein Konzept zu erkennen ist, die Musik, Visuals und Bühnenpräsenz schlüssig sind und das ganze Paket in meinen Augen ästhetisch wirkt. Das ist natürlich sehr subjektiv und dementsprechend schwierig zu erklären ... Ich möchte keine Platten veröffentlichen, hinter denen ich nicht selbst zu hundert Prozent stehe, und erwarte von unseren Bands dementsprechend, dass sie dafür viel Zeit und Arbeit aufwenden. Viele Bands setzen sich keine klaren Ziele, wissen nicht, was sie wollen, und entsprechend arbeiten sie auch auf nichts hin. Um im Musikbusiness bestehen zu können, braucht man aber genau diese Ziele, diese Visionen, an deren Umsetzung man arbeiten kann. Natürlich ist der Anspruch einer Band hierfür ausschlaggebend und nicht jede möchte das überhaupt – wir setzen diesen allerdings gern hoch an.

Gibt es in der Szene Labels, die ein Vorbild für dich und die Arbeit von Isolation sind?
Sowohl Deathwish Inc. als auch Southern Lord oder Closed Casket könnte man definitiv so bezeichnen. Gerade Deathwish Inc. ist ein Label, das durch seine Liebe zum Detail und die hochwertigen Produkte eine große Inspiration für mich ist. Ebenso schaffen sie es, verschiedenste Musikstile herauszubringen, und trotzdem immer den Labelcharakter zu vermitteln. Nichts wirkt fehl am Platz und alles erscheint schlüssig.

Wie muss man sich den Job des Labelchefs vorstellen? Was sind die tagtäglichen Aufgaben, mit welchen Probleme hast du zu kämpfen?
Heutzutage geht sehr viel Zeit für Social Media drauf. Sowohl das Posten an sich als auch die Erstellung von Inhalten und die Planung nehmen sehr viel Zeit in Anspruch. Neben der Kommunikation und unzähligen Absprachen mit Bands stehe ich außerdem stets im Austausch mit unserer Promo-Agentur, mit der ich daran arbeite, unsere Veröffentlichungen und Bands der Presse zu präsentieren. Die Probleme: Deadlines. Ich würde behaupten, dass ich ein gutes Zeitmanagement habe und weit im Voraus plane. Trotzdem kommt es oft zu Situationen, in denen ich verschiedensten Leuten wegen verschiedensten Dingen hinterherrennen und den Überblick behalten muss. Das kann dann schon mal etwas stressig werden, vor allem wenn die Uhr tickt.

Wo siehst du Isolation in fünf Jahren?
In fünf Jahren möchte ich gerne ein solides Roster von Bands haben, die konstant Musik veröffentlichen und sowohl sich selbst als auch dem Label treu bleiben. Wenn sich das Label bis dahin finanziell selbst tragen kann und wir unseren Bands das bieten können, was sie von einem Label erwarten – und ein bisschen mehr –, bin ich sehr zufrieden. Ich möchte, dass das Label einen eigenen Charakter ausbildet und mit qualitativ hochwertiger Musik als auch ebenso hochwertigen Produkten assoziiert wird, und hoffe, dass wir noch einige junge, kreative Bands bei der Umsetzung ihrer Visionen unterstützen können.